Dieter MorszeckHarte Schale, harter Kern

Dem Alukoffer des Vaters setzte der Rimowa-Chef ein Modell aus Polycarbonat entgegen. Jetzt hebt die Firma ab. von Monika Salchert

Dieter Morszeck

Dieter Morszeck  |  © Rimowa

Jeder ist froh, wenn nach der Landung der eigene Koffer auf dem Transportband auftaucht. Je rascher, desto besser. Dieter Morszeck freut sich auch, wenn die Gepäckstücke anderer Leute übers Band ruckeln. Vorausgesetzt, es sind Rillenkoffer aus seiner Produktion. »Es macht mich fröhlich, wenn ich einen sehe.«

Morszeck ist Chef des Kölner Traditionsunternehmens Rimowa. Wenn er über das Unternehmen spricht, strahlt er. Seine Augen leuchten wie bei einem Jungen, der sein erstes Fahrrad geschenkt bekommen hat. Die Freude ist echt. »Spaß« ist eines der Wörter, die der Firmenchef im Gespräch am häufigsten gebraucht.

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Von Kindesbeinen an drehte sich im Leben von Dieter Morszeck fast alles um Gepäckstücke. »Ich bin neben der Fabrik aufgewachsen«, sagt der 58-Jährige. Schon als Schüler stand er stundenlang neben den Maschinen und schaute zu, wie ein Koffer hergestellt wurde.

Als Jugendlicher baute er einen Fotokoffer. Den wollte er unbedingt wasserdicht machen. Hektoliterweise goss er mit dem Gartenschlauch Wasser über das Teil. Jeden Tag aufs Neue. Lange erfolglos, die Feuchtigkeit zog nach innen. Nach zwei Jahren war es geschafft. Eine Kunststoffwanne und eine Platte aus Moosgummi im Deckel waren die Lösung. Er war allein darauf gekommen. Nicht wenige hätten auf dieser langen Nassstrecke die Geduld und die Lust verloren. Nicht so Morszeck. »Ich gebe nicht auf, ich gehe immer meinen Weg.«

»Mit so einem Erfolg hatten wir selbst nicht gerechnet«

Die Rimowa-Gruppe zählt weltweit zu den erfolgreichsten Produzenten von Koffern aus Aluminium und Polycarbonat. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 145 Millionen Euro. Eine Steigerung um 45 Prozent gegenüber 2010, mehr als 750.000 Koffer. »Mit so einem Erfolg hatten wir selbst nicht gerechnet«, sagt Morszeck. »Wir verzeichnen eine stetig steigende Auftragslage.«

Sein Großvater Paul fertigte von 1898 an Reisegepäck aus Fichtenholz, beschlagen mit Rindsleder. Dessen Sohn Richard prägte nicht nur den Firmennamen Rimowa, der für »Richard Morszeck Warenzeichen« steht. Er erfand auch 1950 den Klassiker, mit dem die Familie Weltgeltung erlangte: den Aluminiumkoffer mit Rillenstruktur.

Ein Brand in der Fabrik hätte in den Anfangsjahren fast das Aus für den Kölner Kofferproduzenten bedeutet. Aber Richard räumte die verkohlten Holzreste weg und setzte fortan zunächst auf Leichtmetall, später auf Aluminium.

Die Sternstunde des dritten Morszeck, der 1972 in das Familienunternehmen einstieg, schlug vor gut elf Jahren. Ausgerechnet in einer Phase, da die Branche den Schalenkoffer für tot erklärt hatte und Loblieder auf das leichtere Weichgepäck gesungen wurden, glückte dem Firmenerben ein Coup. Er stieß auf Polycarbonat. Ein ebenso leichtes wie robustes Material.

Leserkommentare
    • CM
    • 23. Juli 2012 20:42 Uhr

    Diese Koffer sind gut und teuer. Früher, auf vielen Reisen, habe ich pro Jahr etwa einen Koffer verschlissen. Widriges Wetter, widrige Umstände und rücksichtslose Handhabung machten allen den Garaus. Für mich rechnet sich so ein teures Teil, denn die halten einfach ewig und machen keine Zicken.

