GesellschaftskritikÜber Piraten-Kluft

Politiker empören sich über die bunten Haare und kurzen Hosen der Piraten. Spießig? Im Gegenteil, denn ein Abgeordneter sollte nun mal kein Clown seiner Peergroup sein.

Muss man die Piraten sympathisch finden? Wahrscheinlich ja, zumindest wenn man es für seine zeitgenössische Pflicht hält, einem Trend aufgeschlossen gegenüberzustehen. Hat man sich indes eine gewisse Unbefangenheit gegenüber den Wucherungen des Zeitgeistes bewahrt, wird man vielleicht dem SPD-Politiker Tom Schreiber zustimmen, der sich über den modischen Auftritt der Piraten im Berliner Landtag mit den Worten beschwerte: »Seitdem die Piraten da sind, verfallen die optischen Sitten, das ist unwürdig.«

Manche werden wahrscheinlich seine Empörung über bunt gefärbte Haare, grelle Logos und Shorts an Männerbeinen spießig finden – und noch spießiger seine Parteigenossin Corinna Gödecke, Vizepräsidentin des nordrhein-westfälischen Landtages, die den Piraten als parlamentarischen Mindeststandard vorschlug, Männer sollten »zumindest ein Jackett tragen«, bei Frauen »die Schultern bedeckt sein« und beide Geschlechter auf lustige Kopfbedeckungen verzichten.

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Tatsächlich sind in diesem Falle jedoch nicht die Sozialdemokraten die Spießer. Es ist gerade umgekehrt: Spießig ist der Mangel an Geschmack, Tradition und Respekt – und noch spießiger, diesen Mangel zum Maßstab der individuellen Befreiung zu erklären. Die Piraten haben sich mit ihrem Auftritt in den Parlamenten genau als die entwurzelten Kleinbürger gezeigt, die sie sind. Davon gibt es schon eine Menge, wenn nicht Mehrzahl in Deutschland; es komme also niemand auf die Idee, die Piraten für originell zu halten.

Gesellschaftskritik
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Nun lassen sich Tradition und Geschmack natürlich nicht einklagen, wohl aber Respekt vor dem Parlament und vor der Rolle eines Abgeordneten. In der repräsentativen Demokratie gibt es kein imperatives Mandat, das den Abgeordneten an seine Wähler bindet; er hat sich im Gegenteil zu einem gewissen Maße von seinem Milieu zu lösen und das Wohl des ganzen Landes zu bedenken. Dazu passt es nicht, als Clown seiner Peergroup aufzutreten. Es muss ja nicht gleich der Dreiteiler sein, aber das eine oder andere Teil aus dem Bestand der konventionellen Garderobe könnte doch helfen, Distanz zum eigenen Milieu zu gewinnen.

Andersherum gesagt: Der Piraten-Politiker, der immer weiter als Computernerd auftritt, zeigt damit, dass er keine Verantwortung übernehmen will, sondern sich nur als Führer einer Pressuregroup von chipsknuspernden Raubkopierern versteht, die im Parlament mit etwas klotzen möchten, womit sie an der heimischen Tastatur sonst nur kleckern und krümeln können.

 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte ausschließlich für Ihre eigenen argumentativen Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • TNE
    • 29.06.2012 um 11:27 Uhr

    ... nur leider ein wenig tendenziös.

    Der Mangel an Geschmack, Tradition und Respekt vor dem Parlament ging im Falle des nordrhein-westfälischen Landesparlaments wohl weniger von der Piratenfraktion aus, als von der 2010-12 stellvertrenden Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Andrea Milz, die wohl seit Jahren durch sehr, sehr originelle Outfits von sich reden macht.

    Strickpullis, die wie Geschwüre aussehen, lachsfarbene Bauchtanzoutfits, Kopfbedeckungen, die irgendwelchen Felsgipfeln nachempfunden sind, irisierendes Makeup, Federn im Haar:

    http://tinyurl.com/d8u4v44
    http://www.suedtangente.d...
    http://www.andrea-milz.de...

    Corinna Gödeckes Order ("die Schultern bedeckt", "Verzicht auf lustige Kopfbedeckungen") bezog sich wohl hauptsächlich auf die Milz'schen Outfits.

    Kann man in Milz' Fall behaupten, daß sie als Clown ihrer Peergroup auftritt, sofern man annimmt, daß die Peergroup CDU heißt? Oder hat sie gar, als einzige Abgeordnete in ganz Deutschland, den Mut aufgebracht, sich von ihrem Milieu zu lösen?

