Auf den jahrtausendealten Terrassen wachsen Zitronen, Aprikosen, Auberginen, Minze, Oliven und Kartoffeln. © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Die Frau mit dem sonnenverbrannten Gesicht lässt sich erschöpft unter einem Oleanderbusch nieder. Es war ein mühsamer Aufstieg. Den Kanister mit Pflanzenschutzmittel hat sie vom Rücken genommen. Im Eimer, den sie auf dem Kopf trug, sind frische Weinblätter. Die wird sie später mit Reis füllen und kochen. Alltag in Battir.

Seit vierzig Jahren bestellt die Palästinenserin die Felder ihrer Familie. Zitronen, Aprikosen, Mandeln, Auberginen, Minze, Oliven. Gerade ist Pflaumensaison. Mehrmals die Woche sitzt sie an der Straße ins sieben Kilometer entfernte Bethlehem und verkauft ihre Ernte.

Vom Eilantrag bei der Unesco, der ihr Dorf als Weltkulturerbe schützen soll, weiß sie nichts; wohl aber vom geplanten israelischen Mauervorhaben. Die israelische Sperranlage soll zwischen dem Dorf und seinen Terrassen verlaufen. Das würde die uralte Kulturlandschaft zerstören und alle Familien von ihren "Paradiesgärten" abschneiden.

Es ist wirklich idyllisch hier. Der Ort könnte auch in der Toskana liegen, mit seiner intakten Bewässerungsanlage aus der Römerzeit, den jahrtausendealten Terrassen und dem Plätschern in den Steinrinnen. Sieben Quellen sorgen dafür, dass das Wasser selbst jetzt im Hochsommer nicht versiegt. Zum Panorama gehört auch ein Zug, der ab und zu durchs Tal rattert. Die Strecke, Ende des 19.Jahrhunderts im Osmanischen Reich gebaut, führt von Tel Aviv nach Jerusalem. In Battir verlaufen die Gleise entlang der unsichtbaren grünen Linie, die den Grenzverlauf zu Israel markiert.

Mohammed Obidallah erinnert sich, wie er als kleiner Junge oft mit der Eisenbahn ans Mittelmeer gefahren ist. Das war in den achtziger Jahren, noch vor der ersten Intifada, sein Vater arbeitete damals als Anstreicher auf der anderen Seite bei den Israelis. Obidallah, aus dem mittlerweile ein in Deutschland ausgebildeter Wasser- und Umweltexperte geworden ist, hofft auf die Schlagkraft des historischen Arguments. Die Battiris waren die einzigen Palästinenser, die nach dem 1948er-Krieg ihre Ländereien, die sich fortan auf israelischem Territorium befanden, weiter bebauen durften. Darauf hatte sich Mosche Dajan mit den Dorfältesten geeinigt. Im Gegenzug versprachen die Battiris, keine Züge anzugreifen, woran sie sich hielten. Die Übereinkunft wird im Waffenstillstandsabkommen von 1949 erwähnt. Auf dieser Grundlage beruht die Klage der Dorfbewohner gegen die geplante Sperranlage vor dem Obersten Gerichtshof in Jerusalem.

Natürlich ist der Unesco-Antrag ein Politikum, sagt Obidallah, aber eines mit richtig gutem Grund. Er lebt erst seit Kurzem wieder in seinem Heimatdorf und sieht manches durch eine andere Brille. Er arbeitet für Friends of the Earth in the Middle East; heute eine fast schon wieder anachronistische Organisation, weil sich dort Palästinenser, Jordanier und Israelis vereint haben. Solche Kooperationen sind selten geworden. Meistens ist es ja so, dass in New York oder sonst wo in eigener Sache – gegen die andere Seite – geworben wird. Das Streben der Palästinenser nach internationaler Anerkennung gehört dazu. Sie sind zwar mit ihrem Wunsch gescheitert, als Staat in die Vereinten Nationen aufgenommen zu werden, aber sie gehören als Vollmitglied der Unesco an, sie dürfen Anträge stellen.