Saudi-Arabien"Sie wollen sich zeigen, aber können es nicht"

Ein Gespräch mit der Fotografin Olivia Arthur über ihr Bild der saudi-arabischen Frau

ZEITmagazin: In Ihrem Buch Jeddah Diary sieht man unverschleierte saudische Frauen rauchend, trinkend, tanzend, tätowiert und gepierct. Bilder, die die Welt so noch nicht von Saudi-Arabien kennt. Die Bilder sind nicht ungefährlich, deshalb haben Sie die Gesichter unkenntlich gemacht. Es ist, als läge ein weißer Schleier über ihnen.

Olivia Arthur: Ja. Von einer Party auf einem Privatgelände war ich wirklich schockiert. Ich kam mir vor wie auf einer Feier in East London: Alle tanzten, schwitzten, Frauen und Männer küssten sich, tranken Alkohol, obwohl das verboten und sehr teuer ist, eine Flasche Wodka kostet 200 Dollar. Da musste ich sehr vorsichtig mit der Kamera sein. Das ist wirklich illegal. Ich habe dann diese Technik entwickelt, habe meine Bilder ausgedruckt und unter grellem Licht abfotografiert. So entsteht dieser weiße Schleier. Ich habe sie den Frauen gezeigt. Sie waren begeistert, sagten aber: "Kannst du nicht die Augen ein wenig mehr zeigen, damit man sieht, wie schön sie sind?" Sie wollen sich zeigen, aber können es nicht. Dieser Widerspruch bleibt.

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ZEITmagazin: Saudi-Arabien ist ein Land, von dem kaum Bilder existieren, ein Land hinter dem Schleier. Ein unwiderstehlicher Reiz für eine Fotografin?

Arthur: Fotos von etwas zu machen, das du nicht zeigen darfst, war für mich als Westlerin eine sehr neue Art zu denken. Saudi-Arabien ist so ein einzigartiges, widersprüchliches Land.

ZEITmagazin: Im Westen wird alles gezeigt, in Saudi-Arabien wird alles verhüllt. Zwei gegenteilige Bildkonzepte.

Arthur: In Saudi-Arabien ist es verboten, Frauen zu fotografieren, aber auf der anderen Seite wollen sie sich auch zeigen. Sie sind in Sozialen Netzwerken und senden mit ihren Blackberrys in den Einkaufscentern Textnachrichten an Männer, die sie nicht kennen.

ZEITmagazin: Wie sind Sie überhaupt nach Saudi-Arabien gelangt? Es ist schwer, ein Visum zu bekommen, und Touristen gibt es keine.

Arthur: Das erste Mal wurde ich 2009 vom British Council eingeladen, um in Dschidda einen Fotografie-Workshop zu geben, nur für Frauen. Ich habe sie rausgeschickt, um Fotos zu machen. Sie konnten machen, was sie wollten. Überall, wo ich hinkam, sagten die Frauen zu mir, sie würden gern mitmachen. Die Saudis sind verrückt nach Fotos.

ZEITmagazin: Dabei ist es für Frauen in Saudi-Arabien "haram", also verboten, ihr Gesicht auf einem Bild zu zeigen.

Arthur: Ja, dieser Widerspruch ist typisch. Du darfst keine Fotos machen, aber alle wollen es. Eine meiner Schülerinnen wollte ausländische Arbeiter fotografieren. Sie wohnen in ganz bestimmten Vierteln. Sie ist dort hingegangen, abends, allein. Das war sehr mutig von ihr. Einmal wurde sie dann von der Polizei mitgenommen.

ZEITmagazin: Weil sie fotografiert hatte?

Arthur: Es war einfach ungewöhnlich, dass sich eine saudische Frau an so einem Ort abends allein aufhält. Ich habe sie dann gefragt: "Und, wirst du noch mal hingehen?" Das wollte sie. Das hat mich beeindruckt. Eine andere Schülerin machte Bilder von ihrer Cousine in einem Fitness-Studio. Die Bilder waren nicht besonders heikel, sie trug einen Ganzkörperanzug. Aber ihre Tante fand die Bilder, regte sich sehr auf und konfiszierte die Kamera und den Laptop. Das Mädchen durfte nicht weitermachen.

Leserkommentare
  1. Bringt es die Welt weiter, wenn sie unverhüllte saudi arabische Frauen sieht?
    Es gibt genug arabische Frauen auf der Welt, die sich freizügig zeigen.

