5. Gibt es auch Siegel für gezüchteten Fisch?

Die Ökoverbände Bioland und Naturland zertifizieren Fisch aus ökologischer Aquakultur. Wie die aussehen soll, ist durch die EU-Bio-Verordnung von 2009 gesetzlich festgelegt. Die beiden Verbände gehen aber noch weiter. Bioland schließt beispielsweise konsequent die Fütterung von Fischmehl aus. Naturland schreibt neben anderen Kriterien eine wesentlich geringere Besatzdichte für die Teiche vor, also mehr Platz pro Fisch. Gearbeitet wird derzeit außerdem am Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC), dem Pendant zum Wildfisch-Siegel MSC. Betriebe können sich dort schon für die Zertifizierung der Tilapia- und Pangasiuszucht bewerben.

6. Ist es ökologisch sinnvoller, frischen Fisch zu kaufen als tiefgekühlten?

Frischer Fisch am Marktstand wirkt, als sei er eben vom bärtigen Fischer mit der Hand gefangen worden. Im Gegensatz dazu sieht man dem tiefgekühlten Filet aus dem Karton die Industrialisierung des Fangs an. Doch der Schein trügt. Auch frischer Fisch kann auf fragwürdige Weise aus dem Meer geholt worden sein. Für die Gesundheit der Fische sind Fangmethode und Bestand ausschlaggebend, nicht, in welcher Form der Fisch verkauft wird. Einen Unterschied aber gibt es beim CO₂-Fußabdruck. Wenn die Kühlanlagen der Schiffe heutigen Umweltstandards entsprechen, erzeugt tiefgekühlter Fisch beim Transport sogar weniger CO₂ als frischer. Das zeigt eine Studie der norwegischen Wissenschaftsorganisation Sintef. Tiefgekühlter Fisch kann in großen Mengen per Containerschiff exportiert werden. Frischer Fisch hingegen legt weite Strecken im klimaschädlicheren Flugzeug zurück. Und das Eis, mit dem er gekühlt wird, bildet zusätzlichen Ballast.

7. Lässt sich Nachhaltigkeit am Preis erkennen?

Eine Zertifizierung kostet die Fischereibetriebe viel Geld. Außerdem müssen sie strengere Kriterien erfüllen, etwa Gebiete während der Laichzeiten brach liegen lassen. Ihren zusätzlichen Aufwand geben Fischereien gerne durch einen Aufpreis an die Verbraucher weiter. Nachhaltig gefangener Fisch kann also teurer sein. Im Umkehrschluss steht aber ein hoher Preis nicht zwangsläufig für Nachhaltigkeit.

8. Schmeckt nachhaltig gefangener Fisch besser?

Geschmacksunterschiede gibt es zwischen verschiedenen Fanggebieten, da sich Faktoren wie der Salzgehalt des Wassers auf das Fischfleisch übertragen. Die Fangmethode hingegen ist nicht ausschlaggebend. Wenn zwei Fischereien in der Nordsee fischen, schmeckt der Verbraucher nicht, welche die schonendere Technik anwendet. Auch bei Aquakulturfisch kann die Zunge keinen Unterschied zwischen biologischer und konventioneller Zucht erkennen. Das zeigt eine Studie der Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Im Blindtest konnten die Prüfer Bio-Forellen und Forellen aus konventioneller Zucht nicht auseinanderhalten. Unterschiede gibt es hingegen, wenn man Zuchtfische mit solchen aus Wildfang vergleicht. Lachs aus Wildfang zum Beispiel hat ein festeres Fleisch als Zuchtlachs, weil er mehr schwimmen musste. Der Zuchtfisch hingegen hat oft schon sehr viel Fett angesetzt.

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