TestVon A nach B

Ralph Geisenhanslüke fährt mit dem Volkswagen CC von Berlin nach Helmstedt – die alte Transitstrecke

Der Volkswagen CC, ein auf dem Passat basierender Mittelklasse-Coupé

Der Volkswagen CC, ein auf dem Passat basierender Mittelklasse-Coupé

Ein leises Klicken, dann steckt die SD-Speicherkarte in dem kleinen Schlitz unterhalb des Navi-Bildschirms. Darauf liegen ungefähr so viele Songs wie auf einem iPod. Der Volkswagen CC ist die besser ausgestattete Limousinen-Version des VW Passat. Zu den Extras zählt auch ein Soundsystem von Dynaudio, Hersteller feiner Lautsprecher aus Dänemark. So fein, dass sie in vielen Studios als Referenz gelten.

Als ich das Gewürge auf dem Berliner Ring hinter mir gelassen habe, wähle ich auf dem Touchscreen Nicolas Jaars grandiosen Downtempo-Trip Space Is Only Noise. Ein Album, das einen auf die Reise schickt, umhüllt von warmen, luftigen Sounds und dicken Analog-Synthies. Wellenplätschern, leise Pianolinien, Kinderlachen. So beginnt Être, das erste Stück. Als die Sonne zwischen den Wolken hervorblinzelt, schwebt der Wagen auf sechsspurigem Flüsterasphalt, wo früher Erichs Betonpiste brüllte. Vorbei an Lehnin und Wollin. Orte, die ich unzählige Male rechts liegen ließ, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, dort anzuhalten.

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Es war einmal eine Zeit, vor dem Fall der Mauer, da hasste ich diese Autobahn. Die A2 von Berlin in Richtung Westen war eine der ödesten Straßen Deutschlands.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

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Besonders jene 170 Kilometer Transitstrecke zwischen den Kontrollpunkten Dreilinden (West-Berlin) und Helmstedt (Westdeutschland) mit ihrem strichgenau zu befolgenden Tempolimit. Abwechslung boten allenfalls Werbebanner für »Plaste und Elaste aus Schkopau« und die kreativen Tarnungen der Vopos. Mein Opel Ascona A, Baujahr 1972, wirkte zwischen den Trabis und Wartburgs wie ein muscle car. Der punkigere Teil meiner Mitfahrzentralenpassagiere versuchte nicht selten, der Monotonie mithilfe von Intershop-Alkohol zu begegnen. Mixtapes waren Überlebensmittel. Auf dem Rücksitz lagen Lautsprecherboxen von Wohnzimmerformat.

Früher wünschte ich oft, hier mit 200 durchzurauschen. Jetzt könnte und dürfte ich. Aber ich stelle den Tempomaten auf 140. Schneller fahren macht keinen Spaß wegen der Windgeräusche – und mit dieser spielfreudigen Anlage und der aus Raum und Zeit entrückten Musik verspüre ich auch nicht die geringste Lust dazu. Erst als ich am ehemaligen Grenzübergang vorbeikomme, bemerke ich, dass die alte Transitstrecke schon hinter mir liegt. Lange her, denke ich. Und gut so. Aber ein Mixtape würde ich gern mal wieder geschenkt bekommen.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 155 kW (210 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
CO2-Emission: 169 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,3 Liter
Basispreis: 34.800 Euro 

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

 
Leserkommentare
    • millu
    • 28.06.2012 um 13:46 Uhr

    Gab es denn zwischen Dreilinden und Helmstedt wirklich ein Banner für »Plaste und Elaste aus Schkopau«?
    Ich kenne nur die Lichtwerbung am Turm der Elbbrücke bei Vockerode, die sich heute im Deutschen Historischen Museum befindet, allerdings war das die Strecke nach Rudolphstein (A9).

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    Muss wohl, sonst hätte es sich nicht auch in mein Gedächtnis eingebrannt.

    Muss wohl, sonst hätte es sich nicht auch in mein Gedächtnis eingebrannt.

  1. Ich hatte erst gedacht die 140km/h sind etwas viel für enspanntest Tempomat-fahren, bis mir der VW-typische Tachovorlauf eingefallen ist.

    Aber sonst von mir folgenden Tipp: Wenn man unbedingt ein tiefenentspanntes Schläfchen hinter dem Steuer machen will:
    Die Instrumentals von Alan Parsons sind ein heißer Tipp.
    Damals ist das Tape nach zwei Sekundenschlaf-Situationen aus dem Auto geflogen.

  2. Muss wohl, sonst hätte es sich nicht auch in mein Gedächtnis eingebrannt.

    Antwort auf "Plaste und Elaste"
  3. Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und verfassen sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  4. Paßt doch! Schließlich ist der Passat "CC" ( geklaut von Peugeot und Renault, dankeschön)ja für die angegraute Klientel gedacht.

  5. "Der Volkswagen CC ist die besser ausgestattete Limousinen-Version des VW Passat." Mag sein, aber an einem fehlt es: Kopffreiheit. Ich brauche keine coupéartige Dachlinie (der Wagen ist 5 cm niedriger als der "normale" Passat), wenn ich mit über 1,90 Körpergröße vorn nur mit Mühe und hinten gar nicht sitzen kann -- und das bei einem im Prinzip richtig großen Auto (4,80 Länge!)

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    ... hat schon Friedrich Luft beschrieben: "Quatsch in schöner Gestalt, wobei letztere auch noch fehlt."

    ... hat schon Friedrich Luft beschrieben: "Quatsch in schöner Gestalt, wobei letztere auch noch fehlt."

  6. ... hat schon Friedrich Luft beschrieben: "Quatsch in schöner Gestalt, wobei letztere auch noch fehlt."

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  • Serie Von A nach B
  • Quelle ZEITmagazin, 28.6.2012 Nr. 27
  • Kommentare 7
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  • Schlagworte Test | VW | Tempolimit | iPod | Dänemark | Ascona
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