Politisches System: Das Ende der beschaulichen Demokratie
Neuwahlen, mehr Parteien, ungewöhnliche Koalitionen – unser politisches System hält auch das aus.
Mehr als 60 Jahre lang ging parteipolitisch alles schön stabil und überschaubar vonstatten in Deutschland. Über 30 Jahre hinweg teilten sich Union, SPD und FDP die Macht – bis die Grünen kamen. Aber auch sie wurden schnell zur etablierten Kraft. Bei den 17 Bundestagswahlen kam es nur ein einziges Mal zu einem kompletten Machtwechsel – 1998, als Rot-Grün die Wahl gewann.
Und jetzt? Neuwahlen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und im Saarland, laute Wutbürger und digitale Empörungsschwärme haben die politische Behaglichkeit beendet. Ehemals große Volksparteien haben sich in den letzten Jahren von Sieg zu Sieg geschrumpft. Und nun haben sie einen neuen Mitspieler, die Piraten. Der Wähler will es so. Doch warum entscheidet er, wie er entscheidet – und werden das Unerwartete, das Dynamische jetzt den Parteienwettbewerb bestimmen? Werden Neuwahlen zur Regel?
Der Wähler hat aus einem beschaulichen Parteiensystem einen Koalitions- und Parteienmarkt gemacht. Er ist vom Bürger zum Kunden geworden, der von den Parteien erwartet, dass sie seinen Lebensstil widerspiegeln. Hing seine Wahlentscheidung früher davon ab, wie sehr er sich an eine Partei gebunden fühlte, so fragt er sich heute in der Wahlkabine: Was bringt mir die Partei eigentlich?
Karl-Rudolf Korte leitet die NRW School of Governance an der Universität Duisburg- Essen. Er ist Mitherausgeber des Buches »Wie entscheiden Parteien?« (Nomos, Baden-Baden)
Der politische Bürger 2012 will immer wieder neu überzeugt werden. Doch die Parteien tun sich schwer damit, denn die Wählerschaft ist komplexer und heterogener als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.
Da sind zunächst die Nichtwähler: Ihr Anteil stieg bislang immer dann an, wenn es nichts zu entscheiden gab – wie zum Beispiel im Saarland, als eine Große Koalition zur Wahl stand und über die Regierungsmacht damit bereits vor der Wahl entscheiden wurde. Doch obwohl es viele wichtige politische Entscheidungen zu treffen gibt, nimmt die Zahl der Nichtwähler derzeit zu, sodass letztlich immer weniger Wähler über immer mehr Dinge entscheiden. Von denjenigen, die wählen gehen, wechseln viele die Partei – ihr Anteil bei den Bundestagswahlen hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Rationale Koalitionswähler wiederum splitten bewusst ihre Stimme, um einer bestimmten Regierungsformation ins Amt zu verhelfen. Auch ihr Anteil hat deutlich zugenommen. Unpolitische Gesinnungswähler hingegen legen sich erst wenige Stunden vor der Wahl fest. Sie sind wie Flugsand und können bei knappen Mehrheiten den Ausschlag geben. Der Wähler ist wählerischer geworden.
Die Lager bleiben bestehen
Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn obwohl der deutsche Wähler flüchtig ist, kann er sich dennoch nicht vom Rechts-links-Schema lösen. So weichgespült die politischen Lager auch sein mögen, die jüngsten Wahlen haben gezeigt, dass der Bürger an den politischen Lagern festhält. Selbst wenn er sich nicht mehr mit ihr identifiziert, ist die Bindung an eine Partei immer noch wahlentscheidender als die Sympathie für einzelne Politiker oder aktuelle Themen. Die Wähler vertrauen darauf, dass die Parteien alle eingehenden politischen Informationen filtern.
Der Wähler verhält sich stabil und gleichzeitig ambivalent – und er neigt zu Anachronismen. Er wünscht rasche Entscheidungen, möchte aber intensiv und auf den unterschiedlichsten Ebenen einbezogen sein. Momentan scheinen die Piraten am besten auf dieses Profil zu reagieren: »Gemeinsam allein sein« lautet ihre Botschaft an den Wähler. Die Kombination des uneindeutigen Andersseins mit Strukturen einer herkömmlichen Partei, deren Mitglieder auch in Fußgängerzonen analog Unterschriften sammeln und sich nicht als Politik-Profis, sondern als ständig Lernende geben, kommt an.





