Schulinspektion : Mein Zeugnis für die Schule

Als Schulinspektor unterwegs: Alle fünf Jahre prüfen staatliche Experten, wie der Unterricht ist. Unser Autor Martin Spiewak war als Ehrenamtlicher in Berlin dabei.

Sei nicht so streng, hat meine Frau morgens beim Abschied gesagt. Sie meinte es spöttisch und tippte dabei auf das Namensschild an meinem Jackett. Den Lehrern der Berliner Spree-Schule*, denen ich mich kurze Zeit später vorstelle, ist nicht zum Scherzen zumute. Unsicher und skeptisch schauen sie, als ob sie nichts Gutes zu erwarten haben.

Normalerweise sind sie es, die Leistungen beurteilen, Fehler anstreichen und Noten vergeben. Heute und morgen aber werden die Lehrer selbst bewertet. Vier Schulinspektoren prüfen die Qualität des Unterrichts, testen die Führungsqualitäten der Schulleitung, fragen nach der Zufriedenheit der Eltern. Selbst der Zustand der Toiletten bleibt ihnen nicht verborgen. Drei der Prüfer sind Mitarbeiter der Berliner Schulbehörde. Der vierte bin ich: Vater zweier Grundschüler, Elternsprecher, Redakteur der ZEIT und seit Neuestem ehrenamtlicher »Schulinspektor«. So steht es auf dem Namensschild am Revers.

Seit dem schlechten Abschneiden beim ersten internationalen Pisa-Test fahnden staatlich bestellte Kontrolleure in den Schulen nach Stärken und Schwächen. Das Instrument des Schul-TÜV kennt man mittlerweile jedoch fast überall in Deutschland (siehe Seite 38). Die Inspekteure sollen dem jeweiligen Kollegium einen Spiegel vorhalten und den Lehrern Anstöße geben, ihre Schule zu verbessern. In einigen Bundesländern wie in Berlin klopfen die Gutachter bereits zum zweiten Mal ans Schultor. Nur hier jedoch dürfen bildungsinteressierte Bürger bei der Inspektion dabei sein.

Kann man als Außenstehender in zwei Tagen tatsächlich den kleinen Kosmos einer Schule erfassen? Lohnt der Aufwand, mit dem die Kultusministerien in Niedersachsen, Hamburg oder Berlin große Kontrollapparate aufgebaut haben? Und was bringt es den Lehrern, Schülern und Eltern konkret, wenn sie am Ende ein gutes oder schlechtes Zeugnis in den Händen halten?

Fünf Abende lang wurde ich zum Inspektor geschult. Ich erfuhr, was man in Berlin unter gutem Unterricht versteht (»individualisiert«) und wie ein Inspektor während der Begutachtung auftreten sollte (»freundlich, aber distanziert«). Wir lernten, wie man eine Elternbefragung auswertet und dass man statt von den »Schwächen« einer Schule pädagogisch korrekt besser von deren »Verbesserungspotenzial« spricht. Wer bei den Schulungen mehr als einmal fehlte, musste nachsitzen.

»Sie werden nur selten wirklich willkommen sein«, prophezeite man uns Ehrenamtlichen. Denn anders als Wirtschaftsunternehmen, die viel Geld für eine Organisationsberatung bezahlen, lassen sich Lehrer nur ungern bei ihrer Arbeit beobachten. In Berlin gilt das besonders. Denn hier müssen die Schulen den Inspektionsbericht neuerdings sogar ins Internet stellen – und jeder kann lesen, wie es um ihre Qualität steht.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Guter Unterricht...

.... Lässt sich leider nicht planen. Im Text wird ein Lehrer erwähnt bei dem es rund läuft. Und das die Spanne zwischen den Lehrkräften gross ist....

Hinzu kommt noch mehr. Der Unterricht hängt auch bei der guten Lehrkraft empfindlich von der einzelnen Klasse ab. Jede neue Klasse hat ihre ganz eigene Beziehung zu jeder neuen Lehrkraft. Ob der Unterricht funktioniert hängt also sehr empfindlich vom Zufall ab.

Ich habe früher mal gesagt, dass wir, wenn wir so ...

... weiter machen in der Schule und in der Bildung, bald das Schul- und Bildungsniveau von Obervolta haben werden.
Ich habe inzwischen dazugelernt: Ich entschuldige mich für den Vergleich bei Obervolta, denn es wäre schön, wenn wir bei unserer Schulausbildung das Niveau von Obervolta hätten.
Um Fragen vorzubeugen: Ich war noch nie in Obervolta.

@3: Schule in der BRD und in Obervolta

Klären Sie uns auf: Welche Vorteile hat die Schule in Overvolta gegenüber der in der BRD. Weshalb ist das Niveau dort höher. Ich war auch noch nie dort.

Ich kenne Berichte von Austauschschülern z.B. aus Australien. Dort ist es -- nach deren Erfahrungen -- an der Tagesordnung, dass Lehrer vor sich hindozieren und die Beteiligung der Schüler am Unterricht gleich null ist. Nur da regt sich wohl keiner darüber so auf wie bei uns.

Von Lehrkräften aus einem anderen afrikanischen Staat weiß ich allerdings, dass es dort so ist, dass Schüler da auch mal für ein paar Jahre nicht kommen, weil sie zu Hause arbeiten müssen.

Bevor wir also unsere Schulen unter ein unbekanntes Niveau anderswo reden, sollten wir ein bisschen vorsichtig sein.

Trollen?!

Ich glaube in deinem Kommentar willst Du nur ein bisschen trollen. Eigentlich soll man Trolle nicht füttern, ich werde es dennoch ausnahmsweise mal tun:

Ich sehe selbst selten fern, aber es darf nun mal angenommen werden, dass die meisten Jugendlichen fern sehen. Also lässt man sie -- in einer Sprache die sie lernen sollen -- von etwas alltäglichem berichten. Ich denke wenn der Jugendliche keinen Fernseher hat, oder einfach nicht schaut, wird sich sicherlich auch ein Buch, ein Urlaub oder eine Zeitschrift finden lassen, über die er oder sie berichten kann.