Euro-KriseSpanien macht Inventur

In Madrid schimpft kaum einer über das "Spardiktat" aus Berlin. Die Krise zwingt das Land zur Selbstkritik.

Solange die Euro-Krise andauert, sollte man Spanier nicht als Südländer bezeichnen. Das könnte in der aufgerauten deutschen Öffentlichkeit leicht zu Missverständnissen führen. Liederlich, unverantwortlich, unzuverlässig, das sind ja nur einige der Attribute, mit denen man hierzulande Südländer belegt. Da ist es besser, von Spanien als dem Land jenseits der Pyrenäen zu sprechen, das ein Weltreich gewesen war, in langer Agonie zu relativer Bedeutungslosigkeit herabsank und im 20. Jahrhundert fast vier Jahrzehnte unter der Diktatur des Generals Franco erstarrte. Nach Francos Tod suchte und fand Spanien den Anschluss an Europa. Es begann ein nie da gewesener, rasanter Aufstieg.

Seit Beitritt des Landes in die Europäische Union im Jahr 1986 verdoppelte sich bis zum Jahr 2009 das Pro-Kopf-Einkommen der Spanier. Spanien und die EU – das darf man nicht vergessen – ist eine Erfolgsgeschichte, die jetzt allerdings ihr abruptes Ende findet. Die Madrider Regierung hat für Banken Finanzhilfen aus Brüssel beantragt, eine Intervention der EU nach dem Muster Griechenlands könnte bevorstehen. Die Frage ist, ob Spanien einen Weg aus dieser Krise finden kann? Hat es die Kraft und die Voraussetzungen dazu?

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In schwierigen Zeiten ist die Versuchung überall groß, nach Sündenböcken zu suchen. Die überwunden geglaubten nationalen Stereotype verstärken sich, in Deutschland wird gern der Lebenswandel der »Südländer« für die Schuldenkrise verantwortlich gemacht, und in den »Südländern« wird über die übergroße Härte Deutschlands geklagt, das schwächere Volkswirtschaften geradewegs in den Abgrund treibe.

Der Slogan: Es wird schlimmer, bevor es besser wird

Das offizielle Spanien ist in diesem Punkt vergleichsweise zurückhaltend. Eine Angela Merkel mit Hitlerbärtchen sucht man in Madrid vergebens. Einer der Gründe dafür ist, dass die Spanier erst im November 2011 den konservativen Mariano Rajoy und seinen Partido Popular mit einer absoluten Mehrheit ausstatteten – Rajoy hatte ohnehin im Programm, was Merkel verlangte: sparen, sparen, sparen. Das geschah aus eigener Überzeugung, nicht durch Druck von außen. Der »Realismus«, den man in Berlin von verschuldeten Ländern einfordert, hat sich in Spanien längst durchgesetzt. Es wird nicht erwartet, dass die Dinge sich schnell zum Besseren wenden.

600.000 Arbeitsplätze werden in diesem Jahr zusätzlich verloren gehen. Das hat die Regierung angekündigt. Ihr Slogan: Es wird noch schlimmer, bevor es besser werden kann. Wie lange es »schlimmer« werden kann, ohne dass es zu sozialen Revolten kommt, darüber lassen sich keine Voraussagen treffen. Doch bisher wird die immens hohe Jugendarbeitslosigkeit durch das immer noch funktionierende Familiennetz aufgefangen und in jüngerer Zeit auch durch Emigration, zum Beispiel nach Deutschland.

Kritik an der Haltung der Berliner Regierung gibt es freilich auch in Madrid. »Die Märkte glauben nicht an den Euro. Der Euro hat von Grund auf einen Baufehler. Das ist das zentrale Problem, nicht Griechenland und auch nicht Spanien!«, sagt José Ignacio Torreblanca vom European Council on Foreign Relations. So richtig dieses Argument auch sein mag, so bietet sich damit auch die Möglichkeit, von eigenen Versäumnissen abzulenken. Das fürchtet die deutsche Regierung. Krisenländer wie Spanien könnten sich mit dem Verweis auf den Euro selbst aus der Verantwortung entlassen.