Wir wählen doch nur die Abgesannten der Finanzmacht. Die haben mal ein rotes, mal ein gelbes oder grünes oder gar schwarzes Kleidchen an. Wer nicht pariert, fliegt raus.
Kommt wirklich mal was aus dem Volk, ist der systemkonforme Medienapparat schnell zur Stelle um die Bewegung in Stücke zu zerreissen (siehe Piraten).
Man denkt es folgt ein Artikel zum gestern beschlossenen ESM-Vertrag....
Klar, wir halten das aus. Auch oder gerade im Zeitalter von Post-demokratie und techno-scientific governance. Gleichwohl, die Entscheidungsstrukturen der Policy- und Governance-systeme auf foederaler und EU-Ebene muessen an diese neuen Konstellationen so angepasst werden, dass Handlungsfaehigkeit garantiert bleibt, die noch der digitalen und virtuellen Beschleunigung der Fragmentierung von Recht und Sozialitaet Rechnung tragen kann. Dies ist die Herausforderung.
"Wer mit weiteren Neuwahlen rechnet und sich darauf einstellt, wird auch Routine im Umgang mit raschen Regierungswechseln bekommen – die Kontinuität bleibt trotzdem gewahrt. Dass neue Regierungsfarben auch immer einen Politikwechsel bedeuten, hat die Regierungsforschung längst widerlegt."
Wenn das so stimmt, Herr Korte, ist der Souverän tatsächlich nur noch das Stimmvieh als das er sich fühlt.
Die Möglichkeit zur politischen Veränderung (durch Wahlen) in unserer repräsentativen Demokratie wären damit ausgeschlossen. Pfründesicherung und Klientelpolitik (so zumindest meine Analyse der Ursachen hinter dem Wähler- und Protestverhaltens) ist auf demokratischem Weg nicht veränderbar?
Armes Deutschland! Arme Demokratie!
...am Artikel ist ja die Tatsache, dass repräsentative Demokratien eben eigentlich nicht demokratisch sind und schon gar nicht repräsentativ.
Nicht die einzige Paradoxie, die man hinnimmt, um das Volk nicht wirklich beteiligen zu müssen.
"Pfründesicherung und Klientelpolitik (so zumindest meine Analyse der Ursachen hinter dem Wähler- und Protestverhaltens) ist auf demokratischem Weg nicht veränderbar?"
Nein, ist sie wirklich nicht. Wir haben längst kein demokratisches System mehr. Wenn überhaupt, dann haben wir eine *Expertokratur* oder sowas in dieser Art. Denn die *Berater* unserer Politiker bleiben die Gleichen. Ergo...
...am Artikel ist ja die Tatsache, dass repräsentative Demokratien eben eigentlich nicht demokratisch sind und schon gar nicht repräsentativ.
Nicht die einzige Paradoxie, die man hinnimmt, um das Volk nicht wirklich beteiligen zu müssen.
"Pfründesicherung und Klientelpolitik (so zumindest meine Analyse der Ursachen hinter dem Wähler- und Protestverhaltens) ist auf demokratischem Weg nicht veränderbar?"
Nein, ist sie wirklich nicht. Wir haben längst kein demokratisches System mehr. Wenn überhaupt, dann haben wir eine *Expertokratur* oder sowas in dieser Art. Denn die *Berater* unserer Politiker bleiben die Gleichen. Ergo...
Könnte es nicht auch sein, dass in einer Parteienlandschaft in welcher der Wähler sich nicht mehr vertreten fühlt, die Wahl zwischen dem kleineren Übel (wer bringt mir noch etwas?) und Nichtwählen liegt?
...vor allem was Ressourcen(Geld) betrifft etwa dort, wo einst die Brüder Graccus in der alten römischen Republik auftauchten.
Zu sagen unsere Demokratie hielte das aus wird sich erst noch zeigen - in Rom hat es nicht geklappt.
wird unser System nicht aushalten. Tschüss Demokratie, hi Finanzdiktatur!?
Liebe MitforistInnen, bitte empören Sie sich nicht nur hier, sondern vor dem Bundesverfassungsgericht!
http://verfassungsbeschwe...
