City Guide London: Erkennen Sie die Melodie?
Alexis Taylor, Sänger der britischen Band Hot Chip, über Partys, Popsong-Raten und Pubkultur
DIE ZEIT: Berlin oder London, Mister Taylor?
Alexis Taylor: Pardon?
ZEIT: Angeblich gibt es da eine Rivalität, wer das aufregendere Nachtleben hat. Sie kennen beide Städte. Was meinen Sie?
Taylor: Ich denke schon, dass in Berlin die Auswahl größer ist. Die Clubs haben länger auf, manche Partys dauern drei Tage… Ich habe vor Kurzem zusammen mit Justus Köhncke in der Berliner Kantine am Berghain aufgelegt. Die Atmosphäre war unglaublich freundlich und positiv. Einer meiner Lieblingsabende als DJ, seit Langem!
ZEIT: Das ist jetzt blöd, weil… wir wollten ja eigentlich über London sprechen.

ist Sänger der britischen Band Hot Chip
Taylor: Seit ich eine kleine Tochter habe, führe ich eher ein ruhiges Familienleben. Ein Experte in Sachen Clubbing bin ich sicher nicht. Ich gehe abends lieber in Pubs.
ZEIT: Erklären Sie uns die Faszination dieser Etablissements. Auf Anhieb erschließt sie sich nicht jedem. Es riecht muffig, die meisten Leute stehen vor der Tür, seit man drinnen nicht mehr rauchen darf, und um 23 Uhr werden alle nach Hause geschickt…
Taylor: Wahrscheinlich kann man das nicht ganz verstehen, wenn man woanders aufgewachsen ist. Zunächst mal haben die meisten Leute ja gar keine andere Wahl. Wo ich wohne, im Norden der Stadt, gibt es nur zwei Nachtclubs mit langweiliger Musik – das sind reine Abschleppläden. Im Pub geht es darum, zusammenzusitzen und zu reden. Und der Alkohol trägt dazu bei, die Unterhaltung in Schwung zu halten.
ZEIT: Haben Sie einen Lieblingspub?
Taylor: Klar! Er heißt Nelson’s Head. Wenn der Pub gegen 17 Uhr öffnet, kommen als Erstes die Hundebesitzer. Das fühlt sich herrlich altmodisch an und sehr britisch. Das Personal ist extrem freundlich, an den Wänden hängen alte Porträts. Außerdem gibt es eine Jukebox mit guten Platten. Für mich ist das eine ganz besondere Form des DJ-ing: Wer auch immer gerade da ist, kann den Soundtrack des Abends bestimmen.
ZEIT: Aber um 23 Uhr zieht der Wirt den Stecker.
Taylor: Nicht immer! Es gibt auch Pubs, die ein Lock-in machen. Dann werden die Türen geschlossen, und die, die drinnen sind, können manchmal bis zum frühen Morgen bleiben. Das ist zwar nicht erlaubt, aber es gibt viele Pubs, die das machen. Jedenfalls mit ihren Stammgästen.
- City Guide London
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ZEIT: Und dann sitzt man da eben und redet?
Taylor: Nicht nur. Meine Frau und ich lieben zum Beispiel die Popmusik-Quiz.
ZEIT: Was ist das denn?
Taylor: An Wochentagen, an denen wenig los ist, machen die meisten Pubs ein Quiz für die Gäste. Aber meistens geht es dabei um Allgemeinwissen. Musik-Quiz gibt es nur ganz selten.
ZEIT: Wie findet man sie?
Taylor: Im Internet. Wir gehen montags oft ins Lexington. Man muss aber spätestens um 19 Uhr da sein, um einen Platz zu kriegen. Die Leute vom Plattenladen Rough Trade organisieren das Quiz. Da werden dann zum Beispiel Songs auf dem Keyboard angespielt...
ZEIT: …und wer als Erster den Titel rausbrüllt, hat gewonnen?
Taylor: Nein! Das wird aufgeschrieben. So ein Quiz dauert den ganzen Abend. In der Intro-Runde etwa spielen sie die ersten Sekunden von zehn Songs, und man muss erkennen, wie die Titel und Interpreten heißen. In der nächsten Runde könnten Fragmente von Songtexten vorgelesen werden, oder man kriegt Plattencover gezeigt, auf denen der Name der Band fehlt.









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