InnovationKäpt’n Future

Ein Designer und Zukunftsforscher entwirft schon heute die Schiffe für den Welthandel von morgen.

Draußen, am Eingang zum Fährhafen, hat einer ein Pappschild hochgehalten. »Mitfahrgelegenheit nach St. Petersburg«, auf Russisch. Aber die meisten Reisenden sind schnell vorbeigehuscht, Kopf und Hände tief in den Mantel vergraben. Es ist noch kalt so früh am Morgen in Helsinki, und gleich wird das nächste Schiff nach Tallinn ablegen, der Hauptstadt Estlands, eine Fahrt von gut zwei Stunden durch den Golf von Finnland. Luftlinie 88 Kilometer.

Und man merkt es gleich, hier reisen Profis mit. Eine Gruppe junger Männer hat die kleine Bar im Hafenterminal in Beschlag genommen, kippt Cider und Bier aus Pint-Gläsern. Einer großen Zahl der Reisenden wird es ums schnelle Sichbetrinken und den Einkauf von viel Alkohol gehen. »Höchstens 110 Liter Bier pro Person!«, das haben sie extra auf die Fährentickets gedruckt. Einige werden beim Halt in Estland gar nicht erst aussteigen, sondern zum Ausnüchtern liegen bleiben und bei der Rückkehr am Abend Gebinde voller Alkohol an Land schleppen.

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»Die Alkoholsteuern sind hoch in diesen Breitengraden«, sagt Vesa Marttinen und lächelt entschuldigend über die Marotten seiner Landsleute. Er steht da mit einer Tasse Kaffee in der Hand; ein kräftiger Mann mit sonnenbraunem Gesicht, 39 Jahre alt. Über dem rosa V-Pulli trägt er ein braunes Sakko, und er winkt ans Fenster des Fährenterminals. »Sehen Sie das da?«, fragt er und deutet auf den Parkplatz gleich hinter dem Anleger. Stoßstange an Stoßstange stehen da Lastwagen geparkt; die Motoren laufen, Auspuffqualm steigt zwischen den Fahrzeugen in die kalte Luft. »Das ist die Zukunft«, sagt Marttinen.

»Wir schauen uns alle möglichen Szenarien über den Welthandel an«

Der Mann aus Finnland, das muss man an dieser Stelle wissen, hat von Berufs wegen viel mit der Zukunft zu tun. Bei der finnischen Firma Wärtsilä – einem Schifffahrtsdienstleistungskonzern mit knapp fünf Milliarden Euro Jahresumsatz, 160 Niederlassungen und 17.500 Mitarbeitern in aller Welt – ist Marttinen der Mann für die Seefahrt von morgen: Er soll heute die Schiffe und Offshore-Installationen erfinden, die die Kunden bei Werften, Reedern und Schifffahrtsgesellschaften in ein paar Jahrzehnten werden kaufen wollen. »Chief Naval Architect« steht auf seiner Visitenkarte.

Das ist ein ziemliches Problem. »In der Schifffahrtsindustrie haben Sie immer einen Riesenvorlauf«, sagt er. »Von der ersten Idee bis zum alltäglichen Einsatz eines neuen Designs können fünf Jahre vergehen – oder aber 20 Jahre und mehr.« Wenn Marttinen heute ein Schiff erfindet, muss er sich auch vorstellen, wie man in ein paar Jahrzehnten Handel treibt. Was transportiert wird, auf welchen Routen. Welche Treibstoffe es geben wird, welche Umweltauflagen. Ob das Verladen dann ganz schnell gehen soll oder ob das Motto lauten wird: Hauptsache, billig! »Wir schauen uns alle möglichen Szenarien über den Welthandel der Zukunft an«, sagt er, »und wir müssen auf sie alle vorbereitet sein.«

Die Lastwagenkolonne draußen auf dem Parkplatz hat sich in Bewegung gesetzt, und Vesa Marttinen kann sich auch darüber begeistern. »Schifffahrt über kurze Distanzen, mit schneller Beladung. Roll-on-roll-off. Das hat sich in Windeseile in Europa ausgebreitet«, sagt er, »und Sie werden sehen, es erobert Nordamerika, es ist in Südasien auf dem Vormarsch und bald in Südamerika. Und hier können Sie es schon beobachten.«

Werden Piraten die Meere beherrschen?

Roll-on-roll-off. Eigentlich ist das bloß eine schickere Bezeichnung für den Umstand, dass zwei Schiffsstockwerke unter den torkelnden Estland-Reisenden all die Container, die eben noch draußen auf dem Parkplatz standen, an Bord gefahren werden. Das geht viel schneller als beim herkömmlichen Transport mit Kränen. »Sie müssen sich klarmachen, dass das ganz neue Arten der Arbeitsteilung innerhalb von Regionen ermöglicht«, sagt Marttinen. Sagt es und deutet auf einen lang gestreckten graublauen Rollcontainer draußen vor dem Fenster. »Baltic Clean« steht darauf in großen weißen Lettern. »Laundry Services, Hotel textiles«. »Vermutlich wird die Wäsche aus Ihrem Hotelzimmer heute in Tallinn gewaschen, und morgen ist sie wieder in Helsinki«, sagt Marttinen.

