FotografieTito wusste sich zu inszenieren

Der Künstler Fabian Bechtle über seinen Fotoschatz vom Balkan von Antje Hildebrandt

Josip Broz Tito

Josip Broz Tito  |  © Hulton Archive/Getty Images

DIE ZEIT: Der Leipziger Hauptbahnhof 1974, durch die Windschutzscheibe einer Limousine aus dem Tross des jugoslawischen Präsidenten Tito fotografiert – wie sind Sie an dieses Bild gekommen?

Fabian Bechtle: Ein befreundeter Fotograf, Armin Linke , hat es zufällig im Museum für Jugoslawische Geschichte in Belgrad entdeckt – im Archiv. Es ist Teil einer riesigen Fotosammlung. Sie lässt hinter die Fassade des Staatsmannes blicken.

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ZEIT:Josip Broz Tito starb 1980. Wie kommt es, dass sein Schatz so lange im Archiv schlummerte?

Bechtle: Dem Museum fehlt das Geld, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das ist jetzt mein Job; als DAAD-Stipendiat in Belgrad wähle ich die interessantesten Bilder aus. 90 Prozent von ihnen dokumentieren Reisen und Staatsempfänge. Die übrigen wirken so privat, dass fraglich ist, ob sie für die Öffentlichkeit bestimmt waren: Fotos etwa von Tito mit seiner Frau Jovanka vor einem Weihnachtsbaum.

ZEIT: Ist das nicht banal?

Bechtle: Insgesamt keineswegs. Wer sich durch dieses Archiv blättert, macht eine Reise durch das 20. Jahrhundert. Man merkt, welches politische Gewicht Jugoslawien in der Welt hatte. Ich finde es interessant, wie diese Bilder aufgeführt werden.

ZEIT: Sie meinen: inszeniert? 

Bechtle: Genau. Als Hobbyfotograf wusste Tito, wie es ist, hinter der Kamera zu stehen. Einige Fotos aus der Sammlung stammen von ihm.

ZEIT: Also hat er sich mit dieser Sammlung selber ein Denkmal gesetzt?

Bechtle: Ich glaube, es liegt in der Natur der Herrscher, Bilder von sich selber mitzudenken. Man merkt das, wenn sich Tito mit indischen Tigern fotografieren lässt. Er umgibt sich mit Insignien extrovertierter Staatspräsidenten. Seine Liebe zu wilden Tieren ist augenfällig.

Leserkommentare
  1. "... umgibt sich mit Insignien extrovertierter Staatspräsidenten. ... Liebe zu wilden Tieren ist augenfällig."

    Dabei musste ich sofort an den Strandkorb von Heiligendamm denken. :)

    MfG
    AoM

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