Berliner GaslaternenDas schönste Licht ist unbezahlbar

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Eine Straßenlaterne mit Gasbeleuchtung (hinten) im direkten Vergleich zu einer umgerüsteten Straßenlaterne mit Elektroleuchte (vorne), aufgenommen in der Rheinbabenallee in Berlin-Wilmersdorf.

Eine Straßenlaterne mit Gasbeleuchtung (hinten) im direkten Vergleich zu einer umgerüsteten Straßenlaterne mit Elektroleuchte (vorne), aufgenommen in der Rheinbabenallee in Berlin-Wilmersdorf.   |  © Matthias Balk dpa/lbn

Hat Berlin keine anderen Probleme? Wer kam auf die Idee, die Gaslaternen abzuschaffen (ZEIT Nr. 23/12)? In den kommenden Jahren werden etwa 8.000 sogenannte Gasreihenleuchten abgeschafft und durch neue Elektrolaternen ersetzt. Noch in der laufenden Legislaturperiode der schwarz-roten Koalition soll dann auch die bereits beschlossene »Umrüstung« der restlichen gut 30.000 Gaslaternen in Auftrag gegeben werden. Weil das elektrische Licht viel Energie einspart – und viel billiger als das Gaslicht ist. Nur fünf Prozent des Gaslaternenbestands sollen nach der Dutzende Millionen Euro teuren Umbaumaßnahme erhalten bleiben. Doch wer hatte die Idee, das mit Schönheit ja nicht gerade geschlagene Berlin auch noch seines warmen, denkmalwürdigen Lichts zu berauben? Wer ist schuld?

Anruf bei Agnete von Specht, Geschäftsführerin von Denk mal an Berlin, einem Verein, der sich für den Erhalt der Gaslaternen einsetzt: Die geplante Abschaffung der Gaslaternen hätte wohl auch mit der Privatisierung der öffentlichen Beleuchtung zu Beginn des Jahrtausends zu tun. Den neuen Managern der Straßenlaternen ist der Betrieb der Gasleuchten wohl zu teuer. Genauer könne einem das aber Bertold Kujath erklären.

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Anruf bei Diplomingenieur Bertold Kujath: Erste Versuche, das Gaslicht abzuschaffen, habe es schon im West-Berlin der achtziger Jahre gegeben. Damals gründete sich auch die Bürgerbewegung für den Erhalt des historischen Lichts, der Verein Gaslicht-Kultur, dessen Vorsitzender Kujath ist. Die damaligen Angriffe auf das Gaslicht scheiterten. Seit Anfang der nuller Jahre habe sich dann aber vor allem die Grüne Dorothee Dubrau, die bis 2006 amtierende Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung in Berlin-Mitte und die Zuständige für die öffentliche Beleuchtung der ganzen Stadt war, an die Umsetzung der Gaslichtabschaffung gemacht. Die internationale Beratungsfirma KPMG errechnete 2006 die Unwirtschaftlichkeit der Berliner Gaslaternen. Kujath zweifelt die Zahlen der Gaslichtabschaffer an, nach seinen Berechnungen würde sich die Umrüstung der Gasreihenleuchten erst nach 17, 18 Jahren amortisieren. Zuständig für den Abriss, sagt Herr Kujath noch, sei nun Christian Gaebler von der SPD, seines Zeichens Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt und Stadtentwicklung.

Beim Warten auf den Telefontermin mit dem Staatssekretär ergibt die Recherche: Dubraus unnachgiebigster Gegner in dieser Sache war nicht etwa ein konservativer CDU-Mann aus Westberlin (wo der Großteil der Gaslaternen steht), sondern die Linke Jutta Matuschek. Doch andere witterten Morgenluft. 2008 sagte Ulrich Misgeld von der Berliner Lampenfirma Semperlux dem Tagesspiegel, dass die Beleuchtung der Stadt ein Markt mit enormen Wachstumsmöglichkeiten auch für seine Firma werden könnte.

Telefonat mit dem Staatssekretär Gaebler: Auf die Frage, wer sich die Abschaffung der Gaslaternen in Berlin ausgedacht habe, weiß auch Gaebler keine konkrete Antwort. Er selbst sei es nicht gewesen, sagt er, verteidigt die sogenannte Umrüstung aber als kostengünstig und nachhaltig. Später meldet sich noch seine Pressesprecherin: Man habe da etwas falsch verstanden, das Parlament habe die »Umrüstung« beschlossen, alles andere sei völlig irrelevant. Auf die Suche nach dem Ideengeber der Abschaffung sollen wir verzichten.

Immerhin ist der Name der Lampe, die die jetzt abgesägten Gasreihenlichter ersetzen soll, bekannt. Er lautet Jessica. Und hergestellt wird Jessica übrigens von der oben genannten Firma Semperlux, die sich inzwischen Selux nennt.

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Leserkommentare
  1. Gibt es nicht auch Elektrolaternen mit einer ähnlichen Farbtemperatur?

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    • JK68
    • 09. Juli 2012 8:20 Uhr

    Wenn ich nicht ganz falsch liege, haben Natriumdampfleuchten ein ziemlich gelbes Licht. Es ist energiesparendes System; grundsaetzlich sind viele Lichtfarben elektrisch herzustellen, von sehr kaltem weissen Licht 6500K bis hin zum warmen Licht mit Farbtemperatur 2500K.
    In letzter Zeit machen auch Dioden Lampen von sich reden, die in Haltbarkeit und Sparsamkeit eine Alternative darstellen.
    Leider bin ich nicht sicher, ob hier nun wirklich eine kostenguenstige Alternative gefunden wurde...

