BerufsbilderDem Hirn beim Fühlen zusehen

Psychiater arbeiten als Ärzte an der Schnittstelle von Körper und Seele. von Alexandra Werdes

Was unterscheidet den Psychiater vom Psychologen?

Der Psychiater hat Medizin studiert und macht danach den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; der Psychologe hat Psychologie studiert und kann dann eine Psychotherapeutenausbildung anschließen. Weil Psychiater Ärzte sind, dürfen sie ihren Patienten auch Medikamente verschreiben, die auf den Hirnstoffwechsel einwirken und die Symptome von psychischen Störungen abmildern. Aber auch die Sichtweise ist eine andere. »Psychologen schauen bei der Behandlung stärker auf Faktoren wie Erziehung und Umwelt, während der Psychiater mehr organische Faktoren wie Gene und Gehirn miteinbezieht«, fasst es Peter Falkai zusammen, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). »Das heißt aber nicht, dass Psychiater mit den Patienten nicht reden – die Ausbildung ist so ausgelegt, dass der Psychiater therapeutisch beides beherrscht.« Als Arzt muss er außerdem von Blutbild über EEG bis Computertomografie die ganze Breite der Diagnosemethoden anwenden können. »Bei der Hälfte der Patienten ist die psychische Erkrankung mit einer somatischen verbunden – oder umgekehrt«, sagt Falkai. »Deshalb muss ich als Psychiater auch einen Vitaminmangel, eine Diabetes oder die Ursache für Herzklabastern erkennen.«

Wie wird man Psychiater?

Auf sechs Jahre Medizinstudium folgt eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Davon arbeitet man mindestens drei auf verschiedenen psychiatrischen Stationen. Ein Jahr Neurologie gehört auch dazu. Neben der medizinischen Akutversorgung und der psychotherapeutischen Behandlung sollen angehende Psychiater auch die sozialpsychiatrischen Aspekte einer gestuften Versorgung kennenlernen – also die Probleme im sozialen Umfeld ihrer Patienten mitberücksichtigen und sie beim Übergang in einen »normalen« Alltag begleiten.

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Wo arbeiten Psychiater?

In der eigenen Praxis oder in der Klinik. Zunehmend werden an Allgemeinkrankenhäusern psychiatrische Abteilungen aufgebaut, die eng mit den somatischen zusammenarbeiten. Klassischerweise findet man die Psychiatrie aber immer noch an großen Fachkliniken, meist den ehemaligen Landeskrankenhäusern. Der Arbeitsalltag gestaltet sich sehr unterschiedlich, je nachdem, ob ein Psychiater auf einer »geschützten«, also geschlossenen Aufnahmestation arbeitet, wo Patienten meist kurzfristig stabilisiert werden, oder auf einer offenen Station, wo Patienten mehrere Wochen bleiben und ein Therapieprogramm mitmachen. Außerdem gibt es Institutsambulanzen und Tageskliniken, in denen Patienten manchmal über Jahre begleitet werden.

Leserkommentare
  1. "<em>....Der Psychiater arbeitet in den meisten Faellen nach "trial and error" Methode...</em>"

    Wobei er dann den Gründen für die Symptome der psychischen Störung auf den Grund kommt ?
    So ist der Anfang des Textes ja angelegt. Ist das nun das Theodizeproblem oder die Sterkreizeichen, oder Tarot bedingd, was als stets "wahrer" Grund anzunehmen ist.
    Bei uneinigkeit, einfach den aktuellen Papst fragen, der Psychologie studier.

    Hauptsache es bleibt unlösbar. Vielleicht nicht immer für den Patienten, so er an einen Psychater gerät, aber der Psychologe brauchts unlösbar.
    Sicher gibt es auch ganz andere, die brauchen nicht mal Akupunktur! Die meiste seriöse Psychologie ist ja nur ernster betriebene "Verhaltenskunde". Also weit weg von dem was "Medien" auch als <em>Pawlowsche Spielerei</em> zur Kundenbindung betreiben.

    Antwort auf "Psychiater"
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    Sie scheinen keine Ahnung von dem zu haben, was Sie da schreiben. Ein Psychologie-Studium ist kein Esoterik-Studium.
    Sie verbinden wohl Psychologie eher mit Psychoanalyse, die auch unter Psychologen nicht wirklich unumstritten ist.
    Dass es auch psychologische Fachgebiete wie biologische, allgemeine oder Neuropsychologie gibt, die in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden sind, scheint Ihnen fremd zu sein.
    Die wissenschaftliche Psychologie arbeitet auch nicht nach Gutdünken, sondern im Wesentlichen empirisch.

  2. Die Facharztausbildung zum Psychiater dauert, wie im Artikel erwähnt, 5 Jahre, davon 1 Jahr auf einer neurologischen Station, 2 Jahre auf einer psychiatrischen Station sowie 2 Jahre in ambulanten Einrichtungen. Was Sie da also von 200 Stunden schreiben, mag auf einen Teilaspekt zutreffen (z.B. die Balint-Gruppen), aber Sie stellen das ganze hier so dar, als wäre der Facharzt für Psychiatrie mal eben so im vorbeigehen zu erlangen, und das stimmt einfach nicht.

