Betreuung"Das bedeutet für Kinder Stress"

Was ist besser für die Kleinen – Eltern oder Kita? Das rät die Psychologin.

DIE ZEIT: Frau Ahnert, wie schädlich ist es, Kleinkinder in einer Kita betreuen zu lassen?

Lieselotte Ahnert: Im ersten Lebensjahr, das zeigen die Untersuchungen der Bindungsforschung eindeutig, ist der intensive Kontakt zur Mutter oder zu einer anderen Bezugsperson entscheidend, damit Kinder sich gesund und normal entwickeln. Die allermeisten Eltern gehen mit dieser Lebensphase aber auch sehr verantwortungsvoll um. Weniger als fünf Prozent der Kinder werden in diesem Alter nicht von den Eltern betreut.

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ZEIT: Wie sieht es bei den Zweijährigen aus?

Lieselotte Ahnert

ist Professorin für Entwicklungspsychologie in Wien

Ahnert: In diesem Alter wird das Spielen mit anderen Kindern zwar wichtiger, aber die Bindung zu einer Person ist trotzdem extrem wichtig. Kinder brauchen einen vertrauten Erwachsenen, meistens ist es die Mutter, der sie in ihrer Neugier auf die Welt bestätigt, auf sie eingeht und viel mit ihnen spricht. Unsere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Eltern, die ihr Kind in der Krippe unterbringen, dies auch leisten, weil sie in der verbleibenden Zeit umso intensiver mit ihren Kindern zusammen sind.

ZEIT: Können Erzieher diese Rolle übernehmen?

Ahnert: Wir haben mehrere Studien durchgeführt, in denen wir beobachtet haben, inwieweit einjährige Kinder auch zu einer Erzieherin eine enge Bindung aufbauen. Es zeigte sich, dass sich die Kinder nach einer Eingewöhnungszeit darauf freuten, mit ihren Erzieherinnen zusammen zu sein, dass sie sich auf sie gern einließen, sogar Freude am körperlichen Kontakt hatten und oft den Blickkontakt suchten, wenn sie unsicher waren und sich rückversichern wollten. Insofern war das Ergebnis eindeutig: Ja, im Prinzip kann auch zu Erziehern eine Bindung entstehen. Damit so eine Bindung entstehen kann, muss aber viel Zeit für die Zuwendung sein, die jedes einzelne Kind in ganz unterschiedlichen Situationen auch ganz unterschiedlich braucht. Alles andere bedeutet für das Kind Stress.

ZEIT: Wie wichtig ist die Ausbildung? Oft heißt es, bei Kleinkindern komme es weniger auf Pädagogik an als auf eine Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit.

Leserkommentare
    • drusus
    • 09.07.2012 um 22:21 Uhr

    das mit Hitler. Ich würde aber ungern so einen Ausnahmeverbrecher in diese Diskussion einbauen.
    Allerdings ist ja fast täglich zu hören, das psychische Erkrankungen bei Jugendlichen deutlich zunehmen. Diese Jugendlichen sind in aller Regel nicht in die Krippe gegangen. Die Krippe nimmt ja erst in den letzte fünf Jahren in den alten Bundesländern an Fahrt auf. Auch würde mich ein Bezug zur Jugendkriminalität interessieren. Die These, dass die Mutter nur durch Gebärfahigkeit immer das Beste für ihr Kind ist, möchte ich stark bezweifeln.
    Ich glaube eher, dass Bildungsstand und soziale Stellung der Mütter/Väter einen wesentlichen Einfluss auf das Kind haben, ob mit oder ohne Krippenbetreuung.Ausnahmen gibt es bestimmt!

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    Das ist keine These, sondern von Alice Miller beschriebene Tatsache, veröffentlicht unter dem Titel: " Am Anfang war Erziehung" - nur falls es Sie interessiert.

    Einer meiner besten Freunde schickte seine Tochter schon mit 16 Monaten in eine Kindergruppe - mit erstaunlich positivem Ergebnis! Seine ältere Tochter (jetzt 12) hätte deutlich schlechter darauf reagiert.

    Es gibt keine generelle Lösung für den Umgang mit Menschen, auch nicht mit kleinen Menschen.

    Das ist keine These, sondern von Alice Miller beschriebene Tatsache, veröffentlicht unter dem Titel: " Am Anfang war Erziehung" - nur falls es Sie interessiert.

