Jeder ist froh, wenn nach der Landung der eigene Koffer auf dem Transportband auftaucht. Je rascher, desto besser. Dieter Morszeck freut sich auch, wenn die Gepäckstücke anderer Leute übers Band ruckeln. Vorausgesetzt, es sind Rillenkoffer aus seiner Produktion. »Es macht mich fröhlich, wenn ich einen sehe.«

Morszeck ist Chef des Kölner Traditionsunternehmens Rimowa. Wenn er über das Unternehmen spricht, strahlt er. Seine Augen leuchten wie bei einem Jungen, der sein erstes Fahrrad geschenkt bekommen hat. Die Freude ist echt. »Spaß« ist eines der Wörter, die der Firmenchef im Gespräch am häufigsten gebraucht.

Von Kindesbeinen an drehte sich im Leben von Dieter Morszeck fast alles um Gepäckstücke. »Ich bin neben der Fabrik aufgewachsen«, sagt der 58-Jährige. Schon als Schüler stand er stundenlang neben den Maschinen und schaute zu, wie ein Koffer hergestellt wurde.

Als Jugendlicher baute er einen Fotokoffer. Den wollte er unbedingt wasserdicht machen. Hektoliterweise goss er mit dem Gartenschlauch Wasser über das Teil. Jeden Tag aufs Neue. Lange erfolglos, die Feuchtigkeit zog nach innen. Nach zwei Jahren war es geschafft. Eine Kunststoffwanne und eine Platte aus Moosgummi im Deckel waren die Lösung. Er war allein darauf gekommen. Nicht wenige hätten auf dieser langen Nassstrecke die Geduld und die Lust verloren. Nicht so Morszeck. »Ich gebe nicht auf, ich gehe immer meinen Weg.«

»Mit so einem Erfolg hatten wir selbst nicht gerechnet«

Die Rimowa-Gruppe zählt weltweit zu den erfolgreichsten Produzenten von Koffern aus Aluminium und Polycarbonat. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 145 Millionen Euro. Eine Steigerung um 45 Prozent gegenüber 2010, mehr als 750.000 Koffer. »Mit so einem Erfolg hatten wir selbst nicht gerechnet«, sagt Morszeck. »Wir verzeichnen eine stetig steigende Auftragslage.«

Sein Großvater Paul fertigte von 1898 an Reisegepäck aus Fichtenholz, beschlagen mit Rindsleder. Dessen Sohn Richard prägte nicht nur den Firmennamen Rimowa, der für »Richard Morszeck Warenzeichen« steht. Er erfand auch 1950 den Klassiker, mit dem die Familie Weltgeltung erlangte: den Aluminiumkoffer mit Rillenstruktur.

Ein Brand in der Fabrik hätte in den Anfangsjahren fast das Aus für den Kölner Kofferproduzenten bedeutet. Aber Richard räumte die verkohlten Holzreste weg und setzte fortan zunächst auf Leichtmetall, später auf Aluminium.

Die Sternstunde des dritten Morszeck, der 1972 in das Familienunternehmen einstieg, schlug vor gut elf Jahren. Ausgerechnet in einer Phase, da die Branche den Schalenkoffer für tot erklärt hatte und Loblieder auf das leichtere Weichgepäck gesungen wurden, glückte dem Firmenerben ein Coup. Er stieß auf Polycarbonat. Ein ebenso leichtes wie robustes Material.