    Wenn Dieter Morszeck allerdings wissen will, was man noch verbessern kann, darf er mich mal anrufen.

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    Oder wäre es nicht einfacher, wenn Sie IHN anrufen würden?

  1. Ich benutze auch Rimowa Koffer doch wusste bisher wenig über das Unternehmen. Scheint so als ob nicht nur die Produkte sondern auch das Unternehmen in Ordnung sind. Qualitativ und optisch gefallen mir die Koffer jedenfalls sehr gut.

  2. ... daß Sie nicht das Schimpfwort Plastik für Polycarbonat (PC) verwendeten.

    Aluminium und Leichtmetall ist meistens das Gleiche. Reines Aluminium taugt für einen Koffer nicht, weil es zu weich ist.

    Wie stabil oder zäh PC ist hängt nicht nur vom Material ab, sondern auch von der Geometrie.
    Man kann da auch Kerben, an denen das Material dann bricht, als Umsatzföderung einbauen.
    Das kommt bei Kunststoffartikeln oft aus Unwissenheit vor.

  3. und wie nachhaltig respektive kreislauffähig ist dieses PC?
    Wohl gar nicht. Damit wird die Umwelt wieder nur extrem stark belastet.

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    • hurt
    • 24. Juli 2012 7:57 Uhr

    den Energieverbrauch mit berücksichtigt, schaut Aluminium nun auch nicht so wahnsinnig toll aus, denn gerade die Herstellung von Aluminium ist extrem Energieintensiv. Da kann mann eine ganze Menge Kunststoffe produzieren. Abgesehen davon sind Kunststoffe eben auch "nur" organische Chemie, also ist langfristig auch ein anderer Rohstoff wie Erdöl denkbar.

    Die Koffer sind auf jeden Fall klasse, und genau so wie ich mir "Wertarbeit" vorstelle. Einmal gekauft, und dann bis in alle Ewigkeit benutzt.

  4. Bitte nicht lästern !

    Aluminium ist sehr energieintensiv. Bis vor ein paar Jahren waren die größten Stromverbraucher die Aluminium Hütten.
    ( Sind inzwischen von Google abgelöst )
    Man kann Alu einschmelzen, es wird dabei aber auch nicht besser und reiner.
    Ein kleiner Teil muß dann auch wieder galvanisch mit viel Strom aufbereitet werden.

    Man kann auch PC, wie alle thermoplastischen Kunststoffe, wieder einschmelzen.
    Das lohnt sich aber nur bei großen Mengen der gleichen Sorte.
    Man muß sich aber nicht alle paar Jahre einen neuen Koffer kaufen. Ist zwar schlecht für die Wirtschaft aber gut für die Umwelt.

  5. "... setzte fortan zunächst auf Leichtmetall, später auf Aluminium."
    Hochinteressant, my dear Watson.

  6. .. leider viel zu oft zutreffende Regel von der dritten Generation, die das von den beiden ersten Begründete bzw. Aufgebaute dem Niedergang zuführt, gebrochen.

  7. Den kleinsten Rimowa Alukoffer habe ich seit 15 Jahren. Es ist eine Art Akten / Kabinenkoffer d.h. wird nicht mit Gepäck aufgegeben und hält dementsprechend natürlich länger. 15 Jahre sind trotzdem eine lange Zeit. Einen grösseren Rimowa Alukoffer habe ich nach 15 Jahren zum "Aufarbeiten" beim Händler abgegeben. Danach sah er wieder fast wie neu aus, ohne Dellen. Der hält nochmal 10 Jahre. Aktuell nutze ich einen Polycarbonat Koffer von Rimowa. Inzwischen seit 3 Jahren, monatlich im Durchschnitt 1-2 Reisen (als Fluggepäck) und bisher ist lediglich das Zahlenschloss beschädigt, wahrscheinlich wegen einer Gepäckkontrolle. D.h. die Koffer sind wirklich sehr haltbar und verbrauchen dementsprechend auch weniger Ressourcen als Billigmaterial welches jedes 2. Jahr ersetzt werden müsste bzw. bei häufigem Gebrauch noch nicht mal die 2 Jahre aushält.

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