    Was passiert, wenn ein entwurzelter Kleinbürger beschließt, mit den Großbürgern mithalten zu wollen, die das große Geld über große Tische schieben, große Parties schmeißen, große Zigarren rauchen, große Summen für ihre Anzüge ausgeben und in großen Häusern leben, durften wir in der deutschen Politik schon mehrfach erleben.

    Ich würde daher davor warnen, Äußerlichkeiten in einer Weise überzubewerten, wie Herr Jessen es hier tut.

    68 Leserempfehlungen
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    • Thems
    • 30.06.2012 um 17:00 Uhr

    Man darf auch nicht vergessen, dass es zwischen "angepasst sein" und "auffallen wollen" ein breites Spektrum steckt.

    Ich mag die Piraten, aber ihr Argument, Äußerlichkeiten zählen nicht, sondern es kommt auf den Inhalt an, führen sie ad absurdum, wenn sie sich so kleiden, dass sie durch ihr Äußeres mehr auffallen als durch inhaltliche Aussagen. Auf die Spitze getrieben könnte man sogar fragen, ob sie von ihren eigenen Inhalten durch seltsame Kleidung ablenken wollen.

    Ich finde, es muss nicht immer Anzug sein. So ein legeres Outfit, wie es Bernd Schlömer häufig trägt, reicht vollkommen aus, um ernstgenommen zu werden.

    • th
    • 30.06.2012 um 22:19 Uhr

    und die Haare des Herrn Piraten im Titel würden nur dann wirklich provozieren, wenn sie "schwarz-rot-gold" gefärbt wären.

    Denn das ginge gar nicht!

    Entfernt. Bitte blieben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

    • Thems
    • 30.06.2012 um 17:00 Uhr

    Man darf auch nicht vergessen, dass es zwischen "angepasst sein" und "auffallen wollen" ein breites Spektrum steckt.

    Ich mag die Piraten, aber ihr Argument, Äußerlichkeiten zählen nicht, sondern es kommt auf den Inhalt an, führen sie ad absurdum, wenn sie sich so kleiden, dass sie durch ihr Äußeres mehr auffallen als durch inhaltliche Aussagen. Auf die Spitze getrieben könnte man sogar fragen, ob sie von ihren eigenen Inhalten durch seltsame Kleidung ablenken wollen.

    Ich finde, es muss nicht immer Anzug sein. So ein legeres Outfit, wie es Bernd Schlömer häufig trägt, reicht vollkommen aus, um ernstgenommen zu werden.

    • th
    • 30.06.2012 um 22:19 Uhr

    und die Haare des Herrn Piraten im Titel würden nur dann wirklich provozieren, wenn sie "schwarz-rot-gold" gefärbt wären.

    Denn das ginge gar nicht!

    Entfernt. Bitte blieben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

  2. doch ein wenig an den Herren im Turnschuh ,was ja damals revolutionär war
    mit den Jahren werden auch Piraten altersmild und behäbig ,dem passt sich dann auch das äußere Erscheinungsbild an

    8 Leserempfehlungen
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    • Elite7
    • 01.07.2012 um 14:56 Uhr

    dass diese Absatztreter und Anzüge tag ein, tag aus, doch ziemlich unbequem werden können ;) Das würde sich, abgesehen von konservativen Berufen, wie Bänker oder Versicherungskaufmann, keiner antun. Da ist auch der springende Punkt: Konservative können sich ja gerne kleiden, wie sie wollen, ich möchte mich nicht so anziehen müssen. Und wenn sich die Leute so sehr vom Äußeren ablenken lassen, dann muss man ihnen wohl Dummheit unterstellen, außer Konservativen tut das nämlich niemand.

    • Elite7
    • 01.07.2012 um 14:56 Uhr

    dass diese Absatztreter und Anzüge tag ein, tag aus, doch ziemlich unbequem werden können ;) Das würde sich, abgesehen von konservativen Berufen, wie Bänker oder Versicherungskaufmann, keiner antun. Da ist auch der springende Punkt: Konservative können sich ja gerne kleiden, wie sie wollen, ich möchte mich nicht so anziehen müssen. Und wenn sich die Leute so sehr vom Äußeren ablenken lassen, dann muss man ihnen wohl Dummheit unterstellen, außer Konservativen tut das nämlich niemand.

