TransportVon A nach B

Matthias Stolz transportiert ein Kanu von Erkner nach Fürstenberg – mit einem Mietwagen von Peugeot von 

Der Peugeot 308 in der Kombi-Variante SW

Der Peugeot 308 in der Kombi-Variante SW  |  © Hersteller

Ein Kanu sollte von Erkner in Brandenburg nach Fürstenberg in Brandenburg. Keine weite Strecke, vor allem, wenn man über die Autobahn fährt. Aber so ein Kanu ist eine große Sache. Recherche im Internet: Einen Kombi mit stabilem Dachgepäckträger braucht man, am besten einen, der an der Reling montiert ist. Leider befand sich im Privatbesitz kein solches Auto.

Rundruf bei den Autoverleihern: Sie bieten alles Mögliche zusätzlich an, Navigationsgeräte, Kindersitze, im Winter auch Skiboxen. Dachgepäckträger haben sie aber alle nicht. Gehörten die nicht mal zur Grundausstattung eines Autos? Waren die Autobahnen nach Südeuropa nicht noch vor Kurzem voller Autos, auf denen sich Reisegepäck stapelte? Ist der Dachtransport aus der Mode gekommen, weil jetzt alle so riesige Autos haben, in die man alles hineinstopft?

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Schließlich stieß ich auf Peugeot Mu, gesprochen "mü" oder auch "μ", festlegen will man sich da nicht. In 14 deutschen Städten kann man fast jedes Modell des Herstellers ausleihen, auch einen 308 Kombi mit Dachgepäckträger. Die Franzosen fahren ja kleinere Autos, vielleicht haben sie deshalb das Dach als Gepäckort nicht vergessen. Ich rüttelte am Dachgepäckträger, als hätte ich Ahnung davon. Im Baumarkt hatte ich Zurrgurte und Seile gekauft.

Ich hatte noch nie ein Kanu auf ein Autodach verladen. Der Mann, dem ich das Kanu gebraucht abkaufte, muss das gespürt haben. Er half mir, es aufs Dach zu hieven. Mit meiner Zurrtechnik aber wollte er nichts zu tun haben. Ich rüttelte am Kanu. Es bewegte sich sofort um einige Zentimeter. Ich zurrte und schnürte neu. Der Mann stieg in sein Auto und rief, bevor er davonfuhr: "Bloß nicht über die Autobahn damit!"

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Ich fuhr die ersten 500 Meter Schritttempo. Dann hielt ich. Zurrte erneut. Bald fuhr ich Tempo 30. Bald 40. Bald 50. Schneller nicht. Wir suchten die kleinsten Straßen, die der Autoatlas hergab. An Kreuzungen gewährte man uns Vorfahrt, auch wenn wir sie laut Straßenverkehrsordnung gar nicht hatten. Lag es an der guten Laune, die ein Kanu auf dem Dach verbreitet – diese Erinnerung an einen Badeausflug? Oder sah man nur die Waghalsigkeit des Unternehmens?

Die Fahrt von Mittelbrandenburg nach Nordbrandenburg dauerte etwas mehr als dreieinhalb angespannte Stunden. Und so war es, als sich endlich die Gurte lösten, als hätten wir keine Fahrt unternommen, sondern eine Reise.

Technische Daten  

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 72 kW (98 PS)
CO2-Emission: 144 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,3 Liter
Basispreis: 65 Euro/Tag
135 Euro/Wochenende
Dachgepäckträger: 5 Euro/Tag

Matthias Stolz ist Redakteur beim ZEITmagazin

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Leserkommentare
    • Peip
    • 21. Juni 2012 14:24 Uhr

    Schön dass man aus jedem persönlichen Unvermögen eine Story machen kann. Allein der Teil mit dem Stauraum: Liegt vielleicht daran, dass nicht jeder immer einen Esel im Auto mitnehmen will. Und eigentlich gut, dass die meisten Autos kleiner als ein Transit sein Lustig ist jedenfalls auch nicht geschrieben.

    Als Ergänzung etwas Sinniges:

    Man sollte beim Supermarkt einfach mal ein Set Verzurrgurte mit Ratschen einpacken, die machen alles fest

    Bei einem Boot und anderen großen Lasten muss immer die Ausrichtung beachtet werden. Wenn sich der aufgestaute Fahrwind von der Scheibe unter der Last sammelt, kann vorn der ganze Wagen abheben.

  1. Kritik ist uns willkommen, wir bitten Sie doch, diese differenziert zu formulieren und mittels Argumenten zu üben. Danke, die Redaktion/fk.

  2. War mir neu, dass man bei Peugeot Fahrzeuge mieten kann - und sogar, wie ich nun gesehen habe, neben Autos und Transportern auch Roller, Fahrräder und Pedelecs. So eines will ich demnächst meiner Tochter mal ein Wochenende mieten (15 Euro/Woche), um sie, wenigstens im Sommer, zum Umstieg auf ihrem Arbeitsweg vom Auto aufs Fahrrad zu überzeugen.

