Hans Bender und Gerhard Schoenberner, ein deutsches Paar. Jahrgang 1919 der eine, 1931 der andere. Hans Benders Daten sind bekannter als die Gerhard Schoenberners. Im Wahljahr 1961 habe ich zugunsten der SPD ein Buch herausgegeben: Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung? Darüber schrieben zwanzig Autoren, einer war Gerhard Schoenberner. Sein Beitrag fängt so an: »Als der Lehrer Zind angeklagt wurde, er hätte sich öffentlich gerühmt, Juden mit dem Spaten erschlagen zu haben, versuchte ihn der Direktor seiner Schule laut Pressemeldung mit dem Hinweis herauszupauken, das Ganze sei nur ein akustisches Missverständnis: Zind habe gar nicht Juden, sondern Russen gemeint!« Das hätte Johann Peter Hebel nicht lakonisch schärfer fassen können.

Damals wurde in dem Buch, in den »Biographischen Daten«, noch mitgeteilt, Schoenberner sei ein Neffe Franz Schoenberners, des letzten Simplicissimus-Chefs vor 1933.

Jetzt sind »Prosagedichte« von Schoenberner erschienen, der Autor nennt sie Fazit, erschienen 2011. Und im selben Jahr: O Abendstunde, Hans-Bender-Gedichte, ausgewählt von Arnold Stadler. In seinem Nachwort teilt Stadler das Bendersche Leben so ein: geboren 1919, Krieg und Gefangenschaft und Heimkehr. Kindheit in Dorf und Internat. Gerhard Schoenberner ließe sich auch so einteilen.

Wenn man aus den Gedichten der beiden etwas Politisches extrahieren will, kommt heraus, dass diese zwei »politisch« nicht unterschiedlicher sein könnten. Jetzt aber das Erstaunliche: Ihre Gedichte kommen mir innig verwandt vor. Man vergleiche:

Zuerst Bender:

Der tote Gefangene.
Geschoren,
entkleidet,
auf den Schlitten,
tief im Schnee
nacktgebunden
mit zwei Schnüren.
Ein Hungernder zieht,
ein Spitzel schiebt,
ein Priester,
ohne Kreuz,
im Spurgeleis der Kufen.

Dann Schoenberner:

... Gierig kauend
gingen in Auschwitz
die nackten Gefangenen
die Gewehrläufe im Rücken
an die Schwarze Wand

Oder:

Grabinschrift / Gestorben in Nicaragua / im Win- ter 89 / an einer Kugel aus USA

Beide haben diesen konstatierenden Stil. Beide tendieren zur Idylle. Die muss kein bisschen entspannt oder selig sein. Es ist bei beiden eher eine Idylle des Grauens.

Bei Bender ist es ein in seinem Jahrhundert frierendes Ich. Bei Schoenberner ist es der andauernde tödliche Umstand der Zeitgeschichte. Wenn Hans Bender im D-Zug durch Südbaden fährt und draußen ein Hase forthoppelt im grünen Feld / aus Angst, dann steht bei Schoenberner: Und ich mit meiner keltischen Angst: / Der Himmel, der blaue, stürzt über uns ein.

Und weiter bei Schoenberner:

Als der Wind den Rauch forttrug
als der Regen das Blut abwusch
blieben mir doch
eingebrannt ins Hirn
die Bilder, lebenslänglich