    • Thems
    • 30.06.2012 um 17:00 Uhr

    Man darf auch nicht vergessen, dass es zwischen "angepasst sein" und "auffallen wollen" ein breites Spektrum steckt.

    Ich mag die Piraten, aber ihr Argument, Äußerlichkeiten zählen nicht, sondern es kommt auf den Inhalt an, führen sie ad absurdum, wenn sie sich so kleiden, dass sie durch ihr Äußeres mehr auffallen als durch inhaltliche Aussagen. Auf die Spitze getrieben könnte man sogar fragen, ob sie von ihren eigenen Inhalten durch seltsame Kleidung ablenken wollen.

    Ich finde, es muss nicht immer Anzug sein. So ein legeres Outfit, wie es Bernd Schlömer häufig trägt, reicht vollkommen aus, um ernstgenommen zu werden.

    11 Leserempfehlungen
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    Ich teile die Meinung von TNE, gebe Ihrem Einwand jedoch durchaus recht.

    Allerdings möchte ich ergänzen, dass es doch sehr darauf ankommt, auf was man die Aufmerksamkeit legt bzw. wo sie verbleibt.
    Es liegt dann mMn. eher beim Rezipienten, wenn er dem Paradiesvogel auf inhaltlicher Ebene keine Chance gibt, nur weil dieser in sein Bild von Seriosität nicht passt. Dies ist nämlich eine Weltsicht, die glaubt, dass man nur im richtigen Outfit seriös sein kann, nur mit der richtigen Frisur etc. und die ignoriert, dass es auf inhaltlich-sachlicher Ebene keinen Unterschied macht, ob ich die Inhalte meiner Arbeit im Anzug oder im T-Shirt präsentiere.

    Eine vernünftige Einstellung ist mMn. vor allem an der Arbeit bzw. der Sache an sich orientiert und gibt zunächst allen die gleichen Chancen. Wenn der Paradiesvogel Quatsch erzählt nehme ich ihn nicht ernst, wenn der Yuppie Quatsch erzählt nehme ich ihn nicht ernst. Ich behindere aber meinen Versuch, die vorgestellten Inhalte möglichst objektiv-unvoreingenommen zu bewerten selbst, wenn ich mich an solchen Äußerlichkeiten aufhänge, ohne mich dann weiter mit der inhaltlich-sachlichen Ebene auseinander zu setzen.

    Mich selbst zwingt ja keiner, genauso rumzulaufen, ich pers. würde auch eher einen Anzug bevorzugen, aber ich würde meinem Gegenüber nicht die Kompetenz absprechen wollen, nur weil er meine Vorliebe nicht teilt. Dafür bin ich wohl zu sehr an der eigentlichen Arbeit interessiert und nicht an irgendwelchen Standesdünkeln.

    • Hickey
    • 01.07.2012 um 12:34 Uhr

    Äußerlichkeiten ablenken lässt übersieht das wesentliche.

    Gilt erst recht für jeden Anzugträger :)

    Ich teile die Meinung von TNE, gebe Ihrem Einwand jedoch durchaus recht.

    Allerdings möchte ich ergänzen, dass es doch sehr darauf ankommt, auf was man die Aufmerksamkeit legt bzw. wo sie verbleibt.
    Es liegt dann mMn. eher beim Rezipienten, wenn er dem Paradiesvogel auf inhaltlicher Ebene keine Chance gibt, nur weil dieser in sein Bild von Seriosität nicht passt. Dies ist nämlich eine Weltsicht, die glaubt, dass man nur im richtigen Outfit seriös sein kann, nur mit der richtigen Frisur etc. und die ignoriert, dass es auf inhaltlich-sachlicher Ebene keinen Unterschied macht, ob ich die Inhalte meiner Arbeit im Anzug oder im T-Shirt präsentiere.

    Eine vernünftige Einstellung ist mMn. vor allem an der Arbeit bzw. der Sache an sich orientiert und gibt zunächst allen die gleichen Chancen. Wenn der Paradiesvogel Quatsch erzählt nehme ich ihn nicht ernst, wenn der Yuppie Quatsch erzählt nehme ich ihn nicht ernst. Ich behindere aber meinen Versuch, die vorgestellten Inhalte möglichst objektiv-unvoreingenommen zu bewerten selbst, wenn ich mich an solchen Äußerlichkeiten aufhänge, ohne mich dann weiter mit der inhaltlich-sachlichen Ebene auseinander zu setzen.

