GleichberechtigungGlückliche Männer!

Wir jungen Frauen in den neuen Ländern halten uns für emanzipiert. Und verzichten trotzdem auf unsere Karrieren

Wenn der Partner mehr verdiene, könne die Frau ihre Karriere doch aufgeben. Höre ich so. Und da wird mir ganz anders. Denn das sagt eine Freundin von mir. So einen Satz! Wenn Frauen, die wie ich im Osten aufgewachsen sind, die wie ich Ende 20 sind, so etwas von sich geben – dann bin ich überrumpelt. Ich überlege dann: Woher kommt das denn jetzt? Haben unsere Mütter uns nicht vorgelebt, dass wir Kinder haben und uns trotzdem beruflich verwirklichen können? War es nicht genau das, worauf wir immer stolz waren – dass wir eben nicht diese Hausmütterchenrolle West spielen müssen?

Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass wir es trotzdem immer öfter tun. Wir werden zu westdeutschen Hausmütterchen. Das Frauenbild in Ostdeutschland – es ist in Wirklichkeit nicht weniger konservativ. Viele meiner Freundinnen haben in letzter Zeit Kinder bekommen. Und immer wieder war ich schockiert, wie sie, Frauen meiner Generation, plötzlich ihr Berufsleben opferten.

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Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich gehen im Osten weiterhin wesentlich mehr Frauen einer Arbeit nach als im Westen. Ostdeutsche Frauen arbeiten seltener in Teilzeit, und selbst Mütter mit Kleinkindern sind hier sehr viel häufiger berufstätig als in den alten Ländern. Wann immer ich aber mit Gleichaltrigen aus dem Osten spreche, höre ich jetzt immer öfter dasselbe: Es wird wie selbstverständlich propagiert, dass die Frau den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen habe – und sich deshalb beruflich zurücknehmen müsse. Das sei naturgegeben. Mein Herz stockt. Naturgegeben?

In der DDR waren unsere Mütter berufstätig; fast alle. Sie arbeiteten in Berufen, die heute wieder als Männerdomäne gelten, und schockierten westdeutsche Feministinnen nach der Wende, weil sie sprachlich nicht genderten: Ärztinnen und Ingenieurinnen? Ach komm. Unsere Mütter waren das, sie mussten nicht darüber reden. Wahr ist aber auch: Diese angebliche »Emanzipation« war nur vom System verschrieben. In Wirklichkeit änderten die Rollenbilder sich nicht. Den Haushalt machte Mutti dafür eben nach der Arbeit. Fürs Meistern der Doppelbelastung gab’s dann Lob von der SED.

Bloß: Mehrbelastung zu meistern bedeutet eben nicht, emanzipiert zu sein. Das alte Frauenbild bestand im Verborgenen weiter. Und zusätzlich blieben die Emanzipationskämpfe des Westens auch noch aus. Wir leben in der Patchwork-Globalisierungs-Berufspendler-Zeit. In dieser Zeit sehnen sich jene, die heute Jobanfänger sind, nach Beständigkeit. Sie finden sie in den alten Rollenbildern. Und deshalb sind jetzt immer mehr Frauen, die nach Sicherheit streben, bereit, ihre Karriere zu opfern. Glückliche Männer!

 
Leserkommentare
  1. „plötzlich ihr Berufsleben gopfert“?
    Wieso geopfert?

    Ich beobachte immer wieder, dass Frauen, auch unabhängig von Kindern (keine vorhanden oder aus dem Haus) ihrem Mann die finanzielle Verantwortung gerne zuschieben(!).

    In den wenigsten Fällen reagieren die Männer, aber auch das gibt es, z.B. mit Scheidung. Der überwiegende Teil dieser Frauen lässt es sich gutgehen, das ist wie Ruhestand ab 50 oder früher. Die Verlockung ist für viele einfach zu groß.

    Und, falls der Mann unerwartet reagiert, muss Frau schlimmstenfalls doch noch arbeiten. Finanziell geht beiden(!), auch dem Ex danach nicht besser.

