Auf Pflegefälle ist die Station nicht vorbereitet
Was tun mit Demenzkranken – soll man sie wirklich noch einsperren?
Wenn Ines Föhre in der Früh die Seniorenabteilung betritt und Tür für Tür aufschließt, dann schlägt ihr oft säuerlicher Geruch entgegen. Sie müsse darauf achten, dass ihre Klienten morgens aus ihrem Bett aufstehen und zum Duschen gehen, sagt die 48-Jährige. »Wir müssen die Alten vor sich selbst schützen. Sie igeln sich ein, in einer normalen Station würden sie völlig untergehen. Und dass sie in ihrer Zelle verwahrlosen, können wir nicht zulassen.«
Um die Alten und die Gebrechlichen kümmert sich Tag für Tag eine Riege an Wärtern, Psychologen, Pfarrern, Sozialpädagogen, Ärzten – und Ehrenamtlichen. Eine von ihnen hilft heute Manfred Altmeier beim Kuchenbacken. Nebenbei spricht die Mittfünfzigerin mit ihm über seine Wehwehchen. Später besucht sie noch einen anderen Häftling und redet mit ihm über Patientenverfügungen und den letzten Willen. Die Betreuerin ist nicht zimperlich, sie bespricht jedes Thema mit den Alten, und sei es der Knoten in der Schilddrüse oder die Schwellung in der Prostata. Mit ihrer freundlich-ruppigen Art kommt sie gut an; vielleicht auch, weil sie viele Jahre als Altenpflegerin gearbeitet hat. Sie macht sich Gedanken über das altersgerechte Wegsperren: »Viele Insassen beschäftigt die bittere Frage: Werde ich hier mit den Beinen zuerst rausgetragen oder nicht? Doch so gut wie hier haben es die Alten draußen nicht. Viele dort vereinsamen ganz bitterlich. Dagegen ist das Leben hier drinnen Luxus pur.«
Auch alte Menschen, die inhaftiert sind, müssten eben Bedingungen vorfinden, die lebenswürdig seien, fordert Andrea Ast, die Sozialpädagogin der Station. »Das ist ein Luxus, den sich unsere Gesellschaft leistet. Wir bieten ihnen wirklich viel an. Mit Bespaßung hat das nichts zu tun.« Die kleine Frau mit den großen schwarzen Locken ist es leid, ständig den Vorwurf zu hören, ihren Alten gehe es zu gut. »Sie dürfen nicht vergessen: Trotz alledem ist Freiheitsentzug eine drastische Maßnahme. Ein Ort mit Mauern, Stacheldraht und Panzerglas ist alles andere als eine Idylle!«
Ast sieht ganz andere Probleme auf die JVA Waldheim zukommen. Das Thema Demenz sei auf der Seniorenstation schon längst virulent. Immer öfter würden Inhaftierte mehrmals hintereinander nach Tabletten fragen oder wie kleine Kinder auf dem Gang stehen und unverständlich vor sich hinsprechen. »Noch schmunzeln wir darüber«, sagt die Sozialpädagogin. Aber was passiere, wenn diese Menschen wirklich zu Pflegefällen werden, wenn sie nicht nur vergesslich sind? »Darauf«, sagt Andrea Ast, »sind selbst wir noch nicht vorbereitet.«
Ihre Kollegin Ines Föhre erzählt von Gefangenen, die sich keine Socken mehr anziehen können – und dass da schon mal der JVA-Beamte oder ein jüngerer Häftling helfen müsse. »Was aber, wenn die Herrschaften für uns wirklich zum Problem werden, wenn sie den laufenden Betrieb richtig stören?« Föhre berichtet, dass in ihrer Anstalt Personal fehlt und dass im zuständigen Haftkrankenhaus Leipzig noch keine Pflegebetten für Gefangene aus Waldheim vorgesehen sind. Wer also soll für die Alten sorgen? Die Leiterin der Seniorenabteilung sagt, sie hoffe, dass sie und ihre Kollegen in diese Aufgabe hineinwachsen, dass sie der Sache Herr werden. Sie stellt aber auch die Frage nach dem Sinn der Strafe: »Was ist, wenn Menschen ihre Tat nicht mehr als Straftat sehen, wenn sie einfach nicht mehr wissen, warum man ein Kind nicht vergewaltigen, eine Frau nicht ermorden darf?« Föhre fügt hinzu: »Ab einem bestimmten Alter halte ich eine Aufarbeitung der Straftat für schlichtweg unmöglich.« Eine Lösung für dieses Problem hat sie allerdings nicht parat.