    Mich selbst zwingt ja keiner, genauso rumzulaufen, ich pers. würde auch eher einen Anzug bevorzugen, aber ich würde meinem Gegenüber nicht die Kompetenz absprechen wollen, nur weil er meine Vorliebe nicht teilt. Dafür bin ich wohl zu sehr an der eigentlichen Arbeit interessiert und nicht an irgendwelchen Standesdünkeln.

    • Hickey
    • 01.07.2012 um 12:34 Uhr

    Äußerlichkeiten ablenken lässt übersieht das wesentliche.

    Gilt erst recht für jeden Anzugträger :)

  3. auch besser, wenn Abgeordnete wie Banker aussehen.

    Dann muss sich niemand mehr wunder.

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    Richtig.
    Der Bürger hat panische Angst vor zerlumpten Taschendieben, die ihm seine Pfennige stibitzen könnten.
    Steht aber die organisierte Kriminalität, in edlen Zwirn umwebt und sich gesittet artikulierend, vor der Forte, wird diese freundlich herein gebeten, ihnen Hab und Gut überschrieben...

    Richtig.
    Der Bürger hat panische Angst vor zerlumpten Taschendieben, die ihm seine Pfennige stibitzen könnten.
    Steht aber die organisierte Kriminalität, in edlen Zwirn umwebt und sich gesittet artikulierend, vor der Forte, wird diese freundlich herein gebeten, ihnen Hab und Gut überschrieben...

    • Oyamat
    • 30.06.2012 um 17:11 Uhr

    Zitat: "Die Piraten haben sich mit ihrem Auftritt in den Parlamenten genau als die entwurzelten Kleinbürger gezeigt, die sie sind. Davon gibt es schon eine Menge, wenn nicht Mehrzahl in Deutschland; es komme also niemand auf die Idee, die Piraten für originell zu halten."

    Wenn die Mehrheit genau das ist, also sogenannte "netwurzelte Kleinbürger" - ist es dann überraschend, daß sie auch unter den "gewählten Volksvertretern" zu finden sind? Man könnte sogar vermuten, daß sie über kurz oder lang auch dort die Mehrheit werden.

    Und was "Geschmack, Tradition und Respekt" angeht, sind die unter den "gewählten Volksvertretern" doch schon lange nicht mehr zu finden. Sachliche Auseinandersetzungen wurden durch Beleidigungen und Parteiquerelen ersetzt, Tradition hat allenfalls noch das Hand-Aufhalten und die Entgegennahme von Vorteilen und kleinen schwarzen Köfferchen, und Respekt hat man da offenbar nur noch vor Leuten, die in der Lage sind, mindestens ein paar Milliarden täglich zu verbrennen.

    Dann doch lieber Leute mit quietsch-orangenen Haaren, Piercings im Gesicht und zerissenen Hosen, die dafür in der Kommunikation ihre Tradition sehen und die den "Souverän" (d.h. die Bürger) und das Grundgesetz respektieren. Mit anderen Worten: sollen sie doch auf die Äußerlichkeiten sch***, damit muß ohnehin jeder von uns leben, solange sie in der Sache ernsthaft und hart bleiben.

    MGv Oyamat

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    Der Artikel frönt fröhlich der Meinungsfreiheit in Worten und spricht sie den Piraten in der äußerlichen Erscheinung gleichzeitig ab. Man könnte da ein kleines Ungleichgewicht in Sachen Gleichberechtigung feststellen - gut vorstellbar, dass Befürworter an dieser Stelle nun schreien, die Piraten selbst träten Gleichberechtigung mit Füßen, indem sie sich dem Dresscode widersetzen und sich eine optische Sonderstellung einräumen. Aber, ganz ehrlich - wollen wir wirklich in so einer Welt leben? In der Kleidung immer noch derart wichtig ist? Sind wir nicht weiter gekommen? Es sollte egal sein, dass sie aus der Parlamentsmode ausbrechen, genauso sollte es imagetechnisch völlig irrelevant sein, wenn die Piraten auf einmal begännen sich konform zu kleiden.