    Einer meiner besten Freunde schickte seine Tochter schon mit 16 Monaten in eine Kindergruppe - mit erstaunlich positivem Ergebnis! Seine ältere Tochter (jetzt 12) hätte deutlich schlechter darauf reagiert.

    Es gibt keine generelle Lösung für den Umgang mit Menschen, auch nicht mit kleinen Menschen.

  1. Das ist keine These, sondern von Alice Miller beschriebene Tatsache, veröffentlicht unter dem Titel: " Am Anfang war Erziehung" - nur falls es Sie interessiert.

    Einer meiner besten Freunde schickte seine Tochter schon mit 16 Monaten in eine Kindergruppe - mit erstaunlich positivem Ergebnis! Seine ältere Tochter (jetzt 12) hätte deutlich schlechter darauf reagiert.

    Es gibt keine generelle Lösung für den Umgang mit Menschen, auch nicht mit kleinen Menschen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Interessante These,"
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    • drusus
    • 09.07.2012 um 22:46 Uhr

    ... es gibt nicht DIE Lösung. Ich habe nie etwas anderes behauptet.

    • drusus
    • 09.07.2012 um 22:46 Uhr

    ... es gibt nicht DIE Lösung. Ich habe nie etwas anderes behauptet.

    • Medley
    • 09.07.2012 um 22:41 Uhr
    27. @balsam

    "Ich persönlich wollte immer, dass meine Eltern glücklich sind."

    Naja, mal eine neue Perspektive. Kinder haben dafür zu sorgen, dass Eltern glücklich sind. Mutmaßlich hat wohl auch das Volk Sorge dafür zu tragen, dass die Regierung glücklich ist? Frau Merkel ist unglücklich? Na, da gebt euch mal ein bisschen mehr Mühe, damit Angela Hosenanzug nicht immer soviel weinen muss. Ich weiß natürlich, Herr/Frau Balsam wie sie das meinen. Kinder wollen, dass ihre Eltern mit ihnen zufrieden sind, damit sie selbst wiederum akzeptiert und wiedergeliebt werden, denn ohne Eltern sind Kinder aufgeschmissen, nur generell sind halt Eltern vornehmlich für Kinder da und nicht umgekehrt. Aber das meinten sie ja auch.

    Antwort auf "So so"
    • drusus
    • 09.07.2012 um 22:46 Uhr

    ... es gibt nicht DIE Lösung. Ich habe nie etwas anderes behauptet.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "@ drusus"
    • Medley
    • 09.07.2012 um 22:49 Uhr

    "Danke Frau Ahnert, dass Sie mich als verantwortungslos bezeichnen, weil ich meine Kinder schon während des ersten Lebensjahres in die Kita gebe."

    Der Richter, der darüber entscheidet, ob sie sich verantwortungslos ihren Kinder gegenüber verhalten haben, dass ist nicht Frau Ahnert, oder ich, oder sonstewehr, sondern dass sind ihre Kinder selbst. Spätestes mit Beginn der Pubertät werden sie so oder so ein Urteil darüber fällen und sie werden es von ihnen erfahren, ob es ihnen nun gefällt oder nicht.

    Antwort auf "Danke Frau Ahnert ..."
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    • drusus
    • 09.07.2012 um 23:07 Uhr

    ...gern der Richter!

    • drusus
    • 09.07.2012 um 23:07 Uhr

    ...gern der Richter!

    • Petka
    • 09.07.2012 um 22:51 Uhr

    ... und der Stress, den das für die anderen zwei oder drei Kinder bedeutet, wenn eine weitere fremde Person herumspringt wird völlig ausgeklammert?

    Irgendwo hat da wohl der Pragmatismus bei dieser Antwort versagt.

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    Das scheint mir häufig nicht der Fall zu sein. Man gewöhnt ein Kind über den Zeitraum von 4 Wochen ein. Erst bleibt man mit dem Kind eine halbe Stunde,irgendwann eine Stunde. Nur, wenn es gut läuft, geht man nach ein paar Tagen für 15 Minuten aus dem Raum usw.

