Anders als einst der bankrotte Sowjetsozialismus fordert der Erfolg des autoritären chinesischen Staatskapitalismus die Demokratien des Westens in sehr grundsätzlicher Weise heraus. Da ist es etwas überraschend, wenn Schmidt und Heilmann schreiben, ein »umfassender politisch-ökonomisch-ideologischer Systemwettbewerb« sei nicht zu erkennen. Das ist er durchaus, auch wenn der Skandal um das geschasste Politbüromitglied Bo Xilai die dunklen Seiten des chinesischen Modells, die Abgründe der Diktatur soeben brutal offengelegt hat.

Wenn aber China seine Führungskrise überwindet, wenn es seinen wirtschaftlichen Aufstieg fortsetzt, wenn es die überfälligen politischen Reformen in Angriff nimmt, dann wird es für manche Schwellenländer eine attraktive Alternative bleiben. Zu »Selbstgefälligkeit«, da haben die Autoren recht, gibt es für Europäer und Amerikaner keinen Grund. Die Herausforderung China werden sie so bald nicht los.

Die historische Pointe, resümieren Schmidt und Heilmann: In einer paradoxen Umkehrung der Verhältnisse könnten sich Europa und die USA in der Lage der Qing-Dynastie gegen Ende des 19. Jahrhunderts wiederfinden – bestimmt von »politischen Beharrungskräften, wirtschaftlichen Wettbewerbsschwächen und moralischen Überlegenheitsvorstellungen«. Das kaiserliche China hat so seine Zukunft verspielt. Etwas klüger sollte der Westen es schon anstellen.