Martenstein"57 Prozent waren gegen die Hinrichtung des Schafes Robert"

Harald Martenstein über Abstimmungen im Internet von 

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Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen  |  © Nicole Sturz

Auf Wunsch der Redaktion soll ich mich zu Abstimmungen im Internet äußern. Eine der bekanntesten Internetabstimmungen der letzten Zeit fand in den USA statt. Das Ehepaar Pete und Alisha Arnold, beide 30, hat im Internet darüber abstimmen lassen, ob es sein Baby abtreiben sollte. Alisha ist berufstätig, Karriere ist ihr sehr wichtig. Außerdem haben sie schon zwei Katzen. Damit man sich leichter entscheiden kann, waren im Internet Ultraschallaufnahmen des Babys sowie Fotos der stark übergewichtigen Eltern zu sehen. Pete, der Vater, sagte in einem Interview: »Abstimmung ist ein integraler Teil der amerikanischen Identität.«

Auf der Internetseite, die oft angeklickt wurde, gab es auch Werbung. Mit den Anzeigen haben Pete und Alisha aber nur 225 Dollar eingenommen. Als etwa 700.000 Leute abgestimmt hatten, zeichnete sich eine Mehrheit für die Abtreibung ab. Gleichzeitig waren viele empört, unter anderem der Arbeitgeber von Alisha. Obwohl ihr Karriere sehr wichtig ist, wurde sie entlassen. Daraufhin haben Pete und Alisha die Abstimmung abgebrochen. Pete sagte, sie hätten sowieso mit der Aktion nur berühmt werden wollen. Das Kind ist inzwischen geboren.

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Zwei deutsche Künstler haben eine Abstimmung zu dem Thema organisiert, ob sie ein Schaf, das Robert heißt, mit einer Guillotine hinrichten sollen. Es gab 4,2 Millionen Klicks, 57 Prozent waren gegen die Hinrichtung von Robert. Zahlreiche User schlugen vor, die Künstler sollten besser sich selbst hinrichten. Tierschützer stellten acht Strafanzeigen. Nach der Aktion sagten die Künstler, dass sie nur gesellschaftliche Prozesse bewusst machen und Denkanstöße geben wollten. Die Guillotine wurde angeblich für 1,75 Millionen Euro an einen Sammler gesellschaftskritischer Kunst verkauft, das heißt, jede Strafanzeige eines Tierschützers bringt einem deutschen Künstler heute 218.750 Euro ein. Der Verbleib von Robert ist unbekannt.

Die Deutsche Knigge Gesellschaft hat in ihrer Mitgliederversammlung darüber abstimmen lassen, ob man eine Beziehung heutzutage auch per SMS beenden darf. Angeblich war das Ergebnis positiv. Man darf das tun, allerdings nur dann, wenn man sowieso nicht mehr miteinander redet. Auch in solchen Fällen kommt es aber darauf an, den richtigen Ton zu treffen. Der Text der SMS darf keinesfalls lauten: »Es ist aus.« Die formvollendete Schlussmach-SMS geht so: »Es ist aus. Es tut mir leid.« Eine Meinungsumfrage in der Bevölkerung hat gleichzeitig ergeben, dass 92 Prozent der Deutschen nach wie vor Schlussmachen per SMS ablehnen.

In der Knigge-Gesellschaft ist mittlerweile Streit ausgebrochen, etliche Mitglieder sind ausgetreten, aus Protest gegen das Schlussmachen per SMS. Es gibt den Vorwurf, der Vorsitzende Dr. Hans-Michael Klein habe die Abstimmung manipuliert, womöglich aus persönlichen Motiven. Vielleicht hat er mal mit einer SMS Schluss gemacht, und jetzt will er sich sein Verhalten auch noch von der Knigge-Gesellschaft absegnen lassen. In einem Interview hat Dr. Klein immerhin gesagt, dass man, bevor man eine Schlussmach-SMS abschickt, »kurz innehalten und noch mal drüberlesen« sollte. Vielleicht bedauert er seine SMS inzwischen. Ich kann das nur referieren, ich weiß nicht, was bei dieser Mitgliederversammlung passiert ist.

Zu den Abstimmungen im Internet äußere ich die Meinung, dass auch diese Form der Demokratie nicht sämtliche Probleme lösen kann, es wird auch in Zukunft Konflikte geben und keine paradiesischen Zustände.

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Leserkommentare
    • Meykos
    • 21. Juni 2012 12:39 Uhr

    Berlin. Eine Namensverwechslung führte fast zum Tod eines unbeteiligten Hammels. Die Namensähnlichkeit hätte das genügsame und bislang unbescholtene Schaf Robert beinahe ans Messer geliefert. Irrtümlich wurden die ähnlich klingenden Namen "Norbert" und "Robert" verwechselt und das falsche Schaf schwebte für unbestimmte Zeit in akuter Gefahr, den Kopf entgültig zu verlieren. Wie verlautbart wurde die Hinrichtung gerade noch vereitelt.

    "Wie einfach es doch ist, ein Skandälchen zu inszenieren"(SPON).

    Wenn man am Ende des Schreibens angelangt ist und Schluß machen will, kann man denn neuerdings eigentlich "SMS" statt "MfG" schreiben? ;-)

    Von mir freundliche Grüße

  1. Eigentlich kann ich keine Problem des Internet erkennen.
    Manche Aufgaben welche die Benutzer selbst vernachlässigen
    sollten diese Benutzer auch wieder korrigieren.
    Ob Hammel oder Kuh,ob Affe oder Tiger,leben lassen.
    Meinungsäusserungen diszipliniert einnehmen jedoch niemals
    sich verantwortlich fühlen die Knigge-Gesellschaft respektieren zu müssen.

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  • Serie Martenstein
  • Schlagworte Bevölkerung | Abtreibung | Baby | Internet | Karriere | Künstler
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