Kalifornien : Weich gelandet

Wo immer es eigentlich hingehen sollte – Kalifornien ist auch nicht schlecht
Gestrandet in San Francisco: Das kann für eine Woche schön sein, danach schwindet die hippieske Leichtigkeit. © Robert Galbraith/Reuters

»Für den Flug von Los Angeles nach Frankfurt habe ich Sie jetzt erst einmal auf Stand-by«, sagte die Frau am Check-in-Schalter am Flughafen in Auckland. Und schaute zu dem Fernseher hinauf, der über ihrem Schalter hing. Auf dem Bildschirm waren Straßensperren und Militärjeeps zu sehen, grimmige Soldaten und sehr viele sehr ängstlich dreinschauende Zivilisten. Die Fernsehbilder stammten von Fidschi, und bis vor knapp zehn Minuten wollte ich da noch hin. Für ein paar Tage. Von Neuseeland aus. Ein Südsee-Zwischenstopp, um den Heimflug nach Frankfurt nicht ganz so lang werden zu lassen.

Aber dann hatte genau in jenem Moment, als ich an den Schalter trat, ein aufgeregter CNN-Moderator im Fernsehen Breaking News angekündigt: Putsch in Fidschi! Militär rückt aus den Kasernen aus! Amerikanische Touristen sicher im Hotel! Die Frau am Schalter und ich sahen uns das eine Weile an und beschlossen beide, den Zwischenstopp ausfallen zu lassen. Stattdessen sollte es via L.A. gleich zurück nach Frankfurt gehen. »Erklären Sie das einfach den Kollegen drüben«, sagte die Frau noch. »Ist dann kein Problem.«

Zwölf Stunden später hatten die Kollegen in L.A. genau das: ein Problem nämlich. Mit mir. Und meiner spontanen Umbuchung. Die Airline-Frau schaute konsterniert. Nach Frankfurt? Mit der Anschlussmaschine? »Unmöglich. Wir sind überbucht. Hauptreisezeit. Hat man Ihnen das in Auckland nicht gesagt?« Hatte man nicht. Vielleicht ginge es ja mit einem Upgrade? »Die Business ist voll.« Und wenn man von dort jemanden...? »Die First ist auch voll.« Und jetzt? Die Airline-Frau war nun ein wenig genervt, sie schielte an mir vorbei auf die Schlange, die sich gebildet hatte. »Ich kann Sie höchstens für den nächsten Flug auf Stand-by setzen.« Und wann wäre der? »Heute in einer Woche.«

Stefan Nink

47, lebt in Mainz. Demnächst erscheint sein Roman Donnerstags im Fetten Hecht

So bin ich also in Los Angeles gestrandet. Beziehungsweise: In Kalifornien – in L.A. kann man es ja keine Woche aushalten. Es war die Zeit des extrem teuren Dollar. Noch bevor ich aus dem Airport war, hatte ich ein Vermögen für sieben Tage kleinste Wagenklasse ausgegeben, weil man bei den Mietwagenverleihern natürlich nur auf jemanden wie mich gewartet hatte.

Das Gestrandetsein kam dann aber doch ziemlich gut. Das Wetter war makellos, im Radio liefen die Eagles, und die Strecke an der Küste entlang, hinauf nach San Francisco, machte den Eindruck, als habe sie sich extra für mich herausgeputzt. Den zufälligen Besucher. Den Glücklichen, der hier gelandet war und nicht mitten in einem Militärputsch in Fidschi.

Kurz vor Big Sur stand dann sogar eine Anhalterin am Highway. Sie sah aus, wie Anhalterinnen in Kalifornien auszusehen haben, gebatikt und blond und ausgestattet mit einem Lächeln, das ich am liebsten eingepackt hätte, für den nächsten Schlechtwettertag zu Hause, aber da war sie leider auch schon wieder ausgestiegen (auf einem Panoramaparkplatz, wo ein Surfertyp auf dem Dach seines VW-Busses meditierte). Trotzdem war meine Laune gut. Kalifonien könne sowas ja mit einem machen, heißt es immer. Kann es tatsächlich.