    Aber das grössere Problem bei solchen Artikeln ist, dass man diese Frauen auf ihre Verhüllung=Unterdrückung(?) reduziert.
    Orientalische Frauen, die gerne ihre Augen und noch mehr zeigen und die nur beten und sich verschleiern, weil es die anderen von ihnen erwarten, ansonsten aber bei jeder Gelegenheit die Verbote des (bösen) İslam missachten.
    Schwache, einzig ihre Weiblichkeit ausspielende saudische Frauen.

    Was ist mit denen, die trotz immensen Hürden wichtige Positionen besetzen und wirklich für die Freiheit der Geschlechtsgenossinen kaempfen? Aber eben nicht die Freiheit, die der Westen als die 'Richtige' zeichnet, welche die im İnterview beschriebenen Frauen leichtsinnig als Emanzipation erklaeren, wo sie doch einzig eine Rolle erfüllen. Eine Rolle die fein inszeniert dafür sorgt, dass saudische Maenner totz der offiziellen Verbote ihre Triebe befriedigen und eingelullt von Wollust, nicht auf die İdee kommen die vorhandene 'Ordnung' anzuzweifeln.
    Oder glaubt einer ernsthaft, dass o.g. Partys von der Religionspolizei unentdeckt bleiben?

    Bildung und damit einhergehende Achtung ist die wirkliche Emanzipation für jede Frau auf der Welt. Reduziert man den Mensch auf seinen Körper, verliert jede Frau auf der Welt. Da gewinnt nur der Mann...in jeder Hinsicht!

    Schöne Freiheit!

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

    • xpeten
    • 28.06.2012 um 23:59 Uhr

    Ein typisches Argument von Leuten, die Unrechtsregime unterstützen und befürworten - wofür ja nie viele Gründe infrage kommen.

    In einem Land, das gerade massiv gegen mögliche Freiheitsbestrebungen aufrüstet,

    in dem Frauen gnadenlos und unmenschlich hart bestraft und verfogt werden, wenn sie nur den von einer rückständigen, religiös-fundamentalistischen Männergesellschaft verordneten Schleier lüften,

    in dem sich Frauen gegen den Willen der Männer weder politisch betätigen, noch arbeiten, noch sonst etwas dürfen, ja, nicht einmal Autofahren,

    wird wohl kaum unterschieden werden müssen, um welche Art der Freiheit genau es sich bei der handelt,

    die ihnen gerade verweigert wird.

    Dumpfe Haarspalterei, mit dem Ziel, diktatorische Regime und in mittelalterliche Sitten bezüglich Frauenrechte schönzureden,

    aus Gründen, die man lieber gar nicht kennen möchte.

    Freie Menschen unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Freiheiten, es gibt nur eine Freiheit, und die universal.

    • RGFG
    • 29.06.2012 um 0:08 Uhr

    Bringt es die Welt weiter, wenn sie etwas sieht, das existiert, das sie aber bislang nicht gesehen hat? Meistens ja.

    Was hätte mir ein Artikel gebracht, der von den "wirklich wichtigen" Frauen handelt, die für die "wirkliche Freiheit" kämpfen? Sicher auch etwas - aber da ich jetzt einen Eindruck habe, dass sich die Frauen einerseits als zufrieden bezeichnen, andererseits aber scheinbar irgendwie 'ausbrechen' wollen, würde mir ein Artikel über die "wirklich wichtigen" Frauen jetzt etwas mehr bringen, weil ich jetzt einen Eindruck davon habe, vor welchen Schwierigkeiten die wirklich stehen.

    Insofern liefert mir dieser Artikel, und würde es vermutlich auch das Buch, etwas mehr Hintergrund für eine ganz andere Geschichte. Und ja - ich würde sagen, das hat zumindest mich jetzt weitergebracht.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

    • xpeten
    • 28.06.2012 um 23:59 Uhr

    Ein typisches Argument von Leuten, die Unrechtsregime unterstützen und befürworten - wofür ja nie viele Gründe infrage kommen.

