Stimmt's?Schaden importierte Äpfel dem Klima mehr als heimische?

…fragt Kerstin Leipnitz aus Berlin. von 

Apfel Import Neuseeland

Eine Kiste Äpfel aus Neuseeland  |  © Ryan Pierse/Getty Images

Viele finden es verrückt: Zunehmend sieht man im Supermarktregal Obst aus Neuseeland oder Argentinien. Dabei haben wir doch so schöne einheimische Sorten. Der Transport um den halben Erdball muss doch dem Klima schaden, oder?

Wer so denkt, der übersieht, dass es bei uns längst nicht das ganze Jahr über frische Äpfel gibt. Das Obst, das wir im Frühjahr und Frühsommer kaufen, hat ein halbes Jahr im Kühlhaus gelegen – und das verbraucht ebenfalls eine Menge Energie. Mittlerweile haben sich mehrere Studien mit diesem Thema beschäftigt und entsprechende Klimabilanzen aufgestellt.

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Michael Blanke von der Universität Bonn kam zu dem Ergebnis: Der weite Transport aus Übersee erhöht die CO₂-Belastung pro Kilogramm Apfel nur um etwa ein Viertel. Dafür werden die Früchte in Neuseeland in großen Plantagen mit hohem Ertrag pro Hektar effektiver produziert. Einer Studie der Universität Gießen zufolge verbrauchen Produkte aus kleinen Betrieben bis zu fünfmal so viel Energie wie Obst von der Großplantage.

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Stimmt's?

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Aber der CO₂-Fußabdruck des Apfels ist nicht alles. Um das Ganze in richtiger Perspektive zu sehen, hilft ein Blick auf die Größenordnungen: Ein niederländischer Bio-Großhändler beziffert den CO₂-Verbrauch eines Kilogramms argentinischer Bio-Äpfel mit 163 Gramm. Wer mit dem Auto einen Kilometer zum Supermarkt fährt, um dort ein Kilo Äpfel zu kaufen, der stößt etwa 300 Gramm CO₂ aus. Der Verzicht auf das Auto bringt der Umwelt in dem Fall viel mehr als der Blick aufs Herkunftsland.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. 1. Auto?

    Das Argument mit dem Auto kommt öfter bei diesen Diskussionen um Flugobst, dabei ist das doch ein Non-Sequitor. Wenn ich nun mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahre?

    Äpfel aus Neuseeland sind also um 25% umweltbelastender, was CO2 betrifft. Weniger als man intuitiv vermutet, aber immerhin. Vielleicht sollte man sowieso mehr Saisonobst und -gemüse essen, dann sieht die Bilanz bestimmt viel besser aus.

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    und natürlich fährt man mit dem Wagen nur zum Suppimarkt um sich die Äpfel zu kaufen.
    Und nimmt nicht auch noch einen Kofferaum voll mit anderen Lebensmitteln mit, auf die sich die 300g CO2 verteilen!

  2. Tüte einstecken, Hund schnappen, Spaziergang zur nächsten Fallobstwiese, Äpfel in die Tüte stecken, fertig.

    CO2 Bilanz: 0

    Problem gelöst.

    Bitte schön, sehr gerne. ;)

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    Können Sie mir noch kurz sagen, wie ich als ökologisch orientierter Kreuzberger die nächste Streuobstwiese zu Fuß am besten erreiche?
    -Merci

    Falls Sie ihrem Hund Fleischfutter geben (nass oder trocken) kommt dieser auf eine Öko-Bilanz eines Geländewagens...und das nur zu Ihrem Vergnügen, denn auf die Wiese könnten Sie auch allein gehen. Oder mit Freunden ;-)

    ist Ihnen eigentlich klar, daß Sie atmen?
    Und dabei soundsoviel Gramm CO2 ausstoßen?

    Von wegen 0.

    Dem Zeit-Forum können Sie nichts vormachen...

  3. und natürlich fährt man mit dem Wagen nur zum Suppimarkt um sich die Äpfel zu kaufen.
    Und nimmt nicht auch noch einen Kofferaum voll mit anderen Lebensmitteln mit, auf die sich die 300g CO2 verteilen!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Auto?"
  4. Das Obst, das wir im Frühjahr und Frühsommer kaufen, hat ein halbes Jahr im Kühlhaus gelegen – und das verbraucht ebenfalls eine Menge Energie.

    Und da geht's schon los - müssen wir das in Kühlhäusern lagern?
    Obst und Gemüse sind nun einmal Saisonware, nichts anderes.
    Meine Großeltern und sogar noch meine Eltern waren problemlos in der Lage, nach solchen Dingen auch mal den Speiseplan auszurichten. Und unsere Altvorderen waren auch in der Lage, Äpfel über den Winter im Keller einzulagern, ohne aktive Kühlung.

    Wir müssen uns einfach mal von dem Gedanken lösen, daß immer alles jederzeit verfügbar zu sein hat.
    Dann klappt das auch mit der CO2-Bilanz.
    Umdenken!

