DIE ZEIT: Frau Dornheim, was mögen Sie an Männern?

Laura Dornheim: Kluge Gedanken, schöne Hände, vieles gefällt mir an Menschen, aber ich finde nichts per se an Männern toller als an Frauen. Diese Unterscheidung finde ich unsinnig.

ZEIT: Frau Rohrbach, sind Sie sicher, dass Laura Dornheim eine Frau ist?

Lena Rohrbach: Nein.

ZEIT: Wie könnte man das herausfinden?

Rohrbach: Man könnte sie fragen. Wir sind zu schnell darin, andere Menschen zu kategorisieren. In unserer Gesellschaft unterlaufen nur wenige Personen die Geschlechterkategorien so, dass uns die Einordnung schwerfällt. Deswegen haben wir im Alltag den Eindruck, dass die Einordnung stimmt. Aber wenn man darüber nachdenkt, stellt man fest: Das ist eine ziemlich komplexe Sache.

ZEIT: Wenn Laura Dornheim keine Frau ist, was könnte Sie denn noch alles sein?

Rohrbach: Ein Mensch, ein Individuum, eine Freundin von mir, eine nette Kollegin aus der Piratenpartei, eine Feministin, ein Eichhörnchen.

ZEIT: Ein Eichhörnchen?

Rohrbach: Das ist bei den Piraten ein kreativer Sammelbegriff für Menschen, die sich den Geschlechterkategorien entziehen wollen.

Dornheim: Wenn ich es meiner Oma erklären wollte, würde ich sagen: Menschen, die nicht unbedingt Mann oder Frau sein wollen, die irgendwas dazwischen sind oder mal das eine, mal das andere – das sind Eichhörnchen. In jedem steckt ein bisschen Eichhörnchen.

ZEIT: Warum wird das Geschlechterthema bei den Piraten anders debattiert als bei den anderen Parteien?

Rohrbach: Es hat unter anderem ganz schlicht mit dem Alter zu tun. Die Geschlechterpolitik der grünen Jugend zum Beispiel ist in vielen Punkten ähnlich. Die älteren Grünen denken tendenziell mehr in binären Geschlechterkategorien. Hinzu kommt, dass fast jeder, der im Internet groß geworden ist, dort mal eine andere Geschlechtsidentität anprobiert hat. Es ist ja einfach, sich in einem Chat als jemand anderes auszugeben.

Dornheim: Interessant ist, welche Missverständnisse es dann gibt. Wenn ich Mails in einem sehr klaren Ton schreibe, wird auf einmal auf Herrn Dornheim geantwortet. Da sieht man, wie wichtig diese gedachte Identität in der Kommunikation ist.