Sopranistin99 Fragen an Anna Netrebko

Putin oder Medwedew, Borschtsch oder Austern? Und wie geht es eigentlich der Stimme des weltgrößten Opernstars? Moritz von Uslar hat die Primadonna in München getroffen.

Die russische Primadonna Anna Netrebko

Die russische Primadonna Anna Netrebko

Das Mandarin Oriental in München. Der Opernstar wohnt hier, weil es angeblich das einzige Hotel in München mit luftzugdichten Fenstern ist (im Bayerischen Hof zum Beispiel soll es ziehen). An der Münchner Staatsoper hat sie gerade eine umjubelte Bellini-Oper absolviert (»I Capuleti e i Montecchi«), es folgten krankheitsbedingte Absagen (»Don Giovanni« in Berlin, Salzburger Pfingstfestspiele). Die Frage lautet natürlich: Wie geht es ihrer Stimme? War das jemals eine große Stimme oder immer nur eine ganz schöne? Bei einigen Opern-Connaisseuren heißt es: Das ist eine erschöpfte Stimme, da kommt nicht mehr viel. Eine anders wohlklingende Meinung lautet: Die Netrebko habe jetzt, vielleicht zum ersten Mal in ihrer Karriere, eine wirklich gute Stimme: dunkler, wärmer, reicher als je zuvor. Der Hörer kann sich also aussuchen, als wie unverwechselbar er die reife Stimme des größten Opernstars der Welt empfindet. Eine Dreiviertelstunde Interviewzeit: Was soll man da besprechen außer das niemals endende Stimmendrama des größten Soprans nach Maria Callas? Den üblichen Kitsch des Starlebens natürlich (Liebe, Eifersucht, Kochrezepte). Frau Netrebko lässt sich jetzt erst mal die Haare föhnen. Sie ist stark geschminkt, sie trägt ein orangerot leuchtendes Kleid. Gerüchte, sie habe sagenhaft viel Gewicht zugelegt, treffen nicht zu. Sie sieht auf natürliche Art nicht dünn, aber auch nicht dick aus – wie ein buntes, süßes Bonbon: erfreuliche Erscheinung. Wir werden am Kopfende eines Konferenztisches platziert. Sie hat darum gebeten, dass die Fragen nicht zu schnell gestellt werden: Verständigungsprobleme. Wir lassen es gerne langsam angehen.

1 Verdi oder Puccini?

Unmöglich zu entscheiden.

2 Donizetti oder Puccini?

Auch das kann kein Mensch entscheiden.

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3 Putin oder Medwedew?

Derzeit: Putin.

4 New York oder St. Petersburg?

Eine Stadt nach der anderen: Ich bewege mich in Zirkeln.

5 Borschtsch oder Austern?

Borschtsch.

6 Demokratie oder Monarchie?

Ich verstehe nichts von Politik. Monarchie klingt sympathisch, aber ich denke, diese Staatsform hat ihre große Zeit hinter sich.

7 Liebe oder Karriere?

Natürlich die Liebe.

8 Lieber das hohe C oder das tiefe A?

Das hohe C.

Anna Netrebko

40, geboren in Krasnodar, Russland, ist die bekannteste weibliche Opernstimme der Welt. Bei den diesjährigen Salzburger Festspielen singt Netrebko, die mit dem Bariton Erwin Schrott liiert ist, die Mimi in La Bohème.

Ihr süßes russisches Englisch. Der Opernstar lässt jetzt die frisch geföhnten Haare in die Stirn fallen, lächelt von unten: macht sie super. Das ist natürlich ihr Charme – dass sie sich unterordnet, dass sie ihr Frausein ausspielt. Ist das verboten? Es ist ja auch klar, dass unter der zugeschminkten Lächelfassade beinharte Disziplin und ein eisenharter Wille wohnen: Karrieremaschine Netrebko. Kein Mensch wird nur mit einem süßen Lächeln der größte Opernstar der Welt.

9 Einverstanden, dass Sie mittlerweile auf eine lange Karriere zurückblicken?

18 Jahre! Das ist eine lange Zeit.

10 Stimmt die Geschichte, dass Sie am Anfang Ihrer Karriere davon träumten, Musicals zu singen?

Ich wollte ein Musical-Star in St. Petersburg werden. Mein Lieblingsmusical hieß Das Phantom der Oper.