    3 Leserempfehlungen
    • tchonk
    • 24.06.2012 um 14:07 Uhr

    Vielleicht gefällt die Hausmutterrolle auch einigen. Grundsätzlich ist es toll, wenn man Familie und Beruf unter einen Hut bringt. Das ist aber auch ein Trade-Off, da es nun mal keine perfekten Bedingungen gibt. Da kann ich schon verstehen, wenn man sich dann lieber der Familie widmet. Ich kenne übrigens viele Männer, die gerne Hausmann wären, es aber nicht können, da die Partnerin zu wenig verdient oder selbst lieber zu Hause bleibt.
    Schwierig wird es nur, wenn man sich trennt, da sehe ich auch ein, dass die Frau dann einen enormen Nachteil hat. Aber darüber hinaus kann ich die ideologisch, oder auch von Stolz, geprägten Diskussionen nicht verstehen. Als wäre nur der was wert, der auch beruflich weiterkommt. Familie ist nur noch ein Nebenschauplatz, das Leben und die Kinder eine "challenge".

    • duff
    • 24.06.2012 um 14:13 Uhr

    wenn ich schlicht und einfach Beruf und Kinder unter einen Hut bringen will.

    Antwort auf "Märchen..."
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    das geht, wenn man sich das Umfeld schafft und Forderungen formuliert, auf die die Anderen reagieren können, da die Umwelt meist viel aufgeschlossener ist, als man annimmt.

    Das tun übrigens weltweit viele Frauen, die mit Kindern leben und sehr oft sind es mehr als die wenigen Kinder, die deutsche Frauen haben.

    das geht, wenn man sich das Umfeld schafft und Forderungen formuliert, auf die die Anderen reagieren können, da die Umwelt meist viel aufgeschlossener ist, als man annimmt.

    Das tun übrigens weltweit viele Frauen, die mit Kindern leben und sehr oft sind es mehr als die wenigen Kinder, die deutsche Frauen haben.

  2. > Dann bleibt nichts übrig. Die Ex-Karrieristin ist und
    > bleibt ein armes Würstchen, weil sie es nicht geschafft
    > hat, sich unabhängige Werte selber zu schaffen. Ein hohles
    > Leben.

    Karriere ist heute, wenn Frauen sich aussuchen dürfen, wo sie unterdrückt werden und die Drecksarbeit machen für einen Hungerlohn. So lässt es sich medial feiern mit der unbedingten "Unabhängigkeit". Das hier ist auch nur ein Profilierungsthread. Allerdings bezweifle ich, dass Frau Malter wirklich so entlohnt wird, dass man ihren Lebensweg als "Karriere" einstufen kann. Mehr als 30.000 im Jahr werden es auch nicht sein.

    http://www.stern.de/wirts...

    Antwort auf "Armselig"
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    Ich weiß nicht, in was für einer Realität Sie leben.

    Dass Frauen sich Stressjobs für das selbe Geld, das selbe Geld, das Männer verdienen nicht antun, ist immer wieder zu beobachten. Hier ein lekker Beispiel:

    Die Nachfolge des Bafin (Bundesfinanzaufsicht) Chefs (Ende letzten Jahres sollte unbedingt mit einer Frau besetzt werden. Für das Einkommen des langjährigen Vorgängers( ca. 130TEUR/Jahr Beamtensold als Grundeinkommen) war aber keine Frau bereit zu arbeiten. Die Frau, die letztlich eingestellt wurde bekommt fast das doppelte Einkommen wie ihr Vorgänger Sanio.
    http://www.spiegel.de/wir...

    Natürlich wurde der Rest des Boards auch gleich besser bezahlt. Es ist schon eine teure Geschichte für den Staat, Frauen in Spitzenpositionen zu fördern. Sie denken eben ökonomischer mit ihrem privaten Preis-/Leistungsverhältnis.

    Jammern können Frauen auf jeden Fall beser als Männer.

    Ich weiß nicht, in was für einer Realität Sie leben.

    Dass Frauen sich Stressjobs für das selbe Geld, das selbe Geld, das Männer verdienen nicht antun, ist immer wieder zu beobachten. Hier ein lekker Beispiel:

    Die Nachfolge des Bafin (Bundesfinanzaufsicht) Chefs (Ende letzten Jahres sollte unbedingt mit einer Frau besetzt werden. Für das Einkommen des langjährigen Vorgängers( ca. 130TEUR/Jahr Beamtensold als Grundeinkommen) war aber keine Frau bereit zu arbeiten. Die Frau, die letztlich eingestellt wurde bekommt fast das doppelte Einkommen wie ihr Vorgänger Sanio.
    http://www.spiegel.de/wir...

