Die Frage: Edwin hat Hella zum zehnten Hochzeitstag Blumen geschenkt, die Gattin ist aber wenig zufrieden. »Wenn du dich selbst daran erinnert hättest, dann hätte ich mich gefreut. Aber so hat das doch keinen Wert, immer muss ich dir vorher sagen, dass unser Hochzeitstag ansteht!«, sagt sie.

»Aber du hast doch auch schon mal meinen Geburtstag vergessen, und bist los, um irgendein Geschenk heranzuschaffen!« – »Weil du nie sagst, was du dir wünschst! Wir haben das zu Hause immer so gemacht, meine Mutter schickt ihren Wunschzettel heute sogar per Mail!« – »Das ist doch nichts für Erwachsene, wenn ich einen Wunschzettel schreibe, kann ich doch genauso gut ins Kaufhaus gehen und die Sachen selber holen!«

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Freilich ist es am schönsten, spontan gefeiert zu werden und genau das Geschenk zu erhalten, das man sich gewünscht hat.

Die Liebe im Alltag gedeiht aber besser, wenn wir nicht nur nach dem großen Guten, sondern auch nach dem kleineren Übel suchen. Und da ist der taktvoll dem Vergesslichen nahegebrachte Hochzeitstag doch allemal besser als das von Gedächtnisschwäche heimgesuchte Liebesobjekt in die Beschämung laufen zu lassen. Auch der Wunschzettel ist ein Signal, dass jemand Plan und Gefühl verbinden möchte – eine gute Strategie für die Alltagstauglichkeit einer Liebesbeziehung. Wer sich über die Gabe freut, bekommt den liebevollen Partner als Zugabe.