ZEITmagazin: Herr Werner, Ihr schärfster Konkurrent Schlecker konnte nicht gerettet werden. Was bedeutet das für Sie?

Götz Werner: Es bestätigt mich. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

ZEITmagazin: Sie sind der Gründer von dm, ein Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern und über sechs Milliarden Euro Umsatz. Was machen Sie anders?

Werner: Ich habe bei null angefangen und bin nie stehen geblieben. Von null bis 1.000 Filialen ändert sich das Unternehmen und damit der Aggregatzustand permanent. Man kann nicht so weitermachen, wie man zum Erfolg gekommen ist. Man muss ständig Neues dazulernen und sich neu erfinden, damit die Komplexität einem nicht über den Kopf wächst. Das gilt überall – bei der Erziehung meiner Kinder ebenso wie bei der Unternehmensführung.

ZEITmagazin: Ihr Vater war Unternehmer. Konnten Sie von ihm lernen?

Werner: Ich habe von seinen Fehlern gelernt. Ich bin 1968 mit 24 Jahren in das elterliche Drogeriegeschäft eingestiegen. Dort habe ich erlebt, wie mein Vater damals mit 20 Filialen überfordert war und sein Unternehmen nicht so steuern konnte, dass es rentabel war.

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ZEITmagazin: Worin lag das größte Problem?

Werner: Mein Vater hatte zwei Slogans. Der eine hieß »Drogerie Werner – vielseitig, höflich, preiswert«. Damit ist er gewachsen. Der zweite Slogan hieß »Drogerie Werner führt alles oder besorgt es schnell«. Und genau das war sein Problem. Ihm lag es mehr am Herzen, selbst die ausgefallensten Wünsche seiner Kunden zu erfüllen, als seine Kosten zu decken. Ich habe ihm gesagt: »Wenn wir so weitermachen, sind wir bald pleite.«

ZEITmagazin: Hat er auf Sie gehört?

Werner: Nein, er hat das natürlich nicht gerne gehört und hat mich nach zwei Monaten rausgeworfen. Das hat mich allerdings nicht so sehr bedrückt, denn wenn ich nichts ändern kann, dann möchte ich auch nicht dabei sein, wenn das Schiff untergeht. Er musste das Unternehmen dann auch verkaufen.

ZEITmagazin: Was taten Sie nach Ihrem Rauswurf? 

Werner: Ich war bis 1972 in einer Großdrogerie, die die gleichen Fehler machte. Die Firma kaufte Drogerien, deren Inhaber alt waren oder nicht mehr wollten, nach dem Motto, zwei Einbeinige ergeben einen 100-Meter-Läufer. Meine Erfahrung in den zwei Jahren war: So darfst du es nicht machen. Diese beiden Pleiten, auch die meines Vaters, haben mich als Unternehmer geprägt und vielleicht gerettet.