    Meine Tochter ist mit 12 Monaten in eine Krippe mit 14 Kindern und 3 Erziehern gekommen. Es klappt sehr gut, worüber ich froh bin. Wenn ich madamchen gegen 14-15 Uhr hole, verbringe ich den Nachmittag und frühen abend intensiv nur mit ihr. Mein Mann und ich beobachten intensiv, ob sie das gut wegsteckt.
    Ich verstehe dieses Polarisieren nicht. Das gibt es in der Art nirgendwo außer in Deutschland.

    Das Wichtigste ist sich die Qualität der verbrachten Zeit. Ich bin sehr sicher, dass genügend Kinder zu Hause bleiben die Mutter/Vater/Oma und sich nicht nur intensiv mit den Kindern beschäftigt.

    Das scheint mir häufig nicht der Fall zu sein. Man gewöhnt ein Kind über den Zeitraum von 4 Wochen ein. Erst bleibt man mit dem Kind eine halbe Stunde,irgendwann eine Stunde. Nur, wenn es gut läuft, geht man nach ein paar Tagen für 15 Minuten aus dem Raum usw.

    Meine Tochter ist mit 12 Monaten in eine Krippe mit 14 Kindern und 3 Erziehern gekommen. Es klappt sehr gut, worüber ich froh bin. Wenn ich madamchen gegen 14-15 Uhr hole, verbringe ich den Nachmittag und frühen abend intensiv nur mit ihr. Mein Mann und ich beobachten intensiv, ob sie das gut wegsteckt.
    Ich verstehe dieses Polarisieren nicht. Das gibt es in der Art nirgendwo außer in Deutschland.

    Das Wichtigste ist sich die Qualität der verbrachten Zeit. Ich bin sehr sicher, dass genügend Kinder zu Hause bleiben die Mutter/Vater/Oma und sich nicht nur intensiv mit den Kindern beschäftigt.

  2. "Es gibt keine generelle Lösung für den Umgang mit Menschen, auch nicht mit kleinen Menschen."

    Daher sollten Entscheidungen immer von der individuellen Persönlichkeit und der Entwicklung des Kindes und gleichermaßen von den sozialen und familialen Umständen abhängig gemacht werden.

    Da ein Betreuungsgeld als externer Anreiz jedoch die Entscheidungsfindung beeinflussen kann, ist es gleichwohl abzulehnen.

    2 Leserempfehlungen
  3. "Die Versorgungsehe gibt es nicht mehr und das ist auch gut so.[...] Die Frauen in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit hatten einfach das Pech, dass die Familie von einem Gehalt leben konnte. So waren sie nicht gezwungen, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen." schreiben Sie.
    Das ist so nicht richtig. Zum einen mußten auch damals schon viele Frauen arbeiten, weil ein Gehalt nicht reichte. Zum anderen war es so, dass es vielen Frauen nicht erlaubt wurde zu arbeiten. Das hat mit einer freiwilligen Entscheidung oder einem "Privileg" nichts zu tun.
    Und dann sollte nicht der Fehler gemacht werden, das Hausfrauendasein der Nachkriegszeit mit dem Heutigen gleichzusetzen.
    Nach wie vor brauchen Kinder Eltern. Eltern, die auch mal Zeit haben und nicht immer nur zwischen Arbeit und Kita hin und her jonglieren müssen, um zu klären, wer das Kind denn betreut, wenn es hustet oder fiebert.
    Ich erlebe gerade im Verwandtenkreis, was Eltern abverlangt wird. Wo dann die Oma einen Teil ihres Jahresurlaubs nehmen muß, weil die Arbeitgeber kein Verständnis für fiebernde Kinder der eigenen Angestellten haben.
    Warum wünschen sich Eltern Kinder, wenn sie diese nicht selber versorgen wollen? Oder sich weigern den Partner zu versorgen, damit das Kleinkind von der Mutter/ dem Vater betreut werden kann?

    4 Leserempfehlungen
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    • drusus
    • 09.07.2012 um 23:11 Uhr

    Auch Ihnen stimme ich zu. Das Problem ist vielschichtig.
    Wir brauchen eine veränderte Unternehmenskultur und verbindliche gesetzliche Regelungen bei Erkrankung des Kindes.

    • drusus
    • 09.07.2012 um 23:11 Uhr

    Auch Ihnen stimme ich zu. Das Problem ist vielschichtig.
    Wir brauchen eine veränderte Unternehmenskultur und verbindliche gesetzliche Regelungen bei Erkrankung des Kindes.

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