Theaterleiter Jürgen Schitthelm: "Wir hatten alle keine Ahnung von Wirtschaft"
Jürgen Schitthelm, seit 50 Jahren Direktor der Berliner Schaubühne, über sehr prekäre Zeiten
ZEITmagazin: Herr Schitthelm, heutige Karriereplaner würden Sie als unflexibel und immobil bezeichnen – 50 Jahre lang waren Sie Direktor der Berliner Schaubühne.
Jürgen Schitthelm: Da kann ich nicht widersprechen. Ich war 23, als wir 1962 die einmalige Chance hatten, ein Theater zu gründen. Da wir schon in der ersten Spielzeit mit kritischer Aufmerksamkeit von der Berliner Presse begleitet wurden, stellte sich mir die Frage nach einem Wechsel an andere Bühnen trotz jahrelanger finanzieller Schwierigkeiten nicht. Aber auch die Treue zu den künstlerischen Mitstreitern hat mich abgehalten, auf Angebote anderer Städte zu reagieren.
ZEITmagazin: Wodurch hatten Sie sich denn als 23-Jähriger fürs Theater qualifiziert?
73, ist in Berlin geboren. Seine Jugend verbrachte er im Ostteil der Stadt, in den fünfziger Jahren ging er nach West-Berlin, wo er Theaterwissenschaft studierte. 1962 gründete er die Schaubühne, seit den siebziger Jahren eines der bedeutendsten deutschen Theater. Als einer von zwei Direktoren kümmerte er sich um die Berufung des künstlerischen Leiters und die Finanzen. Jetzt gibt er seine Position ab
Schitthelm: Ich hatte mit zwölf Jahren im Theater der Freundschaft in Ost-Berlin, dem Kindertheater der DDR, das Stück einer russischen Autorin gesehen, das am Beispiel eines Jungen die Geschichte der Schwarzen in den Südstaaten behandelte. Das Ganze war ziemlich tendenziös, aber mich hat diese Geschichte emotional so getroffen, dass ich von da ab unbedingt zum Theater wollte. Über Freunde meiner Eltern hatte ich dann Zugang zum Berliner Ensemble gefunden und besuchte schon als 15-Jähriger die Proben dort. Zuerst die Schule schwänzend, dann mit Genehmigung zweier Lehrer, die selber theaterbegeistert waren.
ZEITmagazin: Wie sah Ihr nächster Schritt auf dem Weg zur Theaterkarriere aus?
Schitthelm: Ich hatte die Aufnahmeprüfung für die Theaterschule Leipzig gemacht und bestanden. Aber damals war es noch so, dass die Schule zum Studium delegierte. Da hieß es nun: Wie kommen Sie dazu, sich einfach zu bewerben? Sie wissen doch, das Lehrerkollektiv entscheidet, und wir lehnen das ab. Ich beschloss dann, mein Abitur noch einmal in West-Berlin abzulegen, um an der Freien Universität studieren zu können. Gleichzeitig habe ich aber weiter am BE, dem Berliner Ensemble, Statisterie gemacht und über die Jahre eine Menge Erfahrungen gesammelt.






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