Eine allgemeine Krise des Kapitalismus

Man kann in Spanien durchaus auch hören, dass ohne die Finanzkrise des Jahres 2008 alles anders gekommen wäre, mithin die spanische Krise vor allem Folge der allgemeinen Krise des Kapitalismus sei. Doch solche Meinungen beschränken sich vor allem auf den Kreis der »indignados« – der Empörten, die vor mehr als einem Jahr die Weltöffentlichkeit auf sich aufmerksam machten, indem sie auf der zentralen Madrider Puerta del Sol zu Zehntausenden demonstrierten.

Damals hing ein Hauch von Revolution über Madrid, auch weil die indignados die Plaza del Sol mit dem Tahrir-Platz in Kairo verglichen, um sich Kraft und Prestige vom arabischen Frühling zu leihen. Wahlrechtsreform, Steuerreformen, Bekämpfung der Korruption, Finanztransaktionssteuer — das waren Forderungen der indignados. Doch die Puerta del Sol ist vom Umschlagplatz der großen Hoffnungen schnell wieder zu einem banalen Alltagsort geworden. Freunde, Liebespaare, Spaziergänger, Touristen sind hier in Massen anzutreffen, während die indignados ins Netz abgewandert sind oder sich in die peripheren Stadtteile Madrids zurückgezogen haben, wo sie weiter diskutieren. »15 M« nennt sich die Bewegung jetzt, nach dem 15. Mai 2011, an dem die Proteste an der Puerta del Sol begannen. 15 M versucht neben all den grundsätzlichen Debatten über Demokratie und Kapitalismus, die die Bewegung endlos lange führen kann, den Betroffenen der Krise durch Beratung und Rechtshilfe beizustehen. Es ist klassische, verdienstvolle Basisarbeit.

An Arbeit fehlt es 15 M nicht, denn zahllose Menschen sind überschuldet, belastet mit Krediten, die sie in ihrem Leben niemals zurückzahlen werden können. Trotzdem ist aus 15 M bis heute keine ernst zu nehmende politische Kraft geworden. Ihre Argumente verfangen in der Breite der Gesellschaft nicht wirklich. Denn zu offensichtlich steht man noch unter dem Schock der eigenen Verführbarkeit, die eine zentrale Ursache für die heutige Misere ist.

Leserkommentare
    • joG
    • 07.07.2012 um 13:58 Uhr

    .....Natürlich ist es einfacher Änderungen durch zu ziehen, wenn man gezwungen wird. Das ist eine der Gründe, wieso Bürokratien in ganz Europa die EU mögen. Man braucht nicht erklären und überzeugen. Man macht einfach und braucht das Volk nicht zu fragen. Das ist auch das Hauptproblem der EU.

    5 Leserempfehlungen
  1. Kurz gesagt:

    Rente ab 70,

    rigerose Kürzung der überbordenden Sozialleistungen,

    deutlich höhere Eigenleistung bei Krankenversicherungen,

    strikte Privatisierung, Entlastung der Leistungsträger,

    Sanktionierung von Leistungsunwillen.

    Thatcher hat erfolgreich vorgemacht wie man ein modernes Land wieder nach vorn bringt.

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    • joG
    • 07.07.2012 um 14:06 Uhr

    ...."Neo-Liberalen" geht. All diese Dinge sollte "Spanien" eben nicht tun. Es sollte die Menschen machen lassen, wie sie das für richtig halten und nur dort eingreifen, wo das Wohlfahrtsoptimum (vielleicht sogar nach Paraeto) nachgewiesen steigt.

    • noitom
    • 07.07.2012 um 15:05 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

    Satire sollte erkennbar sein. Bei Ihnen habe ich die Vermutung, es ist keine. Allerdings zeitigten Thatchers neoliberalen Hammerschläge in England keine Wirkung. Jedenfalls ist von einer nennenswerten englischen Industrie wenig bekannt. Dafür gibt es quasimafiöse Banken, die das Land noch in den Orkus stoßen werden (Libor-Manipulationen, horrende Spekulationen, horrende Verluste). Nach Ihrer „neoliberalen“ Medizin käme jetzt: Rente mit 80, Suppenküchen, Minimalkrankenversorgung etc.? Suchen Sie sich eine andere Leitfigur, Thatcher taugt nicht.

