Sie sputen sich, und sie quälen sich. Sie entwickeln, testen und simulieren für fremde Herren. Sie drücken die Kosten – die heimlichen Helfer des technischen Fortschritts. Neudeutsch heißen sie Engineeringfirmen, weil die meisten ihrer Inhaber, Manager und Mitarbeiter Ingenieure und qualifizierte Techniker sind. Sie arbeiten im Auftrag Dritter und halten sich stets still im Hintergrund. Wie viele es von diesen Heinzelmännchen gibt, vom Einmannbetrieb bis zum globalen Großunternehmen, ist ungewiss. Schätzungen gehen von weit mehr als 10.000 Anbietern in Deutschland aus. Doch weder der Verband der Automobilindustrie noch die Spitzenorganisation für den Maschinen- und Anlagenbau führen darüber gesondert Buch. Auch der Berufsverband der Ingenieure VDI beobachtet zwar die wachsende Bedeutung der Betriebe, aber statistische Details dazu: Fehlanzeige.

Nur wenige größere Unternehmen, wie etwa die Bertrandt AG aus Ehningen bei Stuttgart, IAV aus Berlin oder die Edag in Fulda, sind über die Branche hinaus bekannt, den meisten reicht es, wenn ihre potenziellen Kunden die richtige Adresse kennen. Ihre oft mächtigen Auftraggeber wollen diese Beziehung zudem nicht an die große Glocke hängen. Und wenn die Heinzelmännchen bei einem Auftrag etwas Neues erfinden, stehen die Patent- und Lizenzrechte dieser Innovation meist allein den Kunden zu. Fünf Branchen vergeben 70 Prozent aller Aufträge: Autobau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Pharmazie. Den wichtigsten Arbeitgeber ermittelt der Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft in der Fahrzeugindustrie. Sie erteilt 40 Prozent aller Aufträge für Forschung und Entwicklung.

Vorbei ist die Zeit einsamer Erfinder. Zu komplex sind die Herausforderungen geworden. Weil alle Technologien zusammenwachsen – Metall, Elektro und Elektronik, Werkstoffe, Software –, fallen in der Forschung die Grenzen der Disziplinen. Wegen ihrer Flexibilität nehmen die externen Tüftler eine Schlüsselrolle ein. »Dienstleistungsbetriebe werden für die Generierung neuen Wissens immer wichtiger«, bekräftigt der Stifterverband. Es seien »leistungsfähige Partner der Industrie« entstanden. Die Experten beim Stifterverband schätzen das Volumen der Industrieforschung 2011 auf 49,3 Milliarden Euro. Davon dürften mehr als elf Milliarden Euro oder fast ein Viertel von Fremdentwicklern erbracht worden sein. Deren Kopfzahl dürfte, grob geschätzt, um die 100.000 liegen samt den Tüftlern an den Forschungseinrichtungen der Universitäten, Hochschulen und Gesellschaften wie Fraunhofer.

Selbst in schwierigen Zeiten wie 2008/09 behalten die Unternehmen ihre Ausgaben für neue Produkte bei. Daher rechnet die Wirtschaft laut Stifterverband auch 2012 mit mehr Fremdaufträgen. Bei den Autobauern sind die sprunghaft steigende Modell- und Variantenvielfalt sowie der zunehmende Komfort der Fahrzeuge mit immer mehr technischen Komponenten die Ursachen. Das gilt besonders für Fahrerassistenzsysteme und die Software. »Deshalb sind Mittelständler in den letzten Jahren so stürmisch gewachsen«, erläutert Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Auch erfordere der Ausbau der Elektromobilität differenzierte Leistungen vieler Ingenieurgattungen. »Hier gehen wir von einem hohen Anteil durch Fremdentwicklung aus.« Vorstandsvorsitzender Dietmar Bichler von der Bertrandt AG zum Beispiel (»Wir wachsen stetig«) verweist zur Begründung der guten Aussichten auf die »Vorgaben zur CO₂-Reduzierung sowie auf aktuelle Sicherheits- und Komfortaspekte«, diese führten zu einem hohen Entwicklungsbedarf.

Einige der Helfer beschäftigen inzwischen selbst Tausende Mitarbeiter

Das Leistungsspektrum der Auftragstüftler reicht von der ersten Idee bis zur Serienfertigung. So baute Bertrandt sogar eine Kleinserie der Sportversion des Zweisitzers Smart. Konkurrent Edag entwickelte komplett die zivile Version des Kultautos Hummer für General Motors. IVM präsentiert das leichte Sportauto C12, dessen Karosserie ganz aus Kohlefasern besteht. Und viele Firmen tüfteln gerade mit Hochdruck an Marktstudien für serienreife Elektromobile.

Der Nachfragesog führt dazu, dass der Umsatz der Technikdienstleister im Vergleich zu den Autobauern »in den nächsten 15 Jahren mit gut zehn Prozent jährlich fast doppelt so stark wächst wie der Umsatz ihrer Kunden«, wie Dudenhöffer prognostiziert. Obwohl die meisten erst in den siebziger oder achtziger Jahren aus winzigen Konstruktionsbüros und Werkstätten hervorgingen, nehmen Branchengrößen wie Bertrandt, Edag, Euro Engineering, Ferchau oder IAV nun die Schwelle zur Umsatz-Milliarde ins Visier. Schon eilen sie flotten Schrittes auf die Marke von 10.000 Beschäftigten zu. Auch kleinere Firmen um die 2.000 bis 3.000 Mitarbeiter wie Rücker, FEV, Semcon oder IndustrieHansa expandieren enorm.