    Antwort auf "Psychiater"
  3. 'Viele studieren Psychologie zur Eigen-Therapie'
    in schweden ist es plicht eigentherapie zu betreiben. da es schnell passiert das ein klient in dem therapeuten gleiche muster anspricht und einen behandlungsvortschritt dadurch erschwert.

    der nachteil der teraphieformen durch psychiatrie u
    teilweise der psychologie ist oft die abhängigkeit von medikamentierung

    Antwort auf "[...] Psychologen"
  4. Einen Abriss in Biochemie genießen auch Psychologiestudenten bereits im Grundstudium im Rahmen allgemeiner und Bio-Psychologie.
    Tatsächlich belegen Studien, dass ein Psychologiestudium primär entweder durch eigene psychische Probleme oder durch solche aus dem sozialen Umfeld motiviert ist. Das birgt den Vorteil gegenüber "von vorne herein psychisch Gesunden", dass sich damit ein besonderes Einfühlungsvermögen entwickelt, das in einem so verantwortungsvollen Beruf wie des psychologischen Psychotherapeuten so wichtig ist. Leider lassen viele Psychiater solche Eigenschaften vermissen - allerdings haben Psychiater in der Regel eine höhere Kompetenz, was pathologische Diagnostik angeht.

    Antwort auf "[...] Psychologen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Tatsächlich belegen Studien, dass ein Psychologiestudium primär entweder durch eigene psychische Probleme oder durch solche aus dem sozialen Umfeld motiviert ist."

    Verlinken Sie doch bitte mal auf diese Studien.

    Schön, dass man in den Kommentaren zu einem Artikel, der primär das Berufsfeld der Psychiater umreißt, gleich mal wieder alle Klischees über Psychologiestudenten nachlesen kann.

    Ja, es gibt ein paar [...], die meinen, bloß weil sie ein Einser-Abi haben, müssen sie jetzt auch ein Fach mit hohem N.C. studieren. Oder die "was mit Menschen", oder noch schlimmer, "helfen" wollen.

    Ein geringer Prozentsatz meint tatsächlich, mithilfe eines Psychologiestudiums eigene Probleme therapieren zu können. Sie können sich aber sicher sein, dass diese Personen i.d.R. das Studium gar nicht bewältigen, jedenfalls wenn tatsächlich ernsthafte psychische Probleme vorliegen.

    Im übrigen ist das Studium rein von seinen Inhalten her überhaupt nicht zur Selbsttherapie geeignet.

    Bitte verzichten Sie auf eine Wortwahl, die Personengruppen herabwürdigt. Danke, die Redaktion/fk.

  5. Nicht zu vernachlässigen:

    Die Psychologie stammt von der Philosophie, die Psychiatrie von der Medizin. Das legt nahe, dass Psychologen die "Suche nach der Wahrheit" höher gewichten, während Psychiater die pathologische Diagnostik in den Vordergrund stellen. Erfahrungsgemäß kommt das bei den jeweiligen Professionen auch zum Ausdruck: Wo Psychologen eher eine sensiblere Mentalität - kombiniert mit großer gedanklicher Flexibilität - zeigen, arbeiten Psychiater in der Regel "härter", ökonomischer und diagnostisch zielgerichteter. Kurz: Psychologen sind eher "psycho-somatisch" ausgerichtet, Psychiater eher "somato-psychisch".

    • kokko
    • 22. Juli 2012 13:08 Uhr

    ritalin wird auch an normale gehirne vertickt (dann aber meist nicht von ärzten, außer man kann ihnen was vorspielen und sie verschreibens) um die konzentrations und aufnahmefähigkeit zu erköhen so zB an universitäten zu prüfungszeiten...

    Antwort auf "Ritalin"
  6. werden!
    Denn zum einen sollten die beiden Berufsgruppen eindeutig kenntlich gemacht werden und dies soll sich dann auch in der Berufsordnung widerspiegeln.
    Desweiteren sollten bei Fehlverhalten diese Berufsgruppen besonders hart zur Rechenschaft gezogen werden, da sie ja eine angebliche schluesselposition einnehmen.
    Zudem sollte man auch ganz klar ueberpruefbare Regeln einfuehren, die diese Berufsgruppen in bestimmten Abstaenden ueberprueft und auch massregelt.
    Desweiteren sollten diese Berufsgruppen auch im Strafvollzug regelmaessig unter die Lupe genommen werden und gegebenenfalls mit rechtlichen Konsequenzen belegt und geahndet werden! Zudem sollte dieser berufsgruppe keine herausgehobene Position zukommen, da sich hier eine Mischung aus Drueckerberger und auch allzu gefaelligkeit vermischen kann!

  7. manche Zusammenhaenge aufklaeren, die in dem Artikel nicht erwaehnt wurden! Manche Psychologen stellen sich als Unterschriftenkenner da und sehen selbst nicht, dass sie damit eine Kompetenzueberschneidung begehen, die sie im rechtlichen Kontext in eine Art kumpanei setzt, die rechtlich gesehen eine intrige ist! Dadurch wird klar, dass das Feld des psychologen mehr reguliert werden muss, da sonst der Begriff der Vorteilsnahme und des Betruges in den handlungsweisen zu sehen ist!
    Dadurch wird wiederum klar, dass kein mensch ueber eine Anderen urteilen darf!

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    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

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