Ich war dann in Monterey und Carmel und San Francisco, und eine Woche nach meiner Ankunft wieder am Airport in Los Angeles, mittlerweile versehen mit einer gewissen hippieesken Leichtigkeit. Die allerdings erhielt einen leichten Dämpfer, als ich den Mietwagen zurückgab – und dieselben, spöttisch grinsenden Angestellten wie eine Woche zuvor Dienst hatten. Auch am Check-in-Schalter der Airline saß dieselbe Frau wie in der Vorwoche, es war ein bisschen so wie in Und täglich grüßt das Murmeltier. Leider kam mir dann auch der Dialog mit ihr sehr bekannt vor. Nach Frankfurt? Heute? Mit einem Stand-by-Ticket? »Wir sind überbucht. Hauptreisezeit.« Ein Upgrade? »Die Business ist voll.« Und jetzt? »Ich kann Sie höchstens für den nächsten Flug auf Stand-by setzen. Versuchen Sie es einfach in einer Woche nochmals, ja?«

Nun haben auch Reisejournalisten nicht unbegrenzt Zeit und auch keine unerschöpflichen finanziellen Reserven. Deswegen wurde es dann am Check-in-Schalter ein wenig laut. Deswegen kam dann der Manager herbeigeeilt. Deswegen gab es dann tatsächlich irgendwann einen Platz in der Maschine nach Frankfurt.

Auf dem Rückflug lief dieser Film mit Tom Hanks, in dem er einen Schiffbrüchigen spielt. Der war vielleicht gestrandet, Mannomann.

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Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

"Verschollen" gekürzt oder künstlerische Freiheit des Autors?

Netter Artikel, ist eine Kleinigkeit, aber interessiert mich gerade:

Lief da wirklich "Verschollen" (Cast away) mit Tom Hanks im Bordfernsehen? Oder ist das die künstlerische Freiheit, die sich der Autor rausgenommen hat, damit der Text einen schönen Schluss hat?

Im Bordfernsehen von Flugzeugen ist es absolut undenkbar einen Film mit einem krass dargestellten Flugzeugabsturz zu sehen, deshalb frage ich. Also, künstlerische Freiheit? Oder war der Film so gekürzt, dass Tom Hanks in der einen Szene vergnügt im Flugzeug war und in der nächsten auf der einsamen Insel? (wenn man nicht nur den Absturz, sondern auch die heftigen Turbulenzen rausschneidet, muss man ganz schön viel schneiden...)

Heisse Luft

Ja, die kuenstlerische Freiheit... Der Coup in Fiji ist nun 6 Jahre her und das Land mittlerweile auf dem Weg zu demokratischen Wahlen. Und was erfahre ich ueber Kalifornien, auf das mich Stefan Nink am Anfang der Story so neugierig gemacht hat? Nicht viel mehr als dass er eine blonde Anhalterin mitnahm. Der Rest sind heisse Luft und Geplaenkel am Check-In-Schalter. Traveller-Gefasel auf niedrigstem Niveau und absolut nicht Zeit-gemaess.

nichts dolles

Werbung für sein Buch ist der Text nicht. Ich hoffe, die ZEIT hat dafür kein Geld ausgegeben...wobei man sich mittlerweile wundern muss, wofür Honorar ausbezahlt wird. Namen vor Leistung...naja, ein alter Hut in Deutschland; die "Kultur"-szene hierzulande ist in der Tat zuoft Heiße Luft. Sie be(s)täubt sich selbst.

Das was Herr Nink über Kalifonien schreibt, kann man in jedem zweitklassigen Reiseführer lesen. Wenn es statt des Stockfotos wenigstens zwei, drei Aufnahmen gegeben hätte, die mal was anderes als die Golden Gate zeigen...Gibt doch genug zu sehen in Kalifornien, vor allem auf dem Highway 1.

Um der Story gerecht zu werden, hätte ich sogar ein Bild seines Mietwagens vorgezogen. Aber wir wollen dankbar sein, ho ho.

Putsch in Fiji

Wir sind einige Tage nach dem Putsch nach Fiji gereist und abgesehen von zwei Posten an der Straße haben wir über zwei Wochen hinweg nichts problematisches mitbekommen. Fiji hat eine gewisse Tradition was Putsche angeht und sie laufen erfahrungsgemäß gewaltfrei ab (man will sich ja auch nicht die Einnahmequellen aus dem Tourismus kaputt machen)