    Artikel wie diese lassen befürchten, dass wir eben nicht weiter gekommen sind. Gehen wir also einmal davon aus, Herr Jessen hat zumindest darin recht, dass die Kleidungsfrage von enormer Wichtigkeit ist, so sehe ich da doch eine Gedankenlücke:
    Der heranwachsenden Generation, da bin ich mir sicher, kommen die klassischen, stets dezent farblich von ihrer Umgebung abgesetzten Kostüme der Frau Merkel mit einiger Sicherheit deutlich ulkiger vor als Shorts und Logo-Shirts. Ich glaube kaum, dass das Kostüm hier mehr "Authentizität" vermittelt, das tut für einen Großteil der Wähler von Morgen wohl eher der Piratenlook. Und: glaubhaft, echt, das sind doch genau die Attribute, die Parlamentsabgeordnete am allerbesten kleiden, oder nicht?

    Der Artikel frönt fröhlich der Meinungsfreiheit in Worten und spricht sie den Piraten in der äußerlichen Erscheinung gleichzeitig ab. Man könnte da ein kleines Ungleichgewicht in Sachen Gleichberechtigung feststellen - gut vorstellbar, dass Befürworter an dieser Stelle nun schreien, die Piraten selbst träten Gleichberechtigung mit Füßen, indem sie sich dem Dresscode widersetzen und sich eine optische Sonderstellung einräumen. Aber, ganz ehrlich - wollen wir wirklich in so einer Welt leben? In der Kleidung immer noch derart wichtig ist? Sind wir nicht weiter gekommen? Es sollte egal sein, dass sie aus der Parlamentsmode ausbrechen, genauso sollte es imagetechnisch völlig irrelevant sein, wenn die Piraten auf einmal begännen sich konform zu kleiden.

    Artikel wie diese lassen befürchten, dass wir eben nicht weiter gekommen sind. Gehen wir also einmal davon aus, Herr Jessen hat zumindest darin recht, dass die Kleidungsfrage von enormer Wichtigkeit ist, so sehe ich da doch eine Gedankenlücke:
    Der heranwachsenden Generation, da bin ich mir sicher, kommen die klassischen, stets dezent farblich von ihrer Umgebung abgesetzten Kostüme der Frau Merkel mit einiger Sicherheit deutlich ulkiger vor als Shorts und Logo-Shirts. Ich glaube kaum, dass das Kostüm hier mehr "Authentizität" vermittelt, das tut für einen Großteil der Wähler von Morgen wohl eher der Piratenlook. Und: glaubhaft, echt, das sind doch genau die Attribute, die Parlamentsabgeordnete am allerbesten kleiden, oder nicht?

  4. Inhaltlich wäre dem tatsächlich zuzustimmen wenn, ja wenn da nicht so viele Phrasen des Klassenkampfes aufgewärmt würden.

    Der Kleinbürger ist wenig mehr als die versuchte Denunziation des durchschnittlichen Bewohners dieses Landes. Er wurde vom Adel geprägt um sich selbst zu überhöhen und sich seine gesellschaftliche Stellung zu erhalten. Ein Kleinbürger ist bedeutungsgleich mit der Mittelschicht - aber damit könnte man den Artikel wohl nicht so inszenieren.

    Der Spießer kommt aus der gleichen Richtung und wurde ebenfalls vom Adel geprägt mit der Absicht, den normalen Bewohner als etwas minderwertiges klingen zu lassen.

    Interessant ist auch die Beobachtung, dass der Autor "Respekt vor dem Parlament und vor der Rolle eines Abgeordneten" einfordert, sich dann aber nicht zu blöd ist einen Abgeordneten als "Clown" zu bezeichnen. Ist das etwa Respekt vor dem Parlament, lieber Jens Jessen? Sie lassen vor allem gutbürgerliche Sitten vermissen, wie etwa Respekt vor dem Mitmenschen. Die Redaktion würde Ihren Kommentar mit Hinweis auf die Netiquette entfernen.

    Nein, dem Inhalt des Artikels wäre zuzustimmen wenn es die richtige Begründung für ein sittliches, optische Auftreten liefern würde, nämlich damit der Abgeordnete ernst genommen wird da einem Ähnliches einfach sympathischer ist als Fremdes.

    Sympathische Texte verwenden deswegen auch normale Worte, nicht Kampfbegriffe einer abgeschafften Klasse. Es sei denn er macht sich absichtlich zum Büttel des gefühlten Großbürgertums.

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    Bis zu diesem Punkt gebe ich Ihnen ja recht:

    "Nein, dem Inhalt des Artikels wäre zuzustimmen wenn es die richtige Begründung für ein sittliches, optische Auftreten liefern würde, nämlich damit der Abgeordnete ernst genommen wird da einem Ähnliches einfach sympathischer ist als Fremdes."

