Mobilfunkmarkt: Ungleiche Brüder
In seiner Allianz mit Microsoft wird der finnische Handykonzern Nokia zunehmend zum Juniorpartner.
© LEON NEAL/AFP/Getty Images

Microsoft-Chef Steve Ballmer
An Gerüchten war in der vergangenen Woche kein Mangel. Es brauchte dazu bloß ein paar Andeutungen: Sowohl der amerikanische Softwarekonzern Microsoft als auch der finnische Handyhersteller Nokia hatten für den Montag bedeutende Neuigkeiten angekündigt. Mehr verrieten sie nicht, doch das wenige reichte für Spekulationen. Ausgerechnet diese beiden Unternehmen? Und dann auch noch am selben Tag? Würde Microsoft mitteilen, das einst stolze Symbol der finnischen Wirtschaft zu übernehmen?
Es wurde dann etwas bescheidener. Steve Ballmer, Vorstandschef von Microsoft, präsentierte in Los Angeles den Surface. Das ist ein flacher Tabletcomputer, in dessen Schutzhülle sich eine Tastatur verbirgt und der mit dem populären iPad von Apple konkurrieren soll. Und Nokia? Gab den Start eines neuen Mobiltelefons in den Vereinigten Staaten bekannt, was im Vergleich dazu aber kaum wahrgenommen wurde. Microsoft war die große Nachricht dieses Tages, Nokia die kleine.
Und dennoch hängen beide zusammen. Microsoft und Nokia bilden eine Einheit, ihr Schicksal ist miteinander verbunden. Das gilt spätestens seit Anfang vergangenen Jahres, als Ballmer und Stephen Elop, sein Amtskollege bei Nokia, gemeinsam von ihrem »neuen, globalen Ökosystem« sprachen. Doch in dieser Allianz wird Nokia mehr und mehr zum Juniorpartner. Der einst weltweit führende Hersteller von Mobiltelefonen hat seine Stellung an Samsung und Apple verloren. Ein Blick auf den Börsenwert erklärt, warum der Konzern als Übernahmekandidat gilt: Vor fünf Jahren etwa kostete eine Aktie an der amerikanischen Börse um die 40 Dollar, jetzt sind es bloß noch rund 2,50 Dollar.
Elop, der vor knapp zwei Jahren an die Konzernspitze berufen wurde, sprach damals von einer »brennenden Plattform«. Bislang konnte er den Brand nicht löschen; die vergangene Woche war mit einem Aktienkursverlust von zeitweilig mehr als zehn Prozent eine der schlechtesten überhaupt. Vorausgegangen waren Verlustwarnungen und die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch zwei Ratingagenturen.
Das Lumia ist gut, hat es aber schwer
Am Donnerstag dann verkündete das Topmanagement zum wiederholten Mal ein drastisches Sparprogramm. Bis zum nächsten Jahr werden 10.000 Arbeitsplätze gestrichen. Standorte in Finnland, Kanada und Deutschland werden geschlossen. Hierzulande trifft es das Forschungszentrum in Ulm mit rund 700 Mitarbeitern, denen noch vor drei Monaten eine große Zukunft bescheinigt wurde. Nokia werde dort »zahlreiche neue Jobs schaffen, um künftige Innovationen voranzutreiben«, sagte das Vorstandsmitglied Mary McDowell erst kürzlich im Interview mit der ZEIT.
Doch die Lage hat sich schneller als gedacht geändert. Ulm ist bald Geschichte, und auch McDowell muss ihren Vorstandsposten räumen.
»Nokia will jetzt seine Strategie bei Smartphones erweitern«, teilte der Konzern mit. »Alles dreht sich darum, Lumia zu einem Erfolg zu machen«, interpretiert das Carolina Milanesi von der Beratungsfirma Gartner. Lumia heißen jene Nokia-Smartphones, auf denen das Betriebssystem Windows Phone von Microsoft läuft. Die Geräte werden von Kritikern gelobt und verkaufen sich in den USA gar nicht mal schlecht. Doch bislang bleiben sie Nischenprodukte, weil Verbraucher lieber ein iPhone von Apple oder ein Galaxy von Samsung kaufen. Mehr Lumia bedeutet für Nokia also vor allem: mehr Microsoft. Mehr Nähe zum großen Bruder.