  2. Lektüretip: "Lügendes Licht" von Thomas Worm und Claudia Karstedt.

  3. Ich wohne in einer Seitenstrasse, die ausschliesslich mit Gaslaternen beleuchtet wird. Die Beleuchtung ist nicht ausreichend. Für Fussgänger gibt es reichlich schlecht ausgeleuchtete Ecken, in denen Stolperstellen schnell übersehen werden können. Die Lampen sind regelmässig mehrere Tage defekt, was den Einsatz einer Taschenlampe notwendig macht. Gaslaternen haben sich überlebt und gehören beseitigt.

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    • ezoo
    • 08. Juli 2012 19:55 Uhr

    "Für Fussgänger gibt es reichlich schlecht ausgeleuchtete Ecken, in denen Stolperstellen schnell übersehen werden können. Die Lampen sind regelmässig mehrere Tage defekt, was den Einsatz einer Taschenlampe notwendig macht."

    Das ist ja lachhaft. Wie oft sind Sie denn in ihrer Strasse schon hingefallen, wenn ich fragen darf? Und Sie laufen tatsächlich mit ner Taschenlampe rum, wenn mal ne Laterne ausfällt? Ist ja kaum zu glauben, auch wenn Ihre Gegend vielleicht zu den dunkelsten Orten der Stadt gehört...

    wenn Leute ihr schlichtes Empfinden allgemeinverbindlich machen wollen:

    "Gaslaternen haben sich überlebt und gehören beseitigt."

    "Ich wohne in einer Seitenstrasse, die ausschliesslich mit Gaslaternen beleuchtet wird. Die Beleuchtung ist nicht ausreichend. Für Fussgänger gibt es reichlich schlecht ausgeleuchtete Ecken, in denen Stolperstellen schnell übersehen werden können."

    Ein Wunder, dass die Menschheit angesichts solcher Umstände überleben konnte.

  4. Während viele Gemeinden ihre Beleuchtung schon auf LED umstellen gibt es in Berlin noch Gaslampen.
    Wer dieses Licht haben möchte soll es sich doch in seiner Wohnung installieren lassen und nicht auf Kosten der Allgemeinheit! Aber wozu gibt es auch einen Länderfinanzausgleich?!

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    mit dem Flughafen wird es diesen nicht mehr lange geben. Kann auch keiner mehr mit Ansehen wie unsere bescheuerte Hauptstadt Geld verpulvert...

    [...]

    Berlin ist auch Touristenstadt.
    Und Touristen kommen ganz bestimmt nicht, um in der Ferne das zu sehen, was es bei ihnen zuhause zuhauf gibt. Es geht also um sogenannte "Alleinstellungsmerkmale". Und diese Gaslaternen sind als technische Relikte sicherlich eines davon - weswegen sie auf jeden Fall erhalten bleiben sollten.

    Bitte verzichten Sie auf unsachliche und respektlose Kritik. Danke, die Redaktion/fk.

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Daran habe ich auch gedacht und es ist ein gutes Beispiel, wie sich der Dauertransfer von Geld in den Süden auswirken wird. Nur dann halt in Vielfach-XL.

    Also weg damit! Schnell!

  5. mit dem Flughafen wird es diesen nicht mehr lange geben. Kann auch keiner mehr mit Ansehen wie unsere bescheuerte Hauptstadt Geld verpulvert...

    Antwort auf "Eine Schande!"
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    meinen sie es giebt extra-geld aus dem finanzausgleich um lampen für ungefähr den haushalt des saarlandes zu bestellen oder sollen dafür ein paar schulen geschlossen werden?
    hier heizen die leute auch noch mit kohleöfen,einfach schon weil nichtmal der reiche zentralgeheitzte westen der republik sich die komplettsanierung berlins in einem rutsch leisten könnte

    • ezoo
    • 08. Juli 2012 19:55 Uhr

    "Für Fussgänger gibt es reichlich schlecht ausgeleuchtete Ecken, in denen Stolperstellen schnell übersehen werden können. Die Lampen sind regelmässig mehrere Tage defekt, was den Einsatz einer Taschenlampe notwendig macht."

    Das ist ja lachhaft. Wie oft sind Sie denn in ihrer Strasse schon hingefallen, wenn ich fragen darf? Und Sie laufen tatsächlich mit ner Taschenlampe rum, wenn mal ne Laterne ausfällt? Ist ja kaum zu glauben, auch wenn Ihre Gegend vielleicht zu den dunkelsten Orten der Stadt gehört...

  6. Ich finde die Umrüstung völlig richtig. Schließlich benutzen wir auch keine Petroleumlampen mehr in unseren Häusern, nur weil sich unsere Ur-Ur-Urgroßeltern so an deren abstoßenden Geruch gewöhnt haben. Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, sind solche Modernisierungen unumgänglich.

    • sudek
    • 08. Juli 2012 20:47 Uhr

    Die Gesamtjahresbetriebskosten einer Gasstraßenleuchte in Berlin kostet ca. 450.-€, die einer normalen Straßenleuchte ca. 80-100,-€.

    Wenn die Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Straßen die Differenz der Betriebskosten - ca. 300.-€ persönlich zahlen, könnte man doch nichts dagegen haben.

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    die Folgekosten der brutalen Ökonomisierung aller Lebensbereiche sind überhaupt nicht abschätzbar.

    Kaltes Licht fördert Aggression, verdrängt Muße("..allen Geistes Anfang"(Franz Werfel)) - kurzum es trennt Menschen. Was offensichtlich erwünscht ist, um sie besser manipulieren zu können.

    Die rapide Zunahme psychischer Störungen resp. Depressionen - alles egal. Profit geht über Leichen.

    Für einen kurzen Moment dachte ich, Sie zitierten eine Rechenaufgabe aus längst vergangenen Zeiten.

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