    • joG
    • 07.07.2012 um 14:06 Uhr

    ...."Neo-Liberalen" geht. All diese Dinge sollte "Spanien" eben nicht tun. Es sollte die Menschen machen lassen, wie sie das für richtig halten und nur dort eingreifen, wo das Wohlfahrtsoptimum (vielleicht sogar nach Paraeto) nachgewiesen steigt.

    • noitom
    • 07.07.2012 um 15:05 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

    Satire sollte erkennbar sein. Bei Ihnen habe ich die Vermutung, es ist keine. Allerdings zeitigten Thatchers neoliberalen Hammerschläge in England keine Wirkung. Jedenfalls ist von einer nennenswerten englischen Industrie wenig bekannt. Dafür gibt es quasimafiöse Banken, die das Land noch in den Orkus stoßen werden (Libor-Manipulationen, horrende Spekulationen, horrende Verluste). Nach Ihrer „neoliberalen“ Medizin käme jetzt: Rente mit 80, Suppenküchen, Minimalkrankenversorgung etc.? Suchen Sie sich eine andere Leitfigur, Thatcher taugt nicht.

    • joG
    • 07.07.2012 um 14:06 Uhr

    ...."Neo-Liberalen" geht. All diese Dinge sollte "Spanien" eben nicht tun. Es sollte die Menschen machen lassen, wie sie das für richtig halten und nur dort eingreifen, wo das Wohlfahrtsoptimum (vielleicht sogar nach Paraeto) nachgewiesen steigt.

    Eine Leserempfehlung
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    Das verstehen sie darunter, mehr aber auch nicht.
    Die Fakten sind klar und deutlich und dank den modernen Medien von jeden selbst sofort unproblematisch überprüfbar.

    Meine Kommentare sind keine Schnellschüsse sondern haben vorneweg einen langen Reifungsprozess mit Thesen und Gegenthesen bestanden.

    Das verstehen sie darunter, mehr aber auch nicht.
    Die Fakten sind klar und deutlich und dank den modernen Medien von jeden selbst sofort unproblematisch überprüfbar.

    Meine Kommentare sind keine Schnellschüsse sondern haben vorneweg einen langen Reifungsprozess mit Thesen und Gegenthesen bestanden.

  2. Das verstehen sie darunter, mehr aber auch nicht.
    Die Fakten sind klar und deutlich und dank den modernen Medien von jeden selbst sofort unproblematisch überprüfbar.

    Meine Kommentare sind keine Schnellschüsse sondern haben vorneweg einen langen Reifungsprozess mit Thesen und Gegenthesen bestanden.

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    • joG
    • 08.07.2012 um 12:15 Uhr

    ...dass man sie ordnen muss. Das Schienen Sie nicht zu tun bzw eine Ordnung zu unterstellen, die eine Meinung bedingt, die alles auf den Kopf stellt. So waren die Aussagen zu Neo-Liberalen lediglich Folgerungen und als solche der logisch falsche Ansatzpunkt zur Kritik, wo es um etwas anderes gehen soll als Beifall bei uninformierten Gruppen zu heischen.

    • joG
    • 08.07.2012 um 12:15 Uhr

    ...dass man sie ordnen muss. Das Schienen Sie nicht zu tun bzw eine Ordnung zu unterstellen, die eine Meinung bedingt, die alles auf den Kopf stellt. So waren die Aussagen zu Neo-Liberalen lediglich Folgerungen und als solche der logisch falsche Ansatzpunkt zur Kritik, wo es um etwas anderes gehen soll als Beifall bei uninformierten Gruppen zu heischen.

  3. Sorry, Ulrich Ladurner, ich schätze Ihre Reportagen und Ihr hohes Niveau der Berichterstattung.

    Aber hier sitzen Sie einem echten Missverstehen auf. Aus Spanien kann ich Ihnen berichten, daß diese beiden Parteien, weder dem Volk noch dem Gemeinwohl verpflichtet agieren, sondern schlicht durch und durch korrumpierte und korrupte Wahlvereine darstellen.

    Schauen Sie einmal in die Aufsichtsräte des Energieversorgers ENDESA zum Beispiel - da sitzen diese Herren und Damen gemeinsam und bedienen sich.

