Art Basel: Alles im Angebot
Auch die Kunst der diesjährigen Documenta kann man kaufen. Auf der Art Basel, der wichtigsten Kunstmesse der Welt.
© EPA/GEORGIOS KEFALAS

Besucher in der Ausstellung "Art Unlimited" im Kontext der Art Basel
Es gibt keine Kunst, die nicht auch verkauft werden kann. Als die Künstlerliste der diesjährigen Documenta vorvergangene Woche bekannt gegeben wurde, da bekundeten viele Beobachter, dass diesmal der Großteil der Künstler noch unbekannter sei als schon in den vergangenen Jahren. Und dass diese Kunst diesmal noch weiter entfernt sei von den Interessen und Trends des Marktes. Doch niemand muss in abseitige Spezialgalerien oder in die Ateliers der Künstler selbst reisen, um das eine oder andere Werke eines Documenta-Künstlers zu erwerben. Es reichte, die Art Basel zu besuchen, die nach wie vor wichtigste Kunstmesse der Welt, zu der die Sammler von überall her anreisen.
Es sind nicht nur einzelne, sondern Dutzende Künstler, die in Kassel gezeigt werden und in Basel zu kaufen waren. Und das bewies, dass der Geschmack der Galeristen und Sammler gar nicht so viel anders zu sein scheint als der Geschmack der diktatorisch anmutenden, mit Erdbeeren kommunizierenden Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev.
Da war etwa der Stand der Brüsseler Galerie Jan Mot, auf dem eine große Installation des Mexikaners Mario Garcia Torres präsentiert wurde, eine Ansammlung von Fotografie, Text und Diashow über die Geschichte einer von Robert Morris organisierten Ausstellung in einer New Yorker Lagerhalle. Am ersten Tag der nur für die besonders wichtigen Großsammler reservierten Preview der Messe war schon eine ähnlich aufwendige Installation des Mexikaners über die Galerie Leo Castelli, eine der bedeutendsten Kunsthandlungen im New York der sechziger und siebziger Jahre, für 30.000 Euro verkauft worden. Auch zwei Steinplatten mit den Namen des verstorbenen Arte-povera-Künstlers Alighiero Boetti, die Garcia Torres eigentlich in der Documenta 13 platzieren wollte, verkaufte die Galerie Jan Mot schon am ersten Tag für 16.000 Euro. Die Steinplatten existieren in einer Auflage von fünf Stück. Ein anderes Werk von Boetti, das derzeit in einer früheren Version im Kasseler Fridericianum zu sehen ist, hing am Stand der Gladstone Gallery aus New York: Für die Mappa von 1983 verlangten die New Yorker 1,5 Millionen Dollar. Auch die Galerie Sperone Westwater zeigte verschiedene Arbeiten des 1994 verstorbenen Künstlers; Boettis Arte-povera-Kollege Giuseppe Penone war ebenfalls mehrfach vertreten.
Von Sam Durant lag ein großer Sack aus Stein am Boden des Messestands der Galerie Paula Cooper (La storia di ogni giorno, 60.000 Dollar) und erinnerte an dessen gleichartige Stolperfalle im Brain, dem Hauptraum der Documenta. Dort darf man auch ein Gemälde von Giorgio Morandi bewundern – und selbstverständlich gibt es auch in Basel Gemälde von ihm zu kaufen. Acquavella etwa hatte eine Natura Morta von 1955 für 1,25 Millionen Dollar im Angebot. Am gleichen Stand fand sich auch noch ein weiterer Documenta-13-Künstler, nämlich Salvador Dalí. Sein Geist des Vermeer van Delft (1935) ist ein erstaunlich entzückendes Gemälde, das auch denjenigen, die sich an der Kunst dieses Surrealisten übersehen haben, das Können des Meisters neu vor Augen führt. Neun Millionen Dollar verlangte Acquavella für das nicht eben große Bild.
Auffallend war an dieser Ausgabe der Art Basel, dass das Angebot an Werken der klassischen Moderne schrumpft – auch hier gibt es anscheinend Nachschubsorgen bei den Händlern, die mit den Auktionshäusern um die gute Ware konkurrieren. Und deswegen erstaunen auch die steigenden Preise nicht. Ein recht blasses Gemälde in Orange und Rosa von Mark Rothko – der nicht auf der Documenta 13 vertreten ist – kostete am Stand der Galerie Marlborough Fine Art 78 Millionen Dollar, der höchste Preis auf dieser Art Basel. Am Ende der Messe war das Bild nicht verkauft, die Galerie sprach aber von drei Interessenten, mit denen sie in Verhandlung stehe.
Dass auf dem Kunstmarkt auch scheinbar widerstreitende Kunst sehr gut nebeneinander auskommt, zeigte sich am Stand der Galerie Johnen. Hier gab es nicht nur eine Installation des Documenta-Künstlers Roman Ondák und eine Holzskulptur von Ryan Gander (aus der Serie When things collide, 25.000 Pfund) zu kaufen, sondern auch einige Holzreliefs (jeweils 18.000 Euro) des unerbittlichen Stephan Balkenhol. Dessen Kunst hatte Carolyn Christov-Bakargiev nicht in der Nähe ihrer Ausstellung sehen wollen. Eine Balkenhol-Ausstellung in einer Kirche nahe dem Fridericianum sollte weichen. Nun ist, nach all dem Streit, die Kunst friedlich vereint auf dem Markt.







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