Auf den ersten Blick mag das wie eine Kleinigkeit erscheinen. Für Leute wie Marttinen aber sind es frühe Indizien für einen Welthandel, in dem Regionen enger zusammenwachsen, in dem billigere, schnellere, energiesparendere Transportmethoden das Ausnutzen feiner Preisunterschiede von Land zu Land möglich machen, eine feingliedrigere Arbeitsteilung denn je zuvor. Manche Wirtschaftsforscher, von der Unternehmensberatung Boston Consulting bis zum Internationalen Währungsfonds, sagen, dass das neue Gesicht der Globalisierung eher eine Regionalisierung ist: Dann rückt Finnland enger an Estland, die USA rücken näher an Mexiko heran, Indonesien näher an Japan und so weiter. Der Internationale Währungsfonds veröffentlichte kürzlich eine Studie, nach der der Handel innerhalb von Regionen neuerdings viel stärker wachse als der Massenverkehr per Containerschiff übers weite Meer. Wenn das stimmt, darf ein Naval Architect wie Vesa Marttinen das keinesfalls verpassen.

Leserkommentare
    • Kiira
    • 30.06.2012 um 12:41 Uhr

    "Er hat unzählige Kreuzfahrtschiffe und Fähren und Frachitektur (?) und Industriemanagement studiert, bald (bald?) in Kanada in einem ersten Team von Schiffeerfindern mitgewirkt (»Gar nicht so leicht, einen Öltanker für vereiste Mechter (Mechter?) (zu entwerfen, mitzuentwerfen...?) und Öltanker entworfen und mitentworfen. Es gibt nicht viele Leute auf der Welt, die tun, was Marttinen tut. Vielleicht zehn. Vielleicht zwanzig."

    Irgend etwas stimmt in diesen Zeilen nicht... ;-)

    P.S. Dieser Beitrag kann nach der Korrektur gelöscht werden. Es gibt ja leider keine nicht-öffentliche Möglichkeit, den Autor oder das Lektorat zu erreichen.

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    Redaktion

    Haben Sie Dank für den Hinweis. Da liefen seltsamerweise zwei Sätze ineinander. Jetzt stimmt's.
    Beste Grüße, Markus Horeld

    Redaktion

    Haben Sie Dank für den Hinweis. Da liefen seltsamerweise zwei Sätze ineinander. Jetzt stimmt's.
    Beste Grüße, Markus Horeld

  1. 2. Design

    Im Deutschen bezieht sich der Begriff Design vor allem auf das Ästhetische.
    Desingner sind keine Technicker sondern Künstler.

    Bei einem Frachtschiff wird fast nur konstruiert. Das machen vor allem Ingenieure.
    Auf englisch heißt leider beides Design, das technische kann man da auch structural Design nennen.
    Der Duden ist hier auch oberflächlich.

    Kreuzfahrtschiffe sind die größten Dreckschleudern und Energiefresser. Die auf Öko umzustellen erfordert noch viel Aufwand. Die sollte man ganz stillegen.

    Eine Leserempfehlung
    • brux
    • 30.06.2012 um 15:04 Uhr

    Das ist die Welt der Technikspinner. Mit der Realitaet hat der Artikel gar nichts zu tun. Als Schiffbauingenieur darf man mir das glauben.

    Die technischen Vorgaben fuer die Schifffahrt kommen von der IMO. Diese wird von den Billigflaggen beherrscht, diese selbst werden von den Reedern kontrolliert (vor allem Griechen).

    Diese Reeder kennen nur ein Prinzip: BILLIG !

    Deshalb kommen die meisten Schiffe heute aus China und haben den technischen Standard, den wir schon vor 30 Jahren hatten. Deshalb sind die Seeleute asiatische Sklaven, die 300 Dollar pro Monat erhalten. Deshalb gibt es eine enorme Umweltverschmutzung durch Schiffe. Reeder juckt der Umweltschutz ueberhaupt nicht.

    Die IMO verhindert durch endlose Prozeduren und dem kleinsten gemeinsamen Nenner als Grundprinzip jede Innovation. Da kann man sich in Finnland die Zukunft noch so schoen zusammen traeumen. Niemand will die besseren Schiffe kaufen und niemand wird dazu gezwungen.

    4 Leserempfehlungen
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    Deshalb kommen die meisten Schiffe heute aus China?

    Nicht Südkorea?

    World shipbuilding market share by countries (2011)[19]
    Rank Country Combined GT %
    1 South Korea 137,596,000 37.45%
    2 China 123,961,000 33.7%
    3 Japan 63,641,000 17.3%
    4 Philippines 423,000 1.6%

    http://en.wikipedia.org/w...

    haben den technischen Standard, den wir schon vor 30 Jahren hatten. Haben Sie Beweis dafür? Ansonsten bleibt Ihre Aussage nur eine Behauptung.