    Natürlich wurde der Rest des Boards auch gleich besser bezahlt. Es ist schon eine teure Geschichte für den Staat, Frauen in Spitzenpositionen zu fördern. Sie denken eben ökonomischer mit ihrem privaten Preis-/Leistungsverhältnis.

    Jammern können Frauen auf jeden Fall beser als Männer.

  3. Frauen mögen Berufe, die dreckig, schwer, gefährlich sind oder auswärts (Fernfahrer) stattfinden nicht. Zu Recht haben Frauen daher im Schnitt niedrigere Einkommen, denn zu Recht haben Gewerkschaften in diesen Berufen bisher höhere Löhne gesorgt.

    8% verdienen Frauen gem. destatis, 2006, weniger als Männer für vergleichbare Arbeit. Nur sehr rudimentär hat aber dabei die Frau, die diese Studie durchgeführt hat, die Zulagen berücksichtigt. Also geht es im Endeffekt für Null auf. Frauen verdienen für gleiche Arbeit nicht weniger.
    https://www.destatis.de/D...

    Bei allen übrigen (akademischen ) Berufen gibt es Frauenförderung an Hochschulen und in Firmen, ein Privileg, dass Männern in dieser exzessiven Form vorenthalten war und ist. (lassen Sie sich mal von männlichen Studenten erzählen, was passiert, wenn sie sich mal in einen der vielen Frauenförderkurse verlaufen haben).

    Offensichtlich geht es Euch Feministinnen doch ausschließlich um Karriere und Geld, ohne jedoch auch die unbequemen Berufe und gesellschaftlichen Aufgaben, die bisher und wohl auch zukünftig ausschl. den Männern zugeschoben werden, mittragen zu wollen.
    Das können Frauen verbrämen wie sie wollen, aber darauf läuft es hinaus.

    6 Leserempfehlungen
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    Und doch arbeiten viele Frauen in Bereichen, die mit Körperpflege zu tun haben und im Bereich "dreckig" wie auch "schwer" sind und auch in Berufen, die im Reinigungsbereich oder z.B. im Handel statt finden kann man "dreckig" und "schwer" finden.

    Weit weg sind wohl vor allem die Frauen im Hotel- und Gaststättenbereich, die häufig nicht am Ort bleiben können und noch dazu ihren Einsatzort immer mal wechseln.

    Dass Frauen nicht als Fernfahrer arbeiten hat wohl auch mit den Zuständigkeiten in Familien- bzw. Ehehaushalten zu tun, in denen die Versorgung des Haushaltes und dessen Organisation fast ausschließlich Frauensache ist.

    Und doch arbeiten viele Frauen in Bereichen, die mit Körperpflege zu tun haben und im Bereich "dreckig" wie auch "schwer" sind und auch in Berufen, die im Reinigungsbereich oder z.B. im Handel statt finden kann man "dreckig" und "schwer" finden.

    Weit weg sind wohl vor allem die Frauen im Hotel- und Gaststättenbereich, die häufig nicht am Ort bleiben können und noch dazu ihren Einsatzort immer mal wechseln.

    Dass Frauen nicht als Fernfahrer arbeiten hat wohl auch mit den Zuständigkeiten in Familien- bzw. Ehehaushalten zu tun, in denen die Versorgung des Haushaltes und dessen Organisation fast ausschließlich Frauensache ist.

  4. 86. Familie

    "Und dann kommt das, was für viele mit Anfang bis Mitte 30 kommt: Trennung. Die arbeitende Frau hat weiterhin Erwerbsarbeit plus Haushalt und kein existenzielles Problem mit dem Haushaltseinkommen auf lange Sicht. ..."

    ... und das Kind ist dann zwischen 5 und 15 und soll sich zwischen seinen Eltern entscheiden. Das konservative Rollenverhältnis, wozu auch mehr oder weniger die klassische Ehe gehört, soll doch Kindern eine funktionierende Familie gewährleisten. Man sollte sich eben überlegen, ob man mindestens die nächsten 20 Jahre mit jemandem verbringen möchte, bevor man Kinder in die Welt setzt.

    Ich halte nicht viel vom Hausfrauentum, doch wenn man den Artikel und die Kommentare so ließt, wo es mit der Unabhängigkeit der Frau zwangsläufig auch um Lebensplanung und Familiengründung geht, dann scheinen ja die Kinder doch immer an letzter Stelle zu stehen, obwohl sie doch der wesentliche Bestandteil einer Familie sind.