- Dokumentarfilm
Bis zum bitteren Ende – Lebensabend hinter Gittern heißt der Dokumentarfilm unserer Autorin Adina Rieckmann. Er läuft in der Reihe Exakt – Die Story am 25. Juli um 20.45 Uhr im MDR.
Nachfrage schließlich bei Joe Bausch, Gefängnisarzt der Justizvollzugsanstalt Werl, der größten in Deutschland. Für den Mann, der als Pathologe im Kölner Tatort einem Millionenpublikum bekannt wurde, ist das Thema nicht neu – und seine Ansicht lautet: »Wenn ich mit dem Gefangenen keine Gespräche mehr führen kann, weil der Alzheimer zu weit fortgeschritten ist, dann ist Schluss«, sagt er. »Dann muss ich die Reißleine ziehen. Hier hat das Gesetz seine Gültigkeit verloren. Hier macht Strafe keinen Sinn mehr. Der gehört nicht mehr ins Gefängnis, der muss woanders hin.« Doch die Frage bleibt: Wohin?
Manfred Altmeier, der Häftling im 84. Lebensjahr, ist froh, dass er sich darüber keine Gedanken machen muss. Er will unbedingt durchhalten. Er will nicht im Knast sterben. Auf keinen Fall. Er weiß selbst, dass dies ein sehr frommer Wunsch ist. An seinem Entlassungstag wäre er 87 Jahre alt.
*Name von der Redaktion geändert







Mit Unterbrechungen hat er bereits 25 Jahre lang eingesessen; wegen Unterschlagung, sexueller Nötigung, Brandstiftung. Diesmal wegen Totschlags.
.
Wer 3/4 seines Lebens wegen übler Delikte im Gefängnis verbringt, darf sich IMHO nicht wirklich wundern, dass seine Familie die Nase voll hat von ihm.
.
Mein Mitleid ist überschaubar.
Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf persönliche Anfeidungen. Danke, die Redaktion/fk.
Der Delinquent ist 84 Jahre alt; davon saß er ca. 25 Jahre im Gefängnis; wie kommen Sie auf: 3/4 des Lebens im Knast?
Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf persönliche Anfeidungen. Danke, die Redaktion/fk.
Der Delinquent ist 84 Jahre alt; davon saß er ca. 25 Jahre im Gefängnis; wie kommen Sie auf: 3/4 des Lebens im Knast?
aber wenn es tatsächlich so ist wie hier beschrieben, dann geht es diesen Menschen einfach viel viel zu gut
- ab 60 müssen sie kaum noch arbeiten, und nicht straffällige Menschen arbeiten bis 65 und zukünftig bis 67?
- Doch - Das Programm ist Bespaßung. Wenigstens dann wenn man dieses Leben mit dem vieler alter Menschen vergleicht, die nie straffällig waren.
würde ich nicht unbedingt meinen; den Alten draußen geht es einfach zu schlecht. Kaum Geld zu leben haben viele Rentner, viele alte Leute sammeln Pfandflaschen um an etwas mehr Geld zu kommen.
würde ich nicht unbedingt meinen; den Alten draußen geht es einfach zu schlecht. Kaum Geld zu leben haben viele Rentner, viele alte Leute sammeln Pfandflaschen um an etwas mehr Geld zu kommen.
würde ich nicht unbedingt meinen; den Alten draußen geht es einfach zu schlecht. Kaum Geld zu leben haben viele Rentner, viele alte Leute sammeln Pfandflaschen um an etwas mehr Geld zu kommen.
Och, die armen Täter, die tun mir jetzt aber leid! Warum kann Knast nicht erfreulicher sein?
War ein Scherz. Gegen Leiden im Knast gibt es ein ganz einfaches Mittel: nicht straffällig werden.
