FischzuchtNachhaltigkeit als Konzept

Ein spanischer Züchter will mit seiner Arbeit nicht nur die Fische schützen, sondern nebenbei noch die Umwelt retten. Ein Modell? von 

Miguel Medialdea steht an seinem Fischteich und sieht zu, wie die Flamingos seine Fische fressen: Wolfsbarsche, Doraden, Seezungen, lauter Fische, die er für gutes Geld an die besten Restaurants in Spanien verkaufen könnte. Jeden Fünften holen die Vögel aus dem Teich. Und Medialdea findet das auch noch gut. »Das muss so sein«, sagt der Fischzüchter. »Unser Konzept heißt ›Nachhaltigkeit plus‹.«

Miguel Medialdea, 45, ist Chefbiologe auf der Finca Veta la Palma, südöstlich von Sevilla, am südlichsten Zipfel der iberischen Halbinsel. Im Mündungsgebiet des Guadalquivir, des fünftlängsten Flusses von Spanien, gibt es hier eine riesige Marschland-Fläche, und mittendrin seit 1966 die 11.300 Hektar große Finca, die sich ganz wesentlich von anderen Fischzuchtbetrieben in der Welt unterscheidet.

Anzeige

Es ist in der Fischzucht nicht anders als bei der Zucht von Hühnern, Schweinen und Rindern: Je intensiver man sie betreibt, um produktiv (und profitabel) zu sein, desto mehr wird die Tierhaltung zur Massentierhaltung. Und wie in den Großmastbetrieben für Hühner, Schweine und Rinder beginnt das Problem in der Massenfischhaltung mit dem Futter. Damit sie schnell wachsen, bekommen die Tiere große Mengen Fischöl und Fischmehl zu fressen. Dieses wird aus Fischarten erzeugt, die zwar fett, beim Feinschmecker aber weniger gefragt sind, etwa aus Heringen, Sardinen oder Sardellen.

Miguel Medialdea

45, ist Chefbiologe auf der Finca Veta la Palma.

Nicht nur, dass für diese Fischfutterindustrie die Meere leer gefischt werden, auf diese Weise werden wertvolle Nährstoffe in großem Stil vernichtet. Um ein Kilogramm Zuchtlachs zu erzeugen, müssen zweieinhalb bis fünf Kilo kleinere Fische zu Futter verarbeitet werden, beim Mästen von Thunfischen ist das Verhältnis sogar 1:20.

In Veta la Palma will man beweisen, dass es auch anders geht. Hier werden einige Fischarten wie Meeräschen, Seezungen, Aale und Garnelen gar nicht gefüttert. »Extensive Fischzucht« nennt Medialdea das. Die Fischteiche werden mit dem nährstoffreichen Wasser aus dem Guadalquivir gefüllt, und die Tiere ernähren sich ausschließlich von dem, was sie im Wasser vorfinden, etwa von pflanzlichen und tierischen Kleinlebewesen. Oder voneinander: Aale schwimmen gern ins Maul der friedlichen Meeräschen und weiden sie von innen aus.

Wolfsbarsche, Adlerfische und Doraden züchtet Medialdea »semi-extensiv«. Er füttert sie nur zu jenen Zeiten des Jahres, in denen sie nicht genug natürliches Futter finden. Und dann nutzt er Futter aus nachhaltigem Fischfang. Etwa ein Kilo Futter braucht er, um ein Kilo Wolfsbarsch zu erzeugen. Damit erfüllt er die strengen Kriterien des 2008 erschienenen Greenpeace-Reports über nachhaltige Fischzucht.

Ein anderes wichtiges Thema ist das der »Besatzdichte«: Wie viel Platz haben Zuchtfische in ihren Netzkäfigen oder in ihren Becken? Es ist nicht anders als bei der Zucht von Schweinen oder Hühnern. Schweine leben glücklicher, wenn sie nicht im Stall zusammengepfercht werden. Und das Fleisch eines Huhns, das auf einer Wiese aufgewachsen ist, schmeckt vielen meist besser als das eines Käfighuhns.

Bei Fischen misst man die Besatzdichte in Kilogramm Fisch pro Kubikmeter Wasser. Noch vor wenigen Jahren gab es an der chilenischen Küste Lachsfarmen, die 40 Kilo Fisch in einen Kubikmeter Wasser sperrten. Die Exkremente der Tiere verschmutzten das Meer, Krankheiten breiteten sich aus, mussten mit immer noch mehr Medikamenten bekämpft werden. Zum Schluss brach das ganze System zusammen. Noch heute gibt es in Südostasien Zuchtbetriebe, die bis zu 250 Kilogramm Pangasius in einem Kubikmeter Wasser halten – für jedes Tier bleibt da nicht mehr Wasser, als in einen mittelgroßen Kochtopf passt.

Üblich sind in der konventionellen Fischzucht Besatzdichten von 50 bis 70 Kilo beim Pangasius und 20 Kilo beim Lachs. Wenn Doraden und Wolfsbarsche nicht dichter als 25 Kilogramm pro Kubikmeter gehalten werden, dürfen sie nach EU-Regeln als Biofisch verkauft werden. Der Ökoverband Naturland und der Fischimporteur Deutsche See geben diesen Fischarten ihr Biosiegel, wenn die Besatzdichte nie höher als zehn Kilogramm pro Kubikmeter war.

In Veta la Palma, unter der Obhut des Miguel Medialdea, haben die Fische sogar noch dreimal mehr Platz. Sie können sich besser bewegen und sind gesünder, wachsen langsamer, weil sie nicht gemästet werden, und dürfen länger leben als andere Zuchtfische. Starköche wie der New Yorker Dan Barber und der Katalane Ferran Adrià schwärmen von ihrem festen Fleisch und dem delikaten Geschmack.

Leserkommentare
  1. Sicher, das Bild von den fischfressenden Flamingos am Anfang und am Ende des Textes dient nur als szenischer Einstieg. Aber: Wenn Sie (im Ressort Wissen!) ganz nebenbei eine so abwegige Behauptung aufstellen wie die, dass Flamingos Fische fressen - wie glaubwürdig ist dann der Rest des Artikels?
    Mit enttäuschten Grüßen
    B.T.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Fischfang | Fischerei
Service