    Eine Leserempfehlung
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    Kinder bleiben zumeist in der Wohnung und dann bei dem, der Kinder und Haushalt versorgt, was in Deutschland zumeist die Frau ist, die nicht oder teilzeit arbeitet und damit sich und das Kind nicht ernähren kann.

    Selbst wenn man sich vor der Schwangerschaft überlegte, dass man zusammenbleiben mag, kann Ehe scheitern und tut es auch oft. Da nützt die Absicht nichts.

    Kinder stehen nicht an letzter Stelle. Sie verändern das Leben maßgeblich und das muss man wohl kaum als Mantra vor sich her sagen, wenn es um Frauenerwerbsarbeit geht.

    Kinder bleiben zumeist in der Wohnung und dann bei dem, der Kinder und Haushalt versorgt, was in Deutschland zumeist die Frau ist, die nicht oder teilzeit arbeitet und damit sich und das Kind nicht ernähren kann.

    Selbst wenn man sich vor der Schwangerschaft überlegte, dass man zusammenbleiben mag, kann Ehe scheitern und tut es auch oft. Da nützt die Absicht nichts.

    Kinder stehen nicht an letzter Stelle. Sie verändern das Leben maßgeblich und das muss man wohl kaum als Mantra vor sich her sagen, wenn es um Frauenerwerbsarbeit geht.

    • tchonk
    • 24.06.2012 um 14:33 Uhr

    In der DDR war es auch einfacher mit Beruf und Familie, da nicht die bloße Leistung gezählt hat. Im Kapitalismus nimmt niemand groß Rücksicht auf das Leben außerhalb des Berufes und der tägliche Wechsel von Beruf zu Familie ist schwieriger, da die Anforderungen und der Druck im Beruf wesentlich höher sind. Es wundert mich nicht, dass sich die Ostdeutschen den westdeutschen Verhältnissen angleichen. Ich glaube auch nicht, dass sich in der DDR viele im Beruf groß selbst verwirklichen konnten. Daher vergleicht der Autor hier 2 ganz unterschiedliche Bedingungen.
    Jetzt ist es so, dass der Beruf einem viel abverlangt und daher ist es gar nicht irrational, wenn sich einer in das Berufsleben schmeißt und der andere verstärkt zu Hause bleibt. Ob der Berufstätige dann so glücklich ist, wage ich zu bezweifeln.
    Das die Frau allein das Opfer ist, kann ich nicht verstehen und auch im Alltag nicht beobachten. Vielmehr sind es oft die Frauen, die Familien zusammenhalten und dabei sehr glücklich wirken. Wie wäre es, wenn mal jemand die Frauen und die Männer direkt fragen würde?
    In solchen Artikeln, wird komischerweise die eigene Ideologie vertreten und so dargestellt, als wäre das tatsächlich die einzig richtige Sichtweise. Wenn man aber ins Forum schaut, dann ist das wohl doch differenzierter zu sehen. Wenn man wirklich am Wohl der Frauen interessiert wäre, würde man mit ihnen reden und nicht nur über sie schreiben.

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  5. Ich weiß nicht, in was für einer Realität Sie leben.

    Dass Frauen sich Stressjobs für das selbe Geld, das selbe Geld, das Männer verdienen nicht antun, ist immer wieder zu beobachten. Hier ein lekker Beispiel:

    Die Nachfolge des Bafin (Bundesfinanzaufsicht) Chefs (Ende letzten Jahres sollte unbedingt mit einer Frau besetzt werden. Für das Einkommen des langjährigen Vorgängers( ca. 130TEUR/Jahr Beamtensold als Grundeinkommen) war aber keine Frau bereit zu arbeiten. Die Frau, die letztlich eingestellt wurde bekommt fast das doppelte Einkommen wie ihr Vorgänger Sanio.
    http://www.spiegel.de/wir...

    Natürlich wurde der Rest des Boards auch gleich besser bezahlt. Es ist schon eine teure Geschichte für den Staat, Frauen in Spitzenpositionen zu fördern. Sie denken eben ökonomischer mit ihrem privaten Preis-/Leistungsverhältnis.

    Jammern können Frauen auf jeden Fall beser als Männer.

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    Antwort auf "Re: Armselig"

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