Auch wenn das Mitmachen in Parteien für Normales fast unmöglich is, weil dort der Ochseweg verlangt wird und totale Anpassung an Top-Tiere, muss Jeder in der Demokratie mittun. Zum Beispiel die Parlamentarier mit Eingaben und Briefen bombardieren. z.B. Klagen gegen vordemokratische Regelwerke unterstützen, Der Kanzlerin selbst schreiben wie dumm und verantwortungslos sie agiert und wie sie das Volk belügt. Meinungsfreiheit muss voll ausgenutzt werden. Da wir in den meisten Politikbereichen nur von "bezahlten" und "korrupten" Elementen umgeben sind( Banken, Berater, Investoren, Interessenvertreter, Lobbyisten usw.) ist es unbedingt notwendig für jeden aufrechten Bürge, seine Rechte einzufordern- nicht als Bittsteller, sondern als Herausforderer! Die zeit des Absolutismus ist zwar geschichtlich vorbei aber voll aktiv, während wir immer noch nach der Aufklärung suchen. Bürger wehrt Euch! Europa NO, EU NO, Euro NO- Zeit genügend vergangen, um diese Schlussfolgerung zu ziehen.
Auch wenn das Mitmachen in Parteien für Normales fast unmöglich is, weil dort der Ochseweg verlangt wird und totale Anpassung an Top-Tiere, muss Jeder in der Demokratie mittun. Zum Beispiel die Parlamentarier mit Eingaben und Briefen bombardieren. z.B. Klagen gegen vordemokratische Regelwerke unterstützen, Der Kanzlerin selbst schreiben wie dumm und verantwortungslos sie agiert und wie sie das Volk belügt. Meinungsfreiheit muss voll ausgenutzt werden. Da wir in den meisten Politikbereichen nur von "bezahlten" und "korrupten" Elementen umgeben sind( Banken, Berater, Investoren, Interessenvertreter, Lobbyisten usw.) ist es unbedingt notwendig für jeden aufrechten Bürge, seine Rechte einzufordern- nicht als Bittsteller, sondern als Herausforderer! Die zeit des Absolutismus ist zwar geschichtlich vorbei aber voll aktiv, während wir immer noch nach der Aufklärung suchen. Bürger wehrt Euch! Europa NO, EU NO, Euro NO- Zeit genügend vergangen, um diese Schlussfolgerung zu ziehen.
.. scheint auch der Autor wohl strikt mitte-(rechts)zentriert zu sein. Unterschlaegt er doch einfach mal eine der im Bundestag vertretenen (Volks)-Parteien, die diesem Titel, selbst wenn man mit vielen Einstellungen nicht uebereinstimmen mag, wohl mehr gerecht wird, als so manch' andere (Finanz)-Partei.
Sind das die neuen journalistischen Standards, werte Redaktion?
wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!
http://de.wikipedia.org/w...
"...Das Magazin Unicum Beruf in Kooperation mit dem Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat Korte im November 2006 als Professor des Jahres in der Kategorie Geistes-, Gesellschafts-, und Kulturwissenschaft ausgezeichnet, der als "Wegbereiter für Karrieren" und der Nachwuchsförderung wirke. Er biete seinen Studierenden ein Netzwerk, das sie in ständigen Kontakt mit Unternehmen bringe, so die Begründung der Initiatoren.[2]
...
2010 wurden E-Mails von Korte auf einem Internetportal veröffentlicht, die laut FAZ-Autor Jürgen Kaube zumindest "Gschaftlhuberei" nahelegen. Demnach soll Korte gegen Bezahlung von der Regierung „wohlwollende“ Analysen über die CDU von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter geliefert haben.[1]
..."
wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!
http://de.wikipedia.org/w...
"...Das Magazin Unicum Beruf in Kooperation mit dem Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat Korte im November 2006 als Professor des Jahres in der Kategorie Geistes-, Gesellschafts-, und Kulturwissenschaft ausgezeichnet, der als "Wegbereiter für Karrieren" und der Nachwuchsförderung wirke. Er biete seinen Studierenden ein Netzwerk, das sie in ständigen Kontakt mit Unternehmen bringe, so die Begründung der Initiatoren.[2]
...
2010 wurden E-Mails von Korte auf einem Internetportal veröffentlicht, die laut FAZ-Autor Jürgen Kaube zumindest "Gschaftlhuberei" nahelegen. Demnach soll Korte gegen Bezahlung von der Regierung „wohlwollende“ Analysen über die CDU von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter geliefert haben.[1]
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