    In einem Land, das gerade massiv gegen mögliche Freiheitsbestrebungen aufrüstet,

    in dem Frauen gnadenlos und unmenschlich hart bestraft und verfogt werden, wenn sie nur den von einer rückständigen, religiös-fundamentalistischen Männergesellschaft verordneten Schleier lüften,

    in dem sich Frauen gegen den Willen der Männer weder politisch betätigen, noch arbeiten, noch sonst etwas dürfen, ja, nicht einmal Autofahren,

    wird wohl kaum unterschieden werden müssen, um welche Art der Freiheit genau es sich bei der handelt,

    die ihnen gerade verweigert wird.

    Dumpfe Haarspalterei, mit dem Ziel, diktatorische Regime und in mittelalterliche Sitten bezüglich Frauenrechte schönzureden,

    aus Gründen, die man lieber gar nicht kennen möchte.

    Freie Menschen unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Freiheiten, es gibt nur eine Freiheit, und die universal.

    • RGFG
    • 29.06.2012 um 0:08 Uhr

    Bringt es die Welt weiter, wenn sie etwas sieht, das existiert, das sie aber bislang nicht gesehen hat? Meistens ja.

    Was hätte mir ein Artikel gebracht, der von den "wirklich wichtigen" Frauen handelt, die für die "wirkliche Freiheit" kämpfen? Sicher auch etwas - aber da ich jetzt einen Eindruck habe, dass sich die Frauen einerseits als zufrieden bezeichnen, andererseits aber scheinbar irgendwie 'ausbrechen' wollen, würde mir ein Artikel über die "wirklich wichtigen" Frauen jetzt etwas mehr bringen, weil ich jetzt einen Eindruck davon habe, vor welchen Schwierigkeiten die wirklich stehen.

    Insofern liefert mir dieser Artikel, und würde es vermutlich auch das Buch, etwas mehr Hintergrund für eine ganz andere Geschichte. Und ja - ich würde sagen, das hat zumindest mich jetzt weitergebracht.

  2. ist es wichtig zu erwähnen, dass Deutschland Bundespolizisten nach Saudi Arabien entsendet, um u.a. die Religionspolizei zu schulen.

    Hier ein aktuelles Video von "Fakt":
    http://www.welt.de/newsti...

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    Antwort auf "Warum das alles?"
    • xpeten
    • 28.06.2012 um 23:59 Uhr

    Ein typisches Argument von Leuten, die Unrechtsregime unterstützen und befürworten - wofür ja nie viele Gründe infrage kommen.

    In einem Land, das gerade massiv gegen mögliche Freiheitsbestrebungen aufrüstet,

    in dem Frauen gnadenlos und unmenschlich hart bestraft und verfogt werden, wenn sie nur den von einer rückständigen, religiös-fundamentalistischen Männergesellschaft verordneten Schleier lüften,

    in dem sich Frauen gegen den Willen der Männer weder politisch betätigen, noch arbeiten, noch sonst etwas dürfen, ja, nicht einmal Autofahren,

    wird wohl kaum unterschieden werden müssen, um welche Art der Freiheit genau es sich bei der handelt,

    die ihnen gerade verweigert wird.

    Dumpfe Haarspalterei, mit dem Ziel, diktatorische Regime und in mittelalterliche Sitten bezüglich Frauenrechte schönzureden,

    aus Gründen, die man lieber gar nicht kennen möchte.

    Freie Menschen unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Freiheiten, es gibt nur eine Freiheit, und die universal.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum das alles?"
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    Beschreiben Sie sie mir?

    Aber vorher lesen Sie meinen Kommentar bitte nochmal durch!

    An welcher Stelle des Textes meinen Sie erkannt zu haben, dass ich Unrechtsregime befürworte und auch noch unterstütze?
    Sie machen es sich sehr einfach!
    Dass saudische Frauen Auto fahren, sich politisch betaetigen und arbeiten dürfen sollten, steht für mich ausser Frage.

    Kommen Sie, diskutieren wir hier auch mal über die Freiheit der westlichen Frau.

    'Ein typisches Argument von Leuten, die Unrechtsregime unterstützen und befürworten - wofür ja nie viele Gründe infrage kommen.'

    Das war İhre Antwort auf folgenden meiner Saetze

    'Die Freiheit, wie sie der Westen als die richtige sieht'

    Der Westen gibt gar keine Gründe an um Unrechtsregime wie Saudi Arabien zu unterstützen. Er tut es einfach und massiv.
    Lesen Sie aktuelle Nachrichten dann wissen Sie es.

    Bei so viel Doppelmoral wird mir schlecht.