    • Peip
    • 21. Juni 2012 23:29 Uhr

    Bei allem schuldigen Respekt: Ich verstehe die Geschichte offenbar nicht.

    Inhaltlich:

    Langes sperriges Gut ist mit einem kleinen PKW schwer zu transportieren. Das ahnt jeder - auch ohne Ausflüge über die ehemalige Allgegenwart des Dachgartens. Die wohl auch daran lag, dass es damals kaum Kombis und gar keine Minivans gab.

    Die meisten Menschen mieten darum für großes Gut auch einen Lieferwagen, den es auch bei Peugeot gibt, oder einen Anhänger. Gerade für Boote gibt es soagr spezielle Anhänger, mit denen der Transport sicher und einfach geht.

    Der Autor nicht - wieso steht nicht im Text: vermutlich weil das andere teurer war. Also soll das Boot aufs Dach. Das geht dann aber eher schlecht als recht.

    Hier hätte vielleicht der Hinweis hingehört, dass man natürlich gar nicht mit einer nicht korrekt gesicherter Ladung fahrer darf - auch nicht langsam. Entweder es geht oder man darf nicht auf die Straße.

    Wenn der Text lustig - so als "Verzweifeln am Objekt" - geschrieben wäre, hätte ich es noch verstanden. Ich finde ihn nicht lustig genug zur Unterhaltung und sehe auch keinerlei Informationsgehalt.

    Und weil ich so direkt angesprochen wurde: Ich kann mir als Blattleser auch nicht vorstellen, dass es das Werk in die gedruckte Zeit geschafft hätte. Aber vielleicht irre ich ja auch und bin nur nicht in der Lade die subtile Eleganz dieses Textes zu erkennen

  3. ...wundern mich die vielen Verkehrsdurchsagen über verlorene Fahrräder,
    Kommoden, Sofas, etc., nicht mehr wirklich.
    Wie mein "Vorschreiber" schon schrieb, will ich sperriges Gut sicher transportieren gibt es die entsprechenden Transportfahrzeuge dafür.
    So naiv, für eine Kegeltour mit 10 Leuten einen VW Polo anzumieten, kann man doch gar nicht sein, auch als Journalist nicht.

  4. Besitz von Führerschein und Auto sagen nichts über die Fahrtüchtigkeit des Lenkers aus, und das ohne Alkohol!
    Für das nächste Mal, einen Taxifahrer mit Kombi holen und bei Bestellung gleich den Fahrtzweck angeben.
    Literaturhinweis, bei der BG Verkehr gibt es ein Buch über Ladungssicherung, kostet ~13 €. Jetzt braucht es nur noch Textkompetenz und etwas technisches Verständnis!

  5. ... wäre noch nachträglich ein schnuckeliges, kleines Bußgeldverfahren angebracht.

  6. Als Kanufahrer kann ich sagen: Es ist kein Problem ein Kanu (oder auch zwei) auf einem Auto zu transportieren, vorausgesetzt man hat einen Dachgepäckträger und Spanngurte (oder dünne Bergseile + Ahnung welchen Knoten man machen muss).

    (Nebenbei bemerkt: Ein Auto ist auch das teuerste am Kanufahren, ein notwendiges Zubehör sozusagen)

    Das Boot muss parallel zur Fahrtrichtung stehen, der Schwerpunkt möglichst mittig zwischen den Dachgepäckträgern.

    Vorne darf nichts überstehen, hinten muss ein roter Lappen dran (als Warnung: Hier steht was über). Im Dunkeln müsste dieser Lappen beleuchtet sein, da hilft ein kleines, leichtes Fahrradblinkie im Dauerrotmodus.

    Damit ist Autobahn auch kein Problem, auch nicht hunderte (tausende) Kilometer nach Frankreich. Wenn es regnet sollte man mal nachziehen (ein Spanngurt längt sich da gerne etwas). Ganz Ängstliche/Vorsichtige können auch das vordere und hintere Ende des Kanus/Kajaks an den beiden Abscheppösen vorne und hinten am Auto befestigen, dann bleibt das Ding auch bei einer Vollbremsung auf dem Dach.

    Fängt es an zu wackeln ab auf den nächsten Parkplatz und nachziehen, ist aber eigentlich nie der Fall. Darauf achten dass man mit dem Metallende des Spanngurtes den Lack nicht beschädigt und keine Beulen in das (geliehene) Auto macht ;)

    Wenn es regnet hilft ein Schlauch ab und zu das Wasser aus dem oben offenen Boot zu entfernen.

    Nur Wildwasserkayaks (sogenannte Rodeoboote) sind so kurz dass sie auch *in* ein Auto passen.

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  • Schlagworte Peugeot | Auto | Autobahn | Euro | Mode | Redakteur
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