Draußen blüht jetzt der Holunder. Und einige von uns haben vielleicht schöne Erinnerungen, die mit diesem speziellen Duft zusammenhängen. Man kann an die Nachmittage in Omas Garten oder an die Verstecke am Rande des Schulhofs denken (der bekannte Kindervers geht so: "Ringel, Ringel, Reihe, sind der Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, machen alle husch, husch, husch"). Früher machten die Mütter Saft aus den dunklen Beeren, den sie zur Vorbeugung gegen Schnupfen, Rheuma und allerlei anderer Krankheiten reichten. Inzwischen begegnet der Holundersaft einem im Reformhaus als Anti-Aging-Kur wieder. Auch Holunderblütentee steht im Regal; sehr gesund. An einem lauen Sommerabend sollte man die Gedanken an Falten und Fieber allerdings auch mal beiseiteschieben. Aus Holunderblüten lässt sich nämlich auch so etwas Köstliches wie ein Sirup zubereiten.

Man sucht sich dazu einen Holunderbusch an einem möglichst verkehrsarmen Ort – und kann sich ein bisschen fühlen wie René Redzepi, der dänische Sternekoch, der sich seine Zutaten in den Wäldern um Kopenhagen gern selbst zusammensucht. Die Blüten am Holunderbusch sollten schon ganz geöffnet sein.

Man schüttelt sie gut aus, um eventuelle Bewohner loszuwerden. Auf keinen Fall sollte man die Blüten waschen, sonst geht das Aroma verloren. Man gibt die Holunderblüten zusammen mit den Zitronenscheiben, dem Zucker und dem (kalten) Wasser in einen dicht schließenden Topf. Das Ganze soll für ein bis zwei Tage an einem kühlen, dunklen Ort durchziehen.

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Wenn die Flüssigkeit anfängt, nach Holunder zu duften, ist der Moment gekommen, die Blüten und die Zitronenscheiben herauszufischen. Man lässt die Flüssigkeit auf dem Herd einmal aufkochen, streut die Zitronensäure hinein und rührt, bis sich die letzten Kristalle aufgelöst haben. Dann wird der Sud durch ein mit einem Tuch ausgelegtes Sieb gegossen. Der aufgefangene Sirup sollte dann möglichst gleich in eine saubere, zuvor heiß ausgespülte Flasche gefüllt werden. So hält er sich länger, nämlich bis zu einem Jahr.

Der Sirup macht aus Mineralwasser eine interessante Schorle. Er lässt Champagner und Sekt wunderbar nach Sommer schmecken – und Wodka auch. Man sollte darauf achten, dass es ein guter Wodka ist, den man verwendet, und er sollte eisgekühlt sein. Man gibt für den Cocktail einen Teil Holunderblütensirup auf vier Teile Wodka. Schließlich kommen noch Eis und Limette hinzu.

Holunderblütensirup

15 Holunderblüten
1 in Scheiben geschnittene Bio-Zitrone
500 Gramm Zucker
1 Liter Wasser
10 Gramm Zitronensäure (aus der Apotheke)