Die Creme der Schweizer Wirtschaft und Politik war anwesend, als kürzlich am Swiss Economic Forum der bekannteste Jungunternehmer-Preis des Landes vergeben wurde. Aus neun herausragenden Geschäftsideen hatte die hochkarätige und breit abgestützte Jury drei Gewinner zu küren. Oberflächlich betrachtet, bewies der Swiss Economic Award also wieder einmal, dass die Schweiz weltweit absolute Spitze ist, wenn es um erfolgreiche Jungunternehmer geht.

Im neuesten Global Competitiveness Report des WEF belegt die Schweiz denn auch den ersten Rang vor Singapur, Schweden und Finnland. Ganz anders sieht es aus, wenn es um die Verfügbarkeit von Risikokapital geht. Weltweit schaffen wir es hier noch auf den 18. Rang. Eine Erfolgsstory wie jene, die Mark Zuckerberg am 4. Februar 2004 mit der Gründung von Facebook zu schreiben begann, wäre in der Schweiz kaum möglich.

Dabei mangelt es hierzulande nicht an Geld – von 1999 bis 2010 wurden rund sieben Milliarden Franken in etwa 1300 Unternehmen investiert –, doch eine strukturelle Risikoaversion und eine hohe Sparquote behindern den nötigen Zustrom von Venturecapital. Und während in den USA einige der größten Unternehmer zumindest einmal im Leben krachend gescheitert sind, erlauben wir uns eine Null-Fehler-Mentalität, die ein Scheitern nicht zulässt. Zudem sind wir »verwöhnt«, wie es der Venturecapitalist Daniel Gutenberg kürzlich in der Handelszeitung auf den Punkt brachte: »Talente erhalten relativ einfach einen Job bei einer Bank oder einer anderen gut zahlenden Firma.« Da sei die Motivation nicht groß, sich als Jungunternehmer abzumühen und, zumindest anfänglich, kaum Geld zu verdienen.

Die 2010 mit dem Swiss Economic Award ausgezeichnete Arvi SA, ein Online-Händler für Jahrgangsweine, ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Die Hälfte aller Schweizer Jungunternehmen erlebt das fünfjährige Firmenjubiläum nicht. Träume haben eine kurze Halbwertszeit, gefragt sind vielmehr eine Mischung aus Herzblut und realistischem Optimismus. Die Euphorie der ersten Phase verfliegt meist dann, wenn es bei der Wachstumsfinanzierung um Beträge zwischen zehn Millionen Franken und mehr geht. Öffnet sich die Schatulle der lokalen Investoren noch, wenn es um eine Anschubfinanzierung von ein bis zwei Millionen Franken geht, müssen Start-ups später größere Summen oft im Ausland auftreiben. Oder sie wandern gleich in Länder aus, in denen sie ein besseres Klima für ihr Vorhaben finden.

Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, dass der Jungbrunnen der Schweizer Wirtschaft austrocknet, müssen wir die jahrhundertelange Tradition der effizienten Kooperation zwischen den Hochschulen, den Unternehmen und der Politik weiterentwickeln. Ohne Erneuerung verliert unsere Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit. Wir sollten das ganze Land als ein großes Silicon Valley verstehen, das angetrieben wird von innovativen Ideen und unseren Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Ausdauer und Präzision.

Unsere größte Herausforderung liegt weniger in der Motivation zum Unternehmertum oder in einem Mangel an Ideen. Die Hürden liegen anderswo: Wir müssen vermehrt die unternehmerische Kultur und das gesellschaftliche Verständnis für das Jungunternehmertum fördern. Deshalb investieren wir so viel Herzblut in den Swiss Economic Award. Wir wollen damit allen Talenten, die das Risiko nicht scheuen, Mut machen, denn sie leisten einen entscheidenden Beitrag für die künftige Prosperität unseres Landes. »Stärken stärken« war das Thema des Swiss Economic Forum. Das sollte unsere neue Tugend sein.