    Banco Santander ist stabil? - Da sind Sie nicht auf aktuellem Stand. Dies erschien so, bis zugegeben werden musste, daß auch dort Bilanzen manipuliert wurden.

    Telefonica ist stabil, weil faktisch kein Wettbewerb hier stattfindet und der Markt so geordnet ist, daß eben nichts ohne Movistar (so heißt Telefonica inzwischen, aber das ist ein Detail) geht und sich dieses Unternehmen durch Monopolstellungen in Südamerikanischen Mobilfunknetzen finanziert.

    Rajoy läßt sparen - das stimmt. Fragen Sie und wir uns einmal, wo und wie er sparen läßt.

    Was hier stattfindet ist die Auflösung der MIttelschichten.

    El Cortes Ingles - der größte Kaufhauskonzern Spaniens, muß momentan 3,6 Milliarden Kredite neufinanzieren - übrigens u.a. bei Santander.
    ACS - der Baukonzern des Herren Perez hat eine Schuldenlast in Höhe des doppelten Auftragsvolumens. Dort wird versilbert, was nicht niet- und nagelfest ist.

    Die Spanier sind es gewohnt, nicht aufzubegehren. Das ist alles.

    11 Leserempfehlungen
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    ...wie in D. Nur hat man damit zeitiger angefangen.

    "Telefonica ist stabil, weil faktisch kein Wettbewerb hier stattfindet und der Markt so geordnet ist, daß eben nichts ohne Movistar (so heißt Telefonica inzwischen, aber das ist ein Detail) geht und sich dieses Unternehmen durch Monopolstellungen in Südamerikanischen Mobilfunknetzen finanziert."

    Erinnert sich noch jemand an die Ruhrgas Eon Fusion?, in der Wolfgang Clement sogar das Kartellamt per Ministererlaubnis aushebelte?:
    http://www.faz.net/aktuel...

    Das Argument "Deutschland braucht starke "Global Player". Den meisten Medien fiel noch nichtmal das darin enthaltene Paradoxon auf (entweder "global" oder "deutsch", nicht beides).

    Einige Jahre später jammern alle über to "big to fail" und darüber, dass sie ihre Konzerne nicht mehr unter Kontrolle bekommen und deshalb unbedingt die EU brauchen...

    "Die Spanier sind es gewohnt, nicht aufzubegehren. Das ist alles."

    Noch eine Gemeinsamkeit :-)

    Na die ersten "Spanien macht es richtig"-Artikel kommen ja schon. Nur wer so ist wie wir und die ganze neoliberale Agenda ohne Widerworte über sich ergehen lässt, ist ein echter aufrechter Europäer *g*. Wenn es nicht alles so durchsichtig wäre.

    • warubi
    • 07.07.2012 um 14:44 Uhr

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

    Das spanische Wahlrecht wirkt in vielen Wahlbezirken wie ein de-facto-Mehrheitswahlrecht, was es landesweiten kleineren Parteien sehr schwer macht, überhaupt Abgeordnete zu stellen.

    Dies führt zum Zwei-Parteien-System, in welchem es sich Konservative und Sozialisten so bequem eingerichtet haben, da sie von kleineren Parteien aus dem eigenen Lager keinerlei Konkurrenz fürchten müssen, und es sich daher erlauben können, hemmungslos die eigene Stammklientel bedienen und begünstigen zu können.

    Dies ist auch der eigentliche Grund für die Wirkungslosigkeit der Bewegung des 15. Mai. Es gab bis tief in die bürgerlichen Schichten genug Rückhalt für die zentralen Kernforderungen - mehr politische Transparenz, Reform des Wahlrechts, strengere Bankenaufsicht etc - jedoch verhinderte das Wahlrecht, von den beiden "Platzhirschen" auf Mehrheitssicherung und Machterhalt getrimmt, wirksam jeden möglichen Fortschritt.

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu.

    Klarheit und Genauigkeit nicht zu ueberbieten, bemerkenswert
    finde ich ebenfalls, wie oberfleachlich hier vom Autor die
    iberische -durchaus erfolgreiche- Wirtschaftsgeschichte doch
    nur angerissen wird.

