StilkolumneAuf wessen Kappe geht das?

Tillmann Prüfer über Schirmmützen von 

Eine Schirmmütze verleiht jedem Gesicht militärischen Ernst. Modell von Max Mara, 190 Euro.

Eine Schirmmütze verleiht jedem Gesicht militärischen Ernst. Modell von Max Mara, 190 Euro.  |  © Peter Langer

Der Schriftsteller Max Goldt beschrieb die Schirmmütze einmal als Beispiel modischer Beständigkeit. Immer wenn man überzeugt davon sei, ein Stil gehe nun WIRKLICH nicht mehr, sehe man wieder jemanden ganz genau so herumlaufen – nämlich mit umgekehrt auf den Kopf gesetzter Baseballmütze. Das ist einige Jahre her, aber es gibt immer noch Leute, die man so herumlaufen sieht. Oder wieder? Die Soul-Sängerin Rihanna beispielsweise zeigt sich regelmäßig mit einer falsch herum aufgesetzten Baseball-Cap, bei ihren männlichen Kollegen wie dem Rapper 50 Cent gehört die Cap schon zur Berufsuniform. Und nun haben die Schirmmützen es auch wieder auf die Laufstege geschafft.

In vielen Kollektionen sind Schirmmützen in Form von Baseball-Caps zu sehen, aber auch Modelle, die eher weich und lässig sitzen. Die Varianten für den Sommer haben helle Farben und sind manchmal gemustert.

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An Burberrys Modellen baumeln Bommeln. Victoria Beckham hat ihre Versionen in glänzendem Lack gestaltet. Die Schirmmützen für den Winter sind strenger und muten militärisch an. Bei Marc by Marc Jacobs gibt es hohe Versionen mit Schirmen aus Lack oder Samt. Max Mara dekorierte Filzmützen mit Krokoprägungen. Bei Tommy Hilfiger erinnert ein Modell an Reiterhüte. Somit ist die Schirmmütze wieder an ihrem Ursprung angekommen – schließlich entstammt sie dem Militärwesen. Ihr Vorgänger war der Tschako, eine soldatische Kopfbedeckung des 19. Jahrhunderts, ein zylinderförmiger Hut mit Schirm. Er wurde vor allem während der napoleonischen Kriege in fast allen europäischen Heeren getragen. Bald entwickelten sich daraus Modelle für die Zivilbevölkerung. Die freiheitlichen Studentenverbindungen tragen noch heute gerne Mützen mit Schirm.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Schirmmützen waren immer Männersache. Als Frauen sich diesen Kopfbedeckungen erstmals zuwandten, ging es ihnen um die Aneignung eines maskulinen Symbols. Die Haare verschwinden unter diesen Mützen meist völlig, und die Wirkung ist sehr burschikos. In Zeiten, in denen sich Frauen auf Männer-Positionen durchsetzen müssen, ist die Schirmmütze also durchaus angebracht. Aber bitte: Nicht den Schirm nach hinten drehen. Das geht nun WIRKLICH nicht mehr.

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Leserkommentare
  1. ...is much better !

    Die verfilzte Wollschirmmütze lässt sich zu fast allem tragen und hat den Vorteil schnell zusammengefaltet in der Tasche zu verschwinden. Dazu lässt sie sich in nahezu jede Form biegen, schützt vor Regen und ist beinahe atmungsaktiv. Der besondere Effekt(ist umsonst!): Du siehst nicht aus wie ein Highway-Trucker aus dem tiefsten Süden oder als ob du abends um einen brennendes Ölfass rapst sondern mit leichtem Knick über dem Auge wie ein schottischer Moorhuhnjäger oder eine Gestalt aus der Drei-Groschenoper ;)!

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  • Schlagworte Heer | Hut | Marc Jacobs | Max Goldt | Rihanna | Tommy Hilfiger
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