Liebeskolumne: Darf man über den Tod des Partners witzeln?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Darf man über den Tod des Partners witzeln?
Die Frage: Eine Geburtstagsparty, vorgerückte Stunde, alte Freunde – drei Paare, alle über sechzig, noch rüstig, das Geburtstagskind ist 65 Jahre alt geworden, will aber, da freiberuflich tätig, noch nicht in Rente gehen.
Plötzlich greift eine Frage um sich: Ob es besser sei, als Erste(r) zu sterben in einem Paar? »Erlaube dir bloß nicht, vor mir zu sterben!«, sagt ein Mann zu seiner Angetrauten. »Wie soll ich denn dann klarkommen?« – »Selbst da willst du mir noch hineinreden? Meinst du, mir macht es Spaß, übrig zu bleiben und die Zeitungsausrisse zu sortieren, die du seit zehn Jahren stapelst?« – »Ihr seid makaber!«, mischt sich nun eine Dritte ein. »Lass sie doch, sie erzählen sich Gespenstergeschichten!«, sagt das Geburtstagskind.
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Gespenstergeschichten sind dazu da, Ängste zu mildern, indem sie diese kontrolliert beschwören und die Hintertür offen halten: Es ist ja nur eine Fabel! So wie wir nach Gruselfilmen erleichtert aus dem Kino treten, in eine Welt ohne Zombies, steckt auch im Streit um die Poleposition im Sterben der Triumph: Noch leben wir!
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Über Paare, die sich mit solchen Gedanken humorvoll quälen, mache ich mir keine Sorgen. Ihre Angst, den anderen zu verlieren, sagt ja, wie froh sie sind, ihn zu haben. Der Partner, über dessen Verlust gewitzelt wird, hat in dieser Fantasie noch alles, was ihn unentbehrlich macht – nie ist er pflegebedürftig, hinfällig, nie wünscht er sich den Tod als Erlöser.
- Wolfgang Schmidbauer
ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen










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