StilkolumneMehr Licht!

Tillmann Prüfer über Kleine Sonnen von 

Wer die Sonne von Olafur Eliasson kauft, tut Gutes. Eine Little Sun kostet etwa 25 Euro – und spendet Licht in der Dritten Welt

Wer die Sonne von Olafur Eliasson kauft, tut Gutes. Eine Little Sun kostet etwa 25 Euro – und spendet Licht in der Dritten Welt  |  © Peter Langer

"Die Sonne scheint für alle", hieß es bei den Römern, das mag auch stimmen, allerdings stimmt es nicht mehr für die Sonne der Neuzeit. Weltweit leben laut Vereinten Nationen 1,6 Milliarden Menschen ohne Strom. Sie haben keinen Zugang zu elektrischem Licht. Wenn dort die Sonne untergeht, ist die Welt schwarz.

Der Künstler Olafur Eliasson beschäftigt sich schon seit Langem mit Licht. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist The Weather Project . In der Londoner Tate Modern installierte er eine riesige Sonne. Am 28. Juli wird er dort wieder ein Lichtprojekt vorstellen, jedoch ein fundamental anderes: "Ich wollte die Arbeit mit Licht nicht auf Museen und Ausstellungen begrenzen, sondern die ganze Welt einbeziehen."

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Der Künstler will im Wortsinn Licht spenden. Eliasson hat gemeinsam mit dem Ingenieur Frederik Ottesen eine kleine Leuchte in Form einer Sonne entwickelt. Tagsüber sammelt sie Licht über einen Solarkollektor, nach Sonnenuntergang gibt sie es wieder ab – bis zu fünf Stunden schafft sie helles Licht, in dem sich arbeiten, beisammen sein oder lernen lässt.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

In der Londoner Tate oder über den Onlineshop unter " www.littlesun.com " kann jeder solch eine Sonne erwerben – und fördert damit gleichzeitig den Vertrieb dieser Lampen in Regionen, wo noch kein Strom verfügbar ist. "Kunst, die im Leben funktioniert", nennt Eliasson das – und kehrt damit die Gesetze des Kunstmarktes um. Bislang arbeitet Kunst meist mit dem Prinzip der Verknappung. Ein Werk erhält seinen Wert dadurch, dass es nur an einem bestimmten Ort für bestimmte Personen zugänglich ist.

Little Sun aber ist ein Kunstwerk, das nur in der Masse funktioniert, indem möglichst viele Menschen daran teilnehmen. "Ich wollte ein Gefühl schaffen, gemeinsam in einem Projekt vereint zu sein", sagt Eliasson: Die Kleine Sonne erhält ihren Wert nicht durch die Begehrlichkeiten von Sammlern, sondern durch den Beitrag des kleinen Geräts zur Verbesserung des Lebens. Je mehr Menschen eine der Kleinen Sonnen kaufen, desto mehr Licht wird in den Ländern der sogenannten Dritten Welt verbreitet. Man kann dieses Kunstwerk nur genießen, wenn man es mit anderen teilt. Und im besten Fall würde es wieder stimmen, das Sprichwort von der Sonne. Und zwar zu jeder Tageszeit.

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Leserkommentare
  1. Nunja, Kunstprojekte hin oder her. Es geht hier um Technik, die die Menschen dort nicht selber herstellen können. Also abermals eine Verschärfung der Abhängigkeit vom Westen.
    Ich würde es schöner finden, wenn wir mal aufhören uns selbst zu beweihräuchern, uns mit Kunstprojekten selbst zu inszenieren und stattdessen den Menschen in Dritte Welt Ländern wahrhaft helfen sich selbst zu helfen.

    In die absolut richtige Richtung geht da das Projekt der Flaschenlampen, die zumindest tagsüber für Licht sorgen. Dazu muss man wissen, dass die typischen Wellblech-Häuser die man von Südamerika über Afrika bis nach Südost-Asien sieht auch tagsüber stockfinster sind.
    Die Lösung ist so wunderbar simpel, dass jeder Haushalt sich das Licht selber(!) zusammen basteln kann aus Materialien, die andernfalls nur im Müll(!) gelandet wären.
    Und es gibt keinerlei Abhängigkeit vom Know-How, Technik oder Spenden durch den Westen.

    Englisches Video mit deutschem Text:
    http://www.weeyoo.de/sola...

    Deutsches Video:
    http://www.myvideo.de/wat...

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hagmar
    • 18. Juli 2012 14:05 Uhr

    http://www.ted.com/talks/...

    Ich möchte auch einen link zu Sonnenenergie beisteuern (leider nur auf Englisch) über das barefoot-college in Rajastan. Dies ist eine illustrierte Rede vom Gründer - es gibt noch viel andere Info darüber, einfach googeln.

  2. hätte es vielleicht für eine vernünftige Solarlampe gereicht (Solar-LED-Kombis gibt es ja auch schon).
    Das Ding hat keinen Fuß, keine Aufhängung oder ähnliches und steht bei Tischgebrauch auf dem Solarelement (Oberflächenkratzer sind kaum zweckdienlich).
    Aber Hauptsache heute knuffig und kampagnentauglich-gefühlig, auch wenn morgen Plastikschrott.
    Liebe Sonne scheine ....

    2 Leserempfehlungen
    • Panic
    • 16. Juli 2012 9:34 Uhr

    Irgendwann habe ich auch mal was über diese Flaschenlampen gesehen oder gelesen. Weiß nicht mehr genau. Ein tolles Projekt. Warum man aus diesem anderen Projekt gleich wieder Kunst machen muss, erschließt sich mir nicht. Das doch wirklich hirnrissige PR. Wird demnächst ein provisorischer OP Tisch in der Tate Gallery installiert? Absender: Ärzte ohne Grenzen.

    cheers

  3. ich hab sie bestellt...

    Eine Leserempfehlung
  4. Boah, ey! Liest man die Kommentare hier, stellt man fest, Deutschland ist und bleibt halt ein Land der Schwarzseher und Bedenkenträger. Jeder noch so kleine Hoffungsschimmer, egal welcher, wird gleich im Ansatz mit beißenden Kommentaren zugehämmert. Manchmal möchte man auswandern. Vielleicht hilft einigen eine ordentliche Lichttherapie. Bei dem Wetter verständlich.

    Eine Leserempfehlung
    • Hagmar
    • 18. Juli 2012 14:05 Uhr

    http://www.ted.com/talks/...

    Ich möchte auch einen link zu Sonnenenergie beisteuern (leider nur auf Englisch) über das barefoot-college in Rajastan. Dies ist eine illustrierte Rede vom Gründer - es gibt noch viel andere Info darüber, einfach googeln.

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