Die ZEIT betreibt hier schönfärberische Täter-Berichterstattung, die man aus deutschen Presse gewohnt ist. Berichtet doch mal über die Opfer, wie es denen im Alter geht.
Ich jedenfalls freue mich, dass die Täter im Knast sitzen, bis sie schwarz werden. Mein Mitleid hält, wie schon von einem Vorposter geschrieben, ein sehr engen Grenzen.
Wenn ich die bisherigen Forenbeiträge lese, so bekomme ich den Eindruck, daß diese Foristen emotional und sozial noch im Mittelalter sind.
Was ist das für eine christliche Nächstenliebe, wenn gefordert wird, daß Menschen, die gefehlt haben, leiden sollen? Es reicht doch, wenn diese Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Alles darüber hinausgehende verletzt die Menschenwürde und ist einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig. Auch ein Gefangener hat ein Recht auf seine Menschenwürde.
Und denen, die keine schweren Straftaten begangen haben geht es SCHLECHTER als denen im Knast.
Das hat mit Nächstenliebe rein gar nichts zu tun sondern mit einer schrecklich dämlichen heuchlerischen Sicht auf die Dinge!
Lohnt sich also doch einfach jemaden umzubringen, damit man dann im hohen Alter sein Leben in der JVA leben kann - das ist dort nämlich schöner als in einem "stink normalen Altenheim". Nächstenliebe, ich könnte lachen wenn ich nicht heulen müsste über solch einen verqueren Kommentar!
Wahrscheinlich haben die beiden minderjährigen Nichten und deren Eltern auch so ein mittelalterliches Rachebedürfnis und sind unzufrieden damit, dass es nun dem Mann der sie sexuell mißbraucht hat im Alter besser geht als manch altem Menschen, der so etwas eben nicht getan hat. Wie rückständig!
Und denen, die keine schweren Straftaten begangen haben geht es SCHLECHTER als denen im Knast.
Das hat mit Nächstenliebe rein gar nichts zu tun sondern mit einer schrecklich dämlichen heuchlerischen Sicht auf die Dinge!
Lohnt sich also doch einfach jemaden umzubringen, damit man dann im hohen Alter sein Leben in der JVA leben kann - das ist dort nämlich schöner als in einem "stink normalen Altenheim". Nächstenliebe, ich könnte lachen wenn ich nicht heulen müsste über solch einen verqueren Kommentar!
Wahrscheinlich haben die beiden minderjährigen Nichten und deren Eltern auch so ein mittelalterliches Rachebedürfnis und sind unzufrieden damit, dass es nun dem Mann der sie sexuell mißbraucht hat im Alter besser geht als manch altem Menschen, der so etwas eben nicht getan hat. Wie rückständig!
'Die Männer werden auf andere Weise körperlich mobil und geistig fit gehalten. Statt Muckibude und Antigewalttraining gibt es für sie Kochkurse und Rückengymnastik, Spielegruppen, Billard und Kinonachmittage sowie täglich zweimal die Möglichkeit zum Hofspaziergang. Wer möchte, kann unter geschulter Anleitung Körbe flechten oder sich in Maltechniken üben. Für die sportlich ambitionierten unter den Rentnern steht die Tischtennisplatte bereit. "
wirklich? Meine Grosseltern die von ihrer bescheidenen Rente leben koennen von sowas doch nur traeumen...
... recht nicht tagsüber. "
Glaubt er es würde besser unter einer Brücke? Außerhalb des Gefängnis wird seine Rente vermutlich nicht genügend hoch sein für ein Pflegehaus.
Das mag für diese alten Herrschaften bestimmt nicht so schön sein im Knast.
Andere Herrschaften aber, die sich ihr Leben lang fleißig den Rücken krumm geschuftet haben und niemanden getötet, misshandelt, bestohlen haben (man kommt ja nicht ohne Grund für so eine lange Zeit in die JVA), leben jetzt im hohen Alter in schlechteren Umständen als die Herrschaften in der Senioren-JVA. Da ist zumindest IMMER jemand wenn es was passiert!
Von daher bin ich recht geizig mit Mitleid!
....kann man eine schwere Straftat begehen.
....kann man eine schwere Straftat begehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren