FrankreichDas Stehaufweibchen

Ségolène Royal, die ehemalige Lebensgefährtin François Hollandes, erleidet eine Demütigung nach der anderen. Aber sie gibt nicht auf.

Niemand kann so finster dreinschauen wie Ségolène Royal, wenn sie sich gekränkt fühlt. Am Sonntagabend zitierte sie mit eisern klirrender Stimme Victor Hugo: »Immer verrät der Verrat den Verräter.« Da hatte die Kandidatin der Sozialistischen Partei (PS) die Abstimmung in ihrem Wahlkreis an der Atlantikküste verloren und mit ihr die Aussicht auf das Amt der Parlamentspräsidentin, das François Hollande ihr versprochen hatte.

Aber wer war der »Verräter«? Das war der Wahlsieger, bis vor Kurzem noch PS-Mitglied. Die Parteiführung hatte ihn wegen seiner Weigerung ausgeschlossen, seine Kandidatur zugunsten Royals aufzugeben – sie war die Kandidatin des Pariser Apparats, er der Mann der örtlichen Partei, Prominenz gegen Präsenz. Überdies nutzten die Rechten am Ort die Gelegenheit, um zur Stimmabgabe für den Dissidenten aufzurufen. Nicht nur sie: Ausgerechnet die Lebensgefährtin Hollandes unterstützte ihn per Twitter und demütigte damit ihre Vorgängerin.

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Begonnen hatte alles 2005, als Hollande sich zugunsten seiner neuen Freundin Valérie Trierweiler von Royal abwandte, mit der er seit Jahrzehnten gelebt hatte und vier Kinder hat. Der Parteichef und die spätere Präsidentschaftskandidatin blieben offiziell zunächst ein Paar, was für die Neue ein Tort gewesen sein muss. Zwei Jahre später scheiterte Royal gegen Nicolas Sarkozy; wieder zwei Jahre danach, also 2009, fiel sie durch, als sie Parteivorsitzende werden wollte, und dann noch zwei Jahre darauf verlor sie kläglich in den Primärwahlen der PS. Jede dieser Niederlagen ging mit Schmähungen einher, die der überzogenen Selbstinszenierung Royals galten – oft aber nur der Frau, die ihre Weiblichkeit zeigte anstatt diese, wie andere, hinter rauem Gehabe zu verstecken. Gipfel der Demütigungen war die feierliche Inauguration des Kandidaten Hollande: Zu diesem Anlass wurde ein Film gezeigt, der an alle Präsidentschaftskandidaten erinnerte. Nur nicht an Ségolène Royal.

Man hat ihr vorgeworfen, sie könne nicht verlieren. Aber wer kann schon so verlieren, wie sie es tut? Außerdem, wer weiß. In der Opferrolle gewann sie bisher noch immer an Ausstrahlung. Vielleicht wird sie sich wieder um den Parteivorsitz bewerben. Das kann zwar nur schiefgehen. Doch umso mehr wird dann manch einer, der heute noch glücklich ist, die Rachegöttinnen, »der Erinnyen schwarze Schar«, fürchten müssen.

 
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