11 Stimmt die romantische Geschichte, dass Sie zu Beginn Ihrer Karriere die Toiletten im Mariinski-Theater in St. Petersburg geputzt haben?

Niemals Toiletten. Ich habe die Fußböden am Eingang des Theaters gewischt – eine anspruchsvollere Aufgabe als das Reinigen der Toiletten. Die Leute tragen den Matsch und den Schnee ins Theater, der Winter dauert in St. Petersburg sechs Monate. Die Böden müssen während des ersten Aktes gereinigt werden, wobei man sich ranhalten muss: Im Ballett dauert ein Akt oft nicht länger als 15 Minuten. Ich habe damals praktisch kein Geld verdient: 17 Rubel in der Stunde.

12 Stimmt die schöne Geschichte, dass ein rotes Seidenkleid Ihre Karriere in Gang gebracht hat?

Sie sprechen vom roten Kleid der Salzburger Traviata- Aufführung. Ich glaube nicht an diesen Mythos. Wahr ist, dass das Foto dieser Aufführung um die ganze Welt gegangen ist.

13 Hat man Sie am Anfang Ihrer Karriere allein deshalb nicht ganz ernst genommen, weil Sie so hübsch aussahen?

Mein Aussehen war nie von Nachteil.

14 Was schulden Sie persönlich Verdis »La Traviata«?

Keine Ahnung. Super Oper. Danke, Mr. Verdi.

15 Was schulden Sie Mozarts »Hochzeit des Figaro«?

Das war mein Debüt. Danke, Mr. Mozart.

16 Jemals davon geträumt, ein gut aussehender Tenor zu sein, der das »Perlenfischer«-Duett singt?

Lustig, ja. Dieser Traum ist mir vertraut.

17 Jemals davon geträumt, mit dem unvergleichlichen Tenor Paul Potts ein Duett zu singen?

Dieser Mann ist mir sehr sympathisch. Aber ich denke doch, wir arbeiten in verschiedenen Berufen. Er ist eher Entertainer.

18 Jemals auf einem Kreuzfahrtschiff wie der »Queen Mary II« aufgetreten?

Für mich sind Kreuzfahrtschiffe schwierig: Mich beklemmt die Vorstellung, für längere Zeit an einem Ort eingesperrt zu sein.

19 Wahre Geschichte, dass ihr Opernsänger sehr alt werdet?

Wahr ist, dass Opernsänger ein sehr bewusstes Leben führen müssen. Sie ernähren sich gesund, ruhen sich viel aus, halten ihre Lungen in einem guten Zustand. Sie nehmen ihre Gesundheit ernst.

20 Haben Sie als Opernsängerin viel Geld verdient?

Ich habe ziemlich gutes Geld verdient. Aber ich arbeite auch wie ein Teufel.

Leserkommentare
    • Panic
    • 15.07.2012 um 17:22 Uhr

    Puuuh, aber wie langweilig. Enttäuschend unpolitisch und ängstlich. Kein Chrarakterkopf. Dementsprechend schlummert auch das I-View vor sich hin.

    cheers

    2 Leserempfehlungen
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    Ich lasse lieber Menschen die Anna Netrebko persönlich kennen über ihren Charakter entscheiden. Dass sie keine "mutigen" Antworten von sich gibt finde ich gut; sonst wird man nur von Medien und (anonymen) Community-Kommentaren verrissen. Einige Fragen waren interessant, andere langweilig. Alles in allem hat es sich gelohnt dieses Interview zu lesen.

    Ich lasse lieber Menschen die Anna Netrebko persönlich kennen über ihren Charakter entscheiden. Dass sie keine "mutigen" Antworten von sich gibt finde ich gut; sonst wird man nur von Medien und (anonymen) Community-Kommentaren verrissen. Einige Fragen waren interessant, andere langweilig. Alles in allem hat es sich gelohnt dieses Interview zu lesen.

  1. Ich lasse lieber Menschen die Anna Netrebko persönlich kennen über ihren Charakter entscheiden. Dass sie keine "mutigen" Antworten von sich gibt finde ich gut; sonst wird man nur von Medien und (anonymen) Community-Kommentaren verrissen. Einige Fragen waren interessant, andere langweilig. Alles in allem hat es sich gelohnt dieses Interview zu lesen.

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    Antwort auf "Tolle Stimme"
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    • Panic
    • 15.07.2012 um 18:14 Uhr

    Es wäre ja auch schrecklich, wenn man von den Medien oder gar unbekannten Kommentatoren wie ich einer bin, zerrissen wird. Gott sei Dank gab es in der Geschichte Menschen, denen das hinten rum ging.