    Nach meinem Wissenstand zählt China zu den wenigen Nationen der Welt, die in der Lage sind,das riesige LNG-Tankerschiff zu bauen. Ein solches Schiff kostet durchschnittlich 300 bis 400 Millionen Euro:

    http://www.after-oil.co.u...

    Deshalb kommen die meisten Schiffe heute aus China?

    Nicht Südkorea?

    World shipbuilding market share by countries (2011)[19]
    Rank Country Combined GT %
    1 South Korea 137,596,000 37.45%
    2 China 123,961,000 33.7%
    3 Japan 63,641,000 17.3%
    4 Philippines 423,000 1.6%

    http://en.wikipedia.org/w...

    haben den technischen Standard, den wir schon vor 30 Jahren hatten. Haben Sie Beweis dafür? Ansonsten bleibt Ihre Aussage nur eine Behauptung.

    Nach meinem Wissenstand zählt China zu den wenigen Nationen der Welt, die in der Lage sind,das riesige LNG-Tankerschiff zu bauen. Ein solches Schiff kostet durchschnittlich 300 bis 400 Millionen Euro:

    http://www.after-oil.co.u...

  2. Redaktion

    Haben Sie Dank für den Hinweis. Da liefen seltsamerweise zwei Sätze ineinander. Jetzt stimmt's.
    Beste Grüße, Markus Horeld

    Antwort auf "Lektorat?"
  3. Deshalb kommen die meisten Schiffe heute aus China?

    Nicht Südkorea?

    World shipbuilding market share by countries (2011)[19]
    Rank Country Combined GT %
    1 South Korea 137,596,000 37.45%
    2 China 123,961,000 33.7%
    3 Japan 63,641,000 17.3%
    4 Philippines 423,000 1.6%

    http://en.wikipedia.org/w...

    haben den technischen Standard, den wir schon vor 30 Jahren hatten. Haben Sie Beweis dafür? Ansonsten bleibt Ihre Aussage nur eine Behauptung.

    Nach meinem Wissenstand zählt China zu den wenigen Nationen der Welt, die in der Lage sind,das riesige LNG-Tankerschiff zu bauen. Ein solches Schiff kostet durchschnittlich 300 bis 400 Millionen Euro:

    http://www.after-oil.co.u...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Oh Mann"
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    http://en.wikipedia.org/w...
    "The first LNG carrier Methane Pioneer (dwt 5034 tons) left the Calcasieu River on the Louisiana Gulf coast on 25 January 1959. [...] In the late 1960's opportunity arose to export LNG from Alaska to Japan and in 1969 that trade was initiated. Two ships, each with a capacity of 71,500 cubic meters were built in Sweden."

    http://de.wikipedia.org/w...
    "Angetrieben wird das Schiff von einem in Lizenz in Südkorea gefertigten Schiffsdieselmotor des Typs MAN B&W 12 K 98 ME-C7 mit einer Gesamtleistung von 68.520 Kilowatt."

    Man sollte sich davor hüten zu denken, weil der Stahl in Ostasien zusammengefügt wird, sämtliche Technik originär aus dem Land stammt, indem das Baudock steht. Handelsschiffe kann heute fast jeder zusammennageln. Richtig schwierig wird es erst bei Kriegern.

    http://en.wikipedia.org/w...
    "The first LNG carrier Methane Pioneer (dwt 5034 tons) left the Calcasieu River on the Louisiana Gulf coast on 25 January 1959. [...] In the late 1960's opportunity arose to export LNG from Alaska to Japan and in 1969 that trade was initiated. Two ships, each with a capacity of 71,500 cubic meters were built in Sweden."

    http://de.wikipedia.org/w...
    "Angetrieben wird das Schiff von einem in Lizenz in Südkorea gefertigten Schiffsdieselmotor des Typs MAN B&W 12 K 98 ME-C7 mit einer Gesamtleistung von 68.520 Kilowatt."

    Man sollte sich davor hüten zu denken, weil der Stahl in Ostasien zusammengefügt wird, sämtliche Technik originär aus dem Land stammt, indem das Baudock steht. Handelsschiffe kann heute fast jeder zusammennageln. Richtig schwierig wird es erst bei Kriegern.

  4. http://en.wikipedia.org/w...
    "The first LNG carrier Methane Pioneer (dwt 5034 tons) left the Calcasieu River on the Louisiana Gulf coast on 25 January 1959. [...] In the late 1960's opportunity arose to export LNG from Alaska to Japan and in 1969 that trade was initiated. Two ships, each with a capacity of 71,500 cubic meters were built in Sweden."

    http://de.wikipedia.org/w...
    "Angetrieben wird das Schiff von einem in Lizenz in Südkorea gefertigten Schiffsdieselmotor des Typs MAN B&W 12 K 98 ME-C7 mit einer Gesamtleistung von 68.520 Kilowatt."

    Man sollte sich davor hüten zu denken, weil der Stahl in Ostasien zusammengefügt wird, sämtliche Technik originär aus dem Land stammt, indem das Baudock steht. Handelsschiffe kann heute fast jeder zusammennageln. Richtig schwierig wird es erst bei Kriegern.

    Antwort auf "Meisten aus China?"

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