    Beschreiben Sie sie mir?

    Aber vorher lesen Sie meinen Kommentar bitte nochmal durch!

    An welcher Stelle des Textes meinen Sie erkannt zu haben, dass ich Unrechtsregime befürworte und auch noch unterstütze?
    Sie machen es sich sehr einfach!
    Dass saudische Frauen Auto fahren, sich politisch betaetigen und arbeiten dürfen sollten, steht für mich ausser Frage.

    Kommen Sie, diskutieren wir hier auch mal über die Freiheit der westlichen Frau.

    'Ein typisches Argument von Leuten, die Unrechtsregime unterstützen und befürworten - wofür ja nie viele Gründe infrage kommen.'

    Das war İhre Antwort auf folgenden meiner Saetze

    'Die Freiheit, wie sie der Westen als die richtige sieht'

    Der Westen gibt gar keine Gründe an um Unrechtsregime wie Saudi Arabien zu unterstützen. Er tut es einfach und massiv.
    Lesen Sie aktuelle Nachrichten dann wissen Sie es.

    Bei so viel Doppelmoral wird mir schlecht.

  5. Die Männer fliegen nach Dubai um sich zu amüsieren, nach Marrakesch und Tanger. Sie besorgen sich Prostituierte oder heiraten Frauen in Marokko. Sie betrinken sich, sie spenden Geld, sie sind verrückt, sie beten, sie spielen eine Rolle.

    In Saudi-Arabien kann man sich betrinken, Sex haben, Party feiern, sofern man ein wenig Macht hat oder in irgendeiner Form der Familie Saud Nahe steht.

    Für alle anderen drohen für diese Vergehen drakonische Strafen, insofern ist es ein ungerechtes System.

    Die Anzahl an Drogensüchtigen in Saudi Arabien ist auch nicht zu unterschätzen.

  6. .. wird hier Frauen verboten das Kopftuch im Beruf zu tragen, die Beschneidung der Jungen wird unter Strafe gestellt, man geht gegen Koranverteilungen vor und Schächten steht auch unter Strafe, wider besseren Wissens.

    Eine Leserempfehlung
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    Fast wäre ich wirklich darauf reingefallen, dann habe ich gemerkt, dass Freitag ist.

    Falls Sie das jetzt aber wirklich ernst meinen, dann bitte ich Sie, dieses "bessere Wissen" doch kurz mit uns zu teilen. Denn mir sind die Vorteile von Verstümmelung von Kindern und qualvollem Mord an Tieren noch nicht ganz klar.

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Fast wäre ich wirklich darauf reingefallen, dann habe ich gemerkt, dass Freitag ist.

    Falls Sie das jetzt aber wirklich ernst meinen, dann bitte ich Sie, dieses "bessere Wissen" doch kurz mit uns zu teilen. Denn mir sind die Vorteile von Verstümmelung von Kindern und qualvollem Mord an Tieren noch nicht ganz klar.

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • RGFG
    • 29.06.2012 um 0:08 Uhr

    Bringt es die Welt weiter, wenn sie etwas sieht, das existiert, das sie aber bislang nicht gesehen hat? Meistens ja.

    Was hätte mir ein Artikel gebracht, der von den "wirklich wichtigen" Frauen handelt, die für die "wirkliche Freiheit" kämpfen? Sicher auch etwas - aber da ich jetzt einen Eindruck habe, dass sich die Frauen einerseits als zufrieden bezeichnen, andererseits aber scheinbar irgendwie 'ausbrechen' wollen, würde mir ein Artikel über die "wirklich wichtigen" Frauen jetzt etwas mehr bringen, weil ich jetzt einen Eindruck davon habe, vor welchen Schwierigkeiten die wirklich stehen.

    Insofern liefert mir dieser Artikel, und würde es vermutlich auch das Buch, etwas mehr Hintergrund für eine ganz andere Geschichte. Und ja - ich würde sagen, das hat zumindest mich jetzt weitergebracht.

    2 Leserempfehlungen
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    Der Artikel regt, wie es hier geschieht, zum Nachdenken an.
    Die Fotoserie bringt gar nichts. Sie dient einzig der Schaulust und verdeckt den Blick auf das wirkliche Problem.

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    Die Fotoserie bringt gar nichts. Sie dient einzig der Schaulust und verdeckt den Blick auf das wirkliche Problem.

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