Kommt es? Und wie wird es aussehen? Seit einiger Zeit gibt es Anzeichen dafür, dass die chinesische Regierung ein neues Konjunkturprogramm plant. Die Geldpolitik wurde gelockert, die Investitionen wurden erleichtert, und vielleicht folgt bald noch mehr. Das wären gute Nachrichten für China und auch für Europas Exporteure. China ist der wichtigste Handelspartner der Europäischen Union.

Aus europäischer Sicht wirken Chinas Sorgen luxuriös: Im ersten Quartal dieses Jahres wuchs die Wirtschaft um 8,1 Prozent, im zweiten wahrscheinlich nur noch um 7,7 Prozent. Damit ist das Wachstum aber so gering wie seit der Krise 2008 nicht mehr. Für die Regierung stellt sich die heikle Frage: was tun?

Bloß keine Neuauflage von 2008, warnen die meisten. Damals legte die Regierung schon mal ein gewaltiges Konjunkturprogramm auf; umgerechnet 628 Milliarden Dollar wurden in die Wirtschaft gepumpt. Damit gelang es zwar, den Absturz zu verhindern, die Nebenwirkungen aber waren unschön. Die Geldschwemme trieb die Inflation nach oben, der Immobilienmarkt überhitzte. Gleichsam über Nacht segnete die Zentralregierung unzählige Bauprojekte der Lokalregierungen ab. Niemand schaute darauf, was genau gebaut wurde und zu welchem Preis. Die Folge waren Mammutprojekte, die kein Mensch braucht. Jetzt sitzen die Banken auf zahllosen faulen Krediten.

Die Regierung will vorsichtig vorgehen

Das neue Konjunkturprogramm wird deshalb wohl kleiner ausfallen. Chinas Regierung will vorsichtiger vorgehen. Doch auch das ist alles andere als einfach. Denn wie will man einerseits die Wirtschaft ankurbeln, andererseits aber vermeiden, die ungesunden Gewohnheiten zu zementieren, unter denen die chinesische Wirtschaft ohnehin schon leidet?

Beispiel Geldpolitik: Überraschend senkte die Zentralbank zum zweiten Mal in nur einem Monat die Leitzinsen. Zuvor wurden die Anforderungen an die Mindestreserven, die Banken halten müssen, reduziert. Wird der Leitzins gesenkt, verbindet sich damit für gewöhnlich die Hoffnung, dass der Konsum anspringt und es zu mehr Investitionen kommt. Weil aber der Anteil der Investitionen am Bruttosozialprodukt in China zuletzt ohnehin schon bei fast 50 Prozent gelegen habe, sei das ein Schritt in die falsche Richtung, glaubt etwa Patrick Chovanec, Professor an der Qinghua-Universität.

Zudem senke ein niedriger Zinssatz auch den Wert von Sparguthaben. Statt die Sparguthaben aufzulösen und das Geld fröhlich auszugeben, reagierten Chinesen im Gegenteil ganz anders: Sie sparten noch mehr. Chovanecs Fazit: Die Zinssenkung verschlimmert die strukturellen Probleme noch weiter. »Man gräbt ein tieferes Loch, statt aus ihm herauszuklettern.«