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    Es ist doch immer (fast) alles zu (fast) jeder Zeit verfügbar. Und das ist gut so!

    wieso immer die Erfahrungen von Früher verwerfen? Man kann schon versuchen eine Optimierung damaliger Techniken zu erreichen. Ein anständiger Keller würde schon so manches Kühlhaus überflüssig machen. Andere Haltbarkeitstechniken als das Kühlhaus sollten auch mal in Erwägung gezogen werden. Man könnte auch neue Methoden entwickeln. Ein großer Teil unserer kulinarischen Vielfalt ist dem Einfallsreichtum unserer Vorgänger zu verdanken und nicht den Erfindern des Kühlhauses. Ausserdem, der Mensch ist sehr wohl an einige Hungerzeiten gewöhnt. Mangelernährung kann man durch Aufklärung und besseres Wissen über den menschlichen Metabolismus kompensieren. Selbst heute gibt es überwiegend Mangelernährung und Verfettung. Nicht umsonst boomen doch die Fitnesscenter.

  5. Kommentator Nr. 2: Stellen Sie sich vor, das mach ich genauso, nämlich dann, wenn es Fallobst gibt: Daraus mach ich auch Apfelkompott (böse: verbrauche dabei Energie!); leider habe ich nicht genügend Lagerplatz um für den Rest des Jahres auch genug davon zu haben. Wir müssen nun mal im Winter, wenn die Natur nichts hervorbringt, essen, Haltbermachen und Vorratshaltung sind so alt wie die Menschheit.
    Nr. 4: Welcher Prozentsatz der Bevölkerung hat heute noch diesen Lagerplatz zur Verfügung (ich erinnere mich auch an total verschrumpelte Äpfel im Frühling, die gar nicht mehr gut geschmeckt haben).
    Außerdem, wer soll sich darum kümmern die Saisonware zu Hause zu konservieren und aufzubewahren, alle müssen ja erwerbstätig sein, zu Hause was tun ist ja babah! Und ganz bestimmt rechnet dann auch wieder jemand aus wie energieverschwenderisch diese ineffektive Vorratshaltung ist...
    Zum Energiesparen kann man ja auch sofort aufhören mit jeglichem Sport, das spart eine Menge menschlichen CO2-Ausstosses und es wird weniger Nahrung gebraucht...

    Nichts für ungut: es darf weiter spekuliert werden...

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    ... ich gebe mal meinen persönlichen CO2 Ablaßhandel zum Besten.

    Wenn ich öfter mal die Fallobstwiese besuche, haut das die CO2-Bilanz meiner Bananen und Mangos ganz fix wieder raus. Das Modell ist ausbaufähig! Wenn ich genug Wein beim Winzer ggü. besorge, ist die miese CO2-Bilanz von Schnuffi's Hundefutter tip top ausgeglichen.

    Nur für die verdammten Kotbeutel habe ich noch keine CO2-ausgleichende Lösung - vom Problem der Entsorgung (Hausmüll? Biotonne? Sondermüll?) mal ganz zu schweigen!

    Da ist guter Rat teuer! ;)

  6. Ich schaue auf die Herkunftsländer bei Obst/Gemüse. Heimisches/Europäisches Obst / Gemüse kaufe ich ohne grosse Unterschiede, für aussereuropäisches Obst/Gemüse muss es schon einen guten Grund geben, wie eine besondere Sorte/Geschmack.
    Afrikanische Produkte bevorzuge ich bei den ausser-europ. Produkten, weil die ja sonst kaum was zum Exportieren haben. Äpfel aus Neuseeland würde ich tendenziell nicht kaufen, weil der Mehrwert zu gering ist im Vergleich zu heimischen Konkurrenzprodukten.

    Eine Leserempfehlung
  7. Nicht nur regional sondern insbesondere auch saisonal einkaufen wie konsumieren und vieles ist möglich!

    Eine Leserempfehlung
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    Aber nicht alles was möglich ist, gerade im diskutierten Kontext, muss auch gemacht werden. Aber egal, geht Ihr weiter zur Streuobstwiese (falls mit Hund, bitte die Tüten nicht verwechseln), und ich kaufe weiterhin, was mir schmeckt und was der Supermarkt hergibt.

  8. Nun ja die Welt der Globalisierung, abgesehen von der Ökobilanz stellen sich doch insbesondere folgende Fragen:

    - Woher kommen die Waren tatsächlich (Da habe ich manchmal Zweifel an den Herkunftsangaben)
    - Zu welchen Arbeitsbedingungen wurden sie geerntet, verpackt usw. (Niedrigstlöhne, Arbeitszeiten, Kinderarbeit....?)
    - Wie sieht es mit Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus?
    (Da ist ja schon innerhalb der EU ein großer Unterschied, was erlaubt, bzw. "möglich" ist)
    - Wie sind die sonstigen Standards, Umweltbediungen bzw. Begleiterscheinungen (Bewässerung mit Nebenfolgen, oder wenn z.B. das Wasser mit Insektiziden verunreinigt wird, mit "klimaneutraler" Kühlung usw. usw.)

    Manche Dingen wollen wir lieber nicht so genau wissen. Und den größten Teil an Zertifikaten, Ökolabels usw., kann man sich schenken, bzw. diese sollen in erster Linie das Gewissen des umweltbewußten deutschen Käufers beruhigen. Nun ja, ich gebe zu meine Fragen sind etwas pessimistisch, aber ich denke weil ich Erfahrungen aus ähnlichen Branchen habe, lige ich auch nicht ganz falsch damit.

    2 Leserempfehlungen
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    Die dienen erst in zweiter Linie der Gewissensberuhigung. In erster Linie dienen sie der Geldvermehrung der Zertifizierer.

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Obst | Nachhaltigkeit | Klimaschutz | Ernährung | Verbraucherverhalten
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