    Wenn Sportler das können, dann sollte Fr. Netrebko das doch auch hinkriegen. In meinen Augen ist das sogar ihre Pflicht. Gerade unter einer fragwürdigen russischen Regierung wie die Putins. Ansonsten empfehle ich Ihnen heute Abend auf ARTE (22.40 Uhr) eine Dokumentation über große ehemalige und noch aktive Fußballer, denen es wichtig war und ist, in ihrem Heimatland etwas zu verändern. Und ich wette: Ein 99 Fragen I-View mit Drogba wäre eine Offenbarung. Auch für Fr. Netrebko.

    Und nochmal: cheers

    • Panic
    • 15.07.2012 um 18:14 Uhr

    Es wäre ja auch schrecklich, wenn man von den Medien oder gar unbekannten Kommentatoren wie ich einer bin, zerrissen wird. Gott sei Dank gab es in der Geschichte Menschen, denen das hinten rum ging.

    Wenn Sportler das können, dann sollte Fr. Netrebko das doch auch hinkriegen. In meinen Augen ist das sogar ihre Pflicht. Gerade unter einer fragwürdigen russischen Regierung wie die Putins. Ansonsten empfehle ich Ihnen heute Abend auf ARTE (22.40 Uhr) eine Dokumentation über große ehemalige und noch aktive Fußballer, denen es wichtig war und ist, in ihrem Heimatland etwas zu verändern. Und ich wette: Ein 99 Fragen I-View mit Drogba wäre eine Offenbarung. Auch für Fr. Netrebko.

    Und nochmal: cheers

    • Panic
    • 15.07.2012 um 18:14 Uhr

    Es wäre ja auch schrecklich, wenn man von den Medien oder gar unbekannten Kommentatoren wie ich einer bin, zerrissen wird. Gott sei Dank gab es in der Geschichte Menschen, denen das hinten rum ging.

    Wenn Sportler das können, dann sollte Fr. Netrebko das doch auch hinkriegen. In meinen Augen ist das sogar ihre Pflicht. Gerade unter einer fragwürdigen russischen Regierung wie die Putins. Ansonsten empfehle ich Ihnen heute Abend auf ARTE (22.40 Uhr) eine Dokumentation über große ehemalige und noch aktive Fußballer, denen es wichtig war und ist, in ihrem Heimatland etwas zu verändern. Und ich wette: Ein 99 Fragen I-View mit Drogba wäre eine Offenbarung. Auch für Fr. Netrebko.

    Und nochmal: cheers

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    Antwort auf "Kein Charakterkopf?"
  2. Es mag vielleicht unschön sein....

    Aber es soll durchaus Russen geben - priveligierte Russen - die an dem Regime Putin nichts auszusetzen haben.

    Würde sie das offen zugeben, hätte sie mit dem Verkauf ihrer Klangträger und einigen Besuchern ihrer Auftritte vermutlich ein Problem.

    • optun
    • 15.07.2012 um 22:45 Uhr

    Frau Netrebko hat sehr realistisch geantwortet. Unsinn ist es schon wieder, dass ein Diskutant hier tönt, dass nur priviligierte Russen zu Putin stehen. Eine Unfrage ergab, dass 62% der Russen zu Putin stehen. Dies würde ich einmal in Deutschland erfragen. Heute gingen übrigens satte 27% der Bürger von Halle/Saale zur Wahl, um den Oberbürgermeister zu wählen. Mit Putin nimmt Russland eine steile Entwicklung, da können wir nur von träumen.

    • Gerd R
    • 16.07.2012 um 9:30 Uhr

    was sollen so schwachsinnige Fragen, wie: "Sind alle Russen Gangster?" Soll das eine Beleidigung sein? Wo ist das Niveau?

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  3. Liebe Zeit,
    wer hat sich denn das ausgedacht.So einen flachen Mist habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
    Ich würde mancher Schülerzeitung unrecht tun wenn ich diese als Vergleich für Ihre willkürliche,geistlose Befragung heranziehen würde.
    Nix für ungut.Das war unterirdisch. Gute Besserung.

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  4. ... als hätte diese schon beim SZ-Magazin abgedroschene 100-Fragen-Masche endgültig ausgedient, und keiner mag es zugeben.

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