    Banco Santander erzielt heute (1. T/2012) seine Erloese nur
    noch zu 13% in Spanien, wichtig sind Brasilien,Argentinien,
    Chile etc.
    Brasilien erwirtschaftet 34% der Erloese, ebenso ausge-
    richtet sind Repsol,BBVA, Telefonica,........ .

    Telefonica hat weltweit 270 Millionen Kunden, hat aber Muehe
    seine Schulden abzubauen, ist von den politischen Parteien(PSOE und PP)gewollte und gehaetschelter Monopolist, die
    anderen ordnen sich diesen politischen Gegebenheiten unter
    und tanzen nicht aus der Reihe.

    ...wie in D. Nur hat man damit zeitiger angefangen.

    "Telefonica ist stabil, weil faktisch kein Wettbewerb hier stattfindet und der Markt so geordnet ist, daß eben nichts ohne Movistar (so heißt Telefonica inzwischen, aber das ist ein Detail) geht und sich dieses Unternehmen durch Monopolstellungen in Südamerikanischen Mobilfunknetzen finanziert."

    Erinnert sich noch jemand an die Ruhrgas Eon Fusion?, in der Wolfgang Clement sogar das Kartellamt per Ministererlaubnis aushebelte?:
    http://www.faz.net/aktuel...

    Das Argument "Deutschland braucht starke "Global Player". Den meisten Medien fiel noch nichtmal das darin enthaltene Paradoxon auf (entweder "global" oder "deutsch", nicht beides).

    Einige Jahre später jammern alle über to "big to fail" und darüber, dass sie ihre Konzerne nicht mehr unter Kontrolle bekommen und deshalb unbedingt die EU brauchen...

    "Die Spanier sind es gewohnt, nicht aufzubegehren. Das ist alles."

    Noch eine Gemeinsamkeit :-)

    Na die ersten "Spanien macht es richtig"-Artikel kommen ja schon. Nur wer so ist wie wir und die ganze neoliberale Agenda ohne Widerworte über sich ergehen lässt, ist ein echter aufrechter Europäer *g*. Wenn es nicht alles so durchsichtig wäre.

    • warubi
    • 07.07.2012 um 14:44 Uhr

    Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

    Das spanische Wahlrecht wirkt in vielen Wahlbezirken wie ein de-facto-Mehrheitswahlrecht, was es landesweiten kleineren Parteien sehr schwer macht, überhaupt Abgeordnete zu stellen.

    Dies führt zum Zwei-Parteien-System, in welchem es sich Konservative und Sozialisten so bequem eingerichtet haben, da sie von kleineren Parteien aus dem eigenen Lager keinerlei Konkurrenz fürchten müssen, und es sich daher erlauben können, hemmungslos die eigene Stammklientel bedienen und begünstigen zu können.

    Dies ist auch der eigentliche Grund für die Wirkungslosigkeit der Bewegung des 15. Mai. Es gab bis tief in die bürgerlichen Schichten genug Rückhalt für die zentralen Kernforderungen - mehr politische Transparenz, Reform des Wahlrechts, strengere Bankenaufsicht etc - jedoch verhinderte das Wahlrecht, von den beiden "Platzhirschen" auf Mehrheitssicherung und Machterhalt getrimmt, wirksam jeden möglichen Fortschritt.

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu.

    Klarheit und Genauigkeit nicht zu ueberbieten, bemerkenswert
    finde ich ebenfalls, wie oberfleachlich hier vom Autor die
    iberische -durchaus erfolgreiche- Wirtschaftsgeschichte doch
    nur angerissen wird.

    Banco Santander erzielt heute (1. T/2012) seine Erloese nur
    noch zu 13% in Spanien, wichtig sind Brasilien,Argentinien,
    Chile etc.
    Brasilien erwirtschaftet 34% der Erloese, ebenso ausge-
    richtet sind Repsol,BBVA, Telefonica,........ .

    Telefonica hat weltweit 270 Millionen Kunden, hat aber Muehe
    seine Schulden abzubauen, ist von den politischen Parteien(PSOE und PP)gewollte und gehaetschelter Monopolist, die
    anderen ordnen sich diesen politischen Gegebenheiten unter
    und tanzen nicht aus der Reihe.

  4. was in Ihrem Bericht leider komplett ausgeblendet wird, ist die durchaus zweifelhafte Rolle der katholischen Kirche hier.

    Diese erzkonservative und dem Franquismus bis heute verpflichtete Organisation - nur um einmal ein Beispiel zu nennen - zahlt weder Grundsteuern (obwohl sie der größte Einzelgrundbesitzer des Landes nach dem Staat ist), noch trägt sie irgendetwas zur Erneuerung des Landes bei.

    Sie zeichnet sich allerdings durch politische Hetzkampagnen gegen Homosexuelle, Immigranten und Frauenrechte aus.

    Oder wie sich der Oberprister aus Madrid auszudrücken pflegt: Es gibt zwei Spanien (und jeder informierte weiß, woher der Satz stammt und was er meint).

    Das Grundübel in dieser gesellschaft ist der tief verwurzelte Revanchismus - und der ist nicht nur bei den Falangisten und ihren Widergängern, nicht nur beim Machtverrückten Opus Dei hier zu finden, sondern leider genauso bei Linken, Katalanen, Basken und eben eigentlich fast allen, außer vielleicht bei den Menschen von 15 M.

    5 Leserempfehlungen
  5. ...wie in D. Nur hat man damit zeitiger angefangen.

    "Telefonica ist stabil, weil faktisch kein Wettbewerb hier stattfindet und der Markt so geordnet ist, daß eben nichts ohne Movistar (so heißt Telefonica inzwischen, aber das ist ein Detail) geht und sich dieses Unternehmen durch Monopolstellungen in Südamerikanischen Mobilfunknetzen finanziert."

    Erinnert sich noch jemand an die Ruhrgas Eon Fusion?, in der Wolfgang Clement sogar das Kartellamt per Ministererlaubnis aushebelte?:
    http://www.faz.net/aktuel...

    Das Argument "Deutschland braucht starke "Global Player". Den meisten Medien fiel noch nichtmal das darin enthaltene Paradoxon auf (entweder "global" oder "deutsch", nicht beides).

    Einige Jahre später jammern alle über to "big to fail" und darüber, dass sie ihre Konzerne nicht mehr unter Kontrolle bekommen und deshalb unbedingt die EU brauchen...

    "Die Spanier sind es gewohnt, nicht aufzubegehren. Das ist alles."

    Noch eine Gemeinsamkeit :-)

    Na die ersten "Spanien macht es richtig"-Artikel kommen ja schon. Nur wer so ist wie wir und die ganze neoliberale Agenda ohne Widerworte über sich ergehen lässt, ist ein echter aufrechter Europäer *g*. Wenn es nicht alles so durchsichtig wäre.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wettbewerbsquatsch!"
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    gibt es.
    Und um die Frage zu beantworten, ob man hier Produkte entwickeln und herstellen kann, die gebraucht werden und nachgefragt werden.

    Nehmen wir einmal den Energiesektor.

    In Andalusien steht das weltweit erste Solarkraftwerk, welches auch Nachtstrom liefert. Hier wird auf Solarthermie aufgesetzt und nicht auf PV. Das Ding funktiuoniert und versorgt bis zu 10.000 Haushalte mit elektrischer Energie.

    Vereinfacht beschrieben, wird Sonnenlicht mittels Spiegeln gebündelt und erhitzt in einem Turm ein salziges Gel auf über 550° C. Dieses Gel wird in isolierten Tanks gespeichert (Verlust kleinergleich 10%). Mittels Wärmetauschern wird Wasserdampf erzeugt und treibt Turbinen zur Umwandlung in elektrischen Strom an.

    Man hat die Entwicklungsphase erfolgreich zuende gebracht und müsste dieses Produkt nun skalieren und zur Marktreife weiterentwickeln.

    Nun hat die neue spanische Regierung zwei wegweisende Entscheidungen (unter dem Beifall der versammelten europäischen Regierungen getroffen):
    1) Energieförderung findet nur noch im Großindustriellen Sektor statt, die Stromriesen müssen keinen eingespeisten Strom annehmen, wenn sie nicht wollen und können den Preis/KWh mehr oder weniger selbst festlegen. Sollte der Strompreis unter die KKW-Erzeugerpreise sinken, erhalten die Stromriesen eine Entschädigung AUS STEZERGELDERN.
    2) Sind jegliche Forschungs- und Entwicklungsgelder im Bereich regenerative Energien gestrichen worden.

    forts.

    gibt es.
    Und um die Frage zu beantworten, ob man hier Produkte entwickeln und herstellen kann, die gebraucht werden und nachgefragt werden.

    Nehmen wir einmal den Energiesektor.

    In Andalusien steht das weltweit erste Solarkraftwerk, welches auch Nachtstrom liefert. Hier wird auf Solarthermie aufgesetzt und nicht auf PV. Das Ding funktiuoniert und versorgt bis zu 10.000 Haushalte mit elektrischer Energie.

    Vereinfacht beschrieben, wird Sonnenlicht mittels Spiegeln gebündelt und erhitzt in einem Turm ein salziges Gel auf über 550° C. Dieses Gel wird in isolierten Tanks gespeichert (Verlust kleinergleich 10%). Mittels Wärmetauschern wird Wasserdampf erzeugt und treibt Turbinen zur Umwandlung in elektrischen Strom an.

    Man hat die Entwicklungsphase erfolgreich zuende gebracht und müsste dieses Produkt nun skalieren und zur Marktreife weiterentwickeln.

    Nun hat die neue spanische Regierung zwei wegweisende Entscheidungen (unter dem Beifall der versammelten europäischen Regierungen getroffen):
    1) Energieförderung findet nur noch im Großindustriellen Sektor statt, die Stromriesen müssen keinen eingespeisten Strom annehmen, wenn sie nicht wollen und können den Preis/KWh mehr oder weniger selbst festlegen. Sollte der Strompreis unter die KKW-Erzeugerpreise sinken, erhalten die Stromriesen eine Entschädigung AUS STEZERGELDERN.
    2) Sind jegliche Forschungs- und Entwicklungsgelder im Bereich regenerative Energien gestrichen worden.

    forts.

  6. Ich würde gerne wissen, was für einen Anteil die Subventionen jeglicher Art aus Brüssel und Frankfurt (niedrige Zinsen etc.) zu dieser Geschichte beigetragen haben mögen? 1%, vielleicht 10% oder mehr (oder überhaupt nicht???)?

    Übrigens könnte man eine Reihe von "bis 2009 rasant entwickelten Ländern" in der EU aufzählen, beginnend mit Griechenland (im Vergleich mit Spanien werden die bestimmt nicht schlechter stehen) oder auch mit dem "keltischen Tiger" Irland oder auch Steueroase Zypern.

    Alle vier sich sehr rasant bis 2009 sich entwickelte Länder und - welch eine Überraschung - Mitglieder der EURO-Währungsunion. Gäbe es diese aktuelle Kriese nicht, hätten wir noch einen Beispiel gehabt, nämlich Polen, die mit 40 Mlrd EUR Alimentierung in nur 10 Jahren bis 2016, wenn ich nicht irre, ein Osteuropäischen Tiger und bestimmt ein nachahmenswerter Beispiel für die träge deutsche Wirtschaft gewesen wären.

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    ..oder warum sich der Iberer sehr leicht an Subventionen ge-
    woennen kann.
    Sorry, aber Subventionen werden in Spanien massenhaft verteilt, und die Menschen haben sich reichlich daran ge-
    woehnt ohne oft ernsthaft darueber zu reflektieren, von wem
    und wofuer dieses Geld geflossen ist.
    Die Subventionen ziehen sich wie ein roter Faden durch alle
    Bereiche und Gesellschaftsschichten, sie fuehren seit langer Zeit zu satter iberischer Selbstzufriedenheit und
    einer riesigen Portion Traegheit.

    ..oder warum sich der Iberer sehr leicht an Subventionen ge-
    woennen kann.
    Sorry, aber Subventionen werden in Spanien massenhaft verteilt, und die Menschen haben sich reichlich daran ge-
    woehnt ohne oft ernsthaft darueber zu reflektieren, von wem
    und wofuer dieses Geld geflossen ist.
    Die Subventionen ziehen sich wie ein roter Faden durch alle
    Bereiche und Gesellschaftsschichten, sie fuehren seit langer Zeit zu satter iberischer Selbstzufriedenheit und
    einer riesigen Portion Traegheit.

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