    Aber dann frage ich mich: gehts noch? Was ist denn hier im Forum los? Wer definiert denn bitte was optische Sitten sind? Und wer bitte hat festgeschrieben, dass jemand aufgrund seines Äußeren ein ernst zu nehmendes, sympathisches auftreten/Image hat? Und zu guter Letzt: Was gibt Ihnen das Recht zu behaupten, dass zB die Aufmachung macnher Piraten dies grundsätzlich nicht sein kann?

    Unfassbar was hier für rückständige Meinungen geäußert werden (Am meisten natürlich im Artikel)

    So lange hat es gedauert, dass die Menschen sich freier entfalten konnten, der Irokese in der Schule nicht verboten wird und man im Bundestag mit seinen Händen machen kann was man will ohne das Wort erboten zu bekommen. Jetzt, wo dies persönliche Freiheit da ist, wünschen sich einige die 50er wieder. O tempora, o mores? Ich würde in dem Fall lieber mal das Augenmerk auf echten Sittenverfall lenken, wenn zB jemand der illegale Spenden von WAFFENhändlern annimmt und dann Finanzminister wird, ist was faul mit den Sitten. Oder wenn eine "christliche" Regierung meint, dass man den Eltern eine Anerkennung ihrer Erziehungsleistung zukommen lassen muss, aber arme Menschen von dieser Anerkennung ausgeschlossen werden!

    Bravo. Richtig.

    Bis zu diesem Punkt gebe ich Ihnen ja recht:

    "Nein, dem Inhalt des Artikels wäre zuzustimmen wenn es die richtige Begründung für ein sittliches, optische Auftreten liefern würde, nämlich damit der Abgeordnete ernst genommen wird da einem Ähnliches einfach sympathischer ist als Fremdes."

    Aber dann frage ich mich: gehts noch? Was ist denn hier im Forum los? Wer definiert denn bitte was optische Sitten sind? Und wer bitte hat festgeschrieben, dass jemand aufgrund seines Äußeren ein ernst zu nehmendes, sympathisches auftreten/Image hat? Und zu guter Letzt: Was gibt Ihnen das Recht zu behaupten, dass zB die Aufmachung macnher Piraten dies grundsätzlich nicht sein kann?

    Unfassbar was hier für rückständige Meinungen geäußert werden (Am meisten natürlich im Artikel)

    So lange hat es gedauert, dass die Menschen sich freier entfalten konnten, der Irokese in der Schule nicht verboten wird und man im Bundestag mit seinen Händen machen kann was man will ohne das Wort erboten zu bekommen. Jetzt, wo dies persönliche Freiheit da ist, wünschen sich einige die 50er wieder. O tempora, o mores? Ich würde in dem Fall lieber mal das Augenmerk auf echten Sittenverfall lenken, wenn zB jemand der illegale Spenden von WAFFENhändlern annimmt und dann Finanzminister wird, ist was faul mit den Sitten. Oder wenn eine "christliche" Regierung meint, dass man den Eltern eine Anerkennung ihrer Erziehungsleistung zukommen lassen muss, aber arme Menschen von dieser Anerkennung ausgeschlossen werden!

    Bravo. Richtig.

  5. Herr Jessen wollte (oder sollte) was über die Piraten schreiben, und weil er als feiner Qualitätsjournalist sich zu fein ist, sich mit Inhalten zu befassen, zieht er über die Klamotten her. So kann man sich das Leben als Qualitätsjournalist leicht machen.

    Marie von Ebner-Eschenbach hat einmal gesagt: "Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders kleiden."

    Die Frau starb 1916. Wir haben 2012. Leider hat sich wohl seitdem nichts geändert. Zumindest nicht bei den Qualitätsjournalisten der Zeit.

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    and das Problem mit den Gammlern. Tja so wie Gutti können halt nicht alle "wirken".

    • eeee
    • 30.06.2012 um 19:05 Uhr

    kann auf das Denken gleich verzichten. Das klappt auch mit Stickern, bedruckten T-Hemden und Nasenringen.

    and das Problem mit den Gammlern. Tja so wie Gutti können halt nicht alle "wirken".

    • eeee
    • 30.06.2012 um 19:05 Uhr

    kann auf das Denken gleich verzichten. Das klappt auch mit Stickern, bedruckten T-Hemden und Nasenringen.

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