Es ist ein weiterer Schritt in einer langen Reihe von technischen, kulturellen und finanziellen Annäherungen. Es beginnt beim Personal: Elop war ein hochrangiger Microsoft-Manager, bevor er zu Nokia wechselte. Chris Weber, der vergangene Woche als künftiger Vertriebsvorstand vorgestellt wurde, hat ebenfalls eine lange Vorgeschichte bei Microsoft. Und auch finanziell sind die beiden Konzerne miteinander verbunden: Die Amerikaner überweisen den Finnen regelmäßige »Unterstützungszahlungen«, im vierten Quartal des vergangenen Jahres waren es 250 Millionen Dollar. Im Gegenzug erhalten sie von Nokia Lizenzgebühren für die Nutzung des Betriebssystems.







...Das ist auch das einzige was der Markt bei der Bewertung der Firma beruecksichtigt. Die Firma selbst ist vom Markt abgeschrieben: 8Mrd Bewertung bei 30Mrd Umsatz. Vielleicht ist noch einmal -50% Rabatt drinnen, bis jemand zuschlaegt und sich die Filetstuecke abschneidet. Oder es wird auf die Insolvenz gewartet, dann bekommt man das Filet ohne das Personal noch leichter.
Zu allem Überfluss ist die Werbung für das Lumia - gelinde gesagt - abschreckend dämlich. Mit dem Bewerben von Zappel-Icons und Onkel-Tweets via um Coolness ringender Grabesstimme macht man keinen potentiellen Android-Kunden abspenstig - vom iPhone ganz zu schweigen. Die Werbeagentur gehört samt den Verantwortlichen bei Nokia schnellstens ausgetauscht.
Komisch, schon damals beim Deal mit MS wurde genau diese Situation in vielen Foren vorhergesagt.
Wofür bekommt ein Manager eigentlich sein Gehalt. ( Wobei ich dem jetzigen ja zu traue, Nokia ganz bewusst vor die Wand zu fahren, was aber für noch mehr Dummheit von Nokia sprechen würde )
... wie Nokia innerhalb weniger Jahre an die Wand fahren kann. Den Trend zum Touchscreen haben sie verschlafen, eine unklare Strategie bzgl. der Hauptplattform verfolgt, dann kommt so etwas heraus.
Und jetzt soll es eine Allianz mit Microsoft richten? Elop zu holen war ein weiterer Fehler.
Sa.bl.... Patent.
Kann mich nicht erinnern, so was schon mal erlebt zu haben.
Habe damals gleich gesagt, das Schafzüchter keine Handys produzieren können.
Nie wieder Nokia.
...dass sich hier zwei Verlierer getroffen haben. Microsofts Windows Phone kam um Jahre zu spät und Nokia hat erst vor relativ kurzer Zeit gemerkt, dass sich Smartphones verkaufen wie geschnitten Brot. Also, wenn die neuen Produkte nicht irgend eine "Wow, das ist ja cool..muss ich haben" - Funktion besitzen, werden beide Unternehmen wohl kaum noch was abbekommen, vom schon längst aufgeteilten Kuchen.
Schaut zurück - da wo Nokia noch "Geld" hatte...
Eine kleine Zeitungsmeldung - Nokia/Siemens rüstet China-Mobile aus.
Nokia hat also Huawei und ZTE auf heimatlichem Boden geschlagen...
( ...Netzausrüster Nokia Siemens erhält Auftrag aus China Freitag, 11. Juli 2008, 08:07 Uhr)
Seit dem geht's steil bergab mit Nokia .... Siemens hat ja rechtzeitig die Notbremse gezogen.
Nokia wird an der chinesischen Grippe sterben, angezettelt von Kleinkriegern, die den Verlust des deutschen Marktes nicht wegstecken konnten.
...bei Apple ist "neu" - das man nicht als Telekommunikationsausrüster auftritt - sondern Systemunabhängig auf die Cloud und Apps setzt.
...was mit der Unternehmensphilosophie und der Unternehmskultur des Unternehems zu tun hat. Nokia, das war Hardware zum telefonieren. Apple iPhone und Co, das ist Software zum Surfen und Apps ausführen. So wie viele Schreibmaschinenhersteller mental nicht den Sprung hin in Richtung Computer geschafft hatten, so wie viele Analogphotoapparathersteller nicht den Sprung zur Digitalphotographie geschafft hatten(zB. Polaroid, Kodak) so tut sich nun auch Nokia in der neuen Zeit schwer seinen alte Identität abzulegen. Daher befürchte ich, dass es auch Nokia nicht schaffen wird und langsam untergeht. Das wäre schlimm, denn das kleine Finnland hat ja nun weiß Gott nicht unbedingt soooo viele eigene Global-Player, die in der weltweiten Konkurrenz mithalten könn(t)en.
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