Giant XR HybridVon A nach B

Jürgen von Rutenberg fährt das Giant XR Hybrid von Berlin-Mitte nach Berlin-Kreuzberg

Giant Roam XR Hybrid

Giant Roam XR Hybrid

Meine allererste Fahrt mit einem E-Bike stand bevor. Ich war skeptisch. Das Tolle am Radfahren, fand ich schon als Kind, ist doch genau das: mit bloßer Muskelkraft die erstaunlichsten Entfernungen zu überwinden und dabei ein bisschen aus der Puste zu kommen. Ein Radfahrer, der sich das Strampeln von einem Elektromotor abnehmen lässt, kam mir vor wie ein Jogger, der seine Laufstrecke morgens mit dem Taxi abfährt, um Zeit und Mühen zu sparen.

Zwölf Minuten eines Junitages reichten aus, meine jahrzehntealten Vorstellungen vom Fahrradfahren ins Jahr 2012 zu katapultieren: Ein Testfahrzeug namens Giant Roam XR Hybrid musste von A nach B bewegt werden, nämlich von einem Hinterhof in Berlin-Mitte zum alljährlichen Minigolfturnier der ZEITmagazin-Redaktion in Kreuzberg. Um 12 Uhr mittags sollte der Showdown dort beginnen.

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Für eine normale Radfahrt dorthin hätte ich eine gute halbe Stunde eingeplant. Statt nun aber um 11.25 Uhr loszufahren, begann ich um diese Uhrzeit damit, mir das Hybridvehikel anzusehen. In Test- und Mietautos war ich bisher immer eingestiegen und losgefahren, dass Kennenlernen erfolgte unterwegs. Hier musste ich erst herausfinden, wie ich das Ding einschalte (ein Mini-Display dient als Zündschlüssel), die Antriebseinstellungen durchschauen, den Sattel höher stellen und gerne auch den Lenker (ein Wunsch, den ich nach einigem Handbuchblättern aufgab). Unterdessen war es 11.47 Uhr geworden, hoffnungslos zu spät.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

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Helm auf, hinaus auf die Straße, Fuß aufs Pedal – oha! Mit einem Blitzstart reagierte die Maschine auf meinen ersten Tritt, schon war ich an der nächsten Straßenecke. Der E-Motor leistet seinen Beitrag zwar nur bis 25 km/h, alles darüberhinaus wäre führerscheinpflichtig. Doch diese Beschleunigung verändert alles. An der nächsten Ampel lasse ich die anderen Radfahrer hinter mir stehen und fühle mich wie ein Superheld. Der Euphorieschub hat zur Folge, dass ich auch jenseits der 25 km/h noch schnell, schneller, zu schnell fahren will, und sei es aus eigener Kraft, immer weiter vorbei an den endlosen Staus im Stadtverkehr.

Vielleicht ist das gar kein neues Fahrraderlebnis, sondern im Grunde dasselbe Glücksgefühl, das ich auch schon als Kind auf zwei Rädern hatte. Geschwindigkeitsberauscht kam ich bei der Minigolfanlage an. Die Daten auf dem Display: »Distanz: 5.4 km. Triptime: 12 Minuten.« Die Uhrzeit: 11:59.

Jürgen von Rutenberg ist Redakteur im ZEITmagazin

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Reifengröße: 28 Zoll
Gewicht: 17,9 kg
Schaltung: 27-Gang-Kettenschaltung
Bremsen: Hydraulik
Elektromotor: 250 W
Reichweite: circa 80 km
Basispreis: 2.199 Euro

 
Leserkommentare
  1. für den Hersteller der "Faulheitsmaschinen" im Schafspelz.

    Nur, dass es mit Fahrradfahren im ursprünglichen Sinne der gesunden und umweltfreundlichen Fortbewegung nichts zu tun hat.

    Es würde mich nicht wundern, wenn dies auch noch z.B. wegen innovativer Technologie, aus irgend einem öffentlichen Topf gefördert würde.

    Im Grunde ist ein eBike doch aber in die Kategorie Rolltreppe, Fahrstuhl, Förderband einzuordnen und leistet so auch seinen Anteil am Bewegungsmangel. Die Fachärzte für Gefäßkrankheiten wollen ja auch mehr verdienen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wenn Sie schon anderen Menschen unterstellen, faul zu sein.

    Es ist nachweisbar, dass Pedelec-Benutzer häufiger und länger Radfahren als andere.

    Man fährt also nicht "fauler", sondern man fährt weiter und öfter.

    Die Reichweite nimmt zu und die Autobenutzung nimmt ab.

    Je mehr Menschen Radfahren, so finde ich, desto besser -- egal, ob sie mit Unterstützung fahren, oder nicht. Wenn eine kritische Masse erreicht ist, dann ist der Autoverkehr nicht mehr dominant.

    Die Kritik am Ebike hat was von der üblichen Kritik an allen neuen Erscheinungen. Wenn das Fahrrad erst vor Kurzem erfunden worden wäre, dann würden scheinfleissige Fußgänger den Radfahrern vorwerfen, faul zu sein. Sehr sinnvoll ist das nicht.

    • 2eco
    • 12.07.2012 um 13:02 Uhr

    Sie sehen das meiner Meinung nach aus der falschen Perspektive.
    Wenn man im Flachland lebt, dann mag das zwar noch stimmen, aber viele Strecken - zumindest hier - bestehen aus anspruchsvollen Anstiegen, welche man nicht jeden Morgen und erst Recht nicht nach Feierabend bezwingen möchte.

    Ein E-Bike macht das Fahren angenehmer und zeittechnisch effizienter. Ich kann mit gut vorstellen, dass dadurch vermehrt Leute vom Auto auf das Fahrrad umsteigen, weil die Komforteinbußen damit deutlich geringer sind. Dementsprechend ist es gut für die Umwelt und auch für die Gesundheit - sofern man ab und zu auch mal in die Pedale tritt ;)

    anstatt immer nur Zeitung zu lesen, sollten Sie sich vielleicht einfach mal draufsetzen, auf so'n Ding!

    wenn Sie schon anderen Menschen unterstellen, faul zu sein.

    Es ist nachweisbar, dass Pedelec-Benutzer häufiger und länger Radfahren als andere.

    Man fährt also nicht "fauler", sondern man fährt weiter und öfter.

    Die Reichweite nimmt zu und die Autobenutzung nimmt ab.

    Je mehr Menschen Radfahren, so finde ich, desto besser -- egal, ob sie mit Unterstützung fahren, oder nicht. Wenn eine kritische Masse erreicht ist, dann ist der Autoverkehr nicht mehr dominant.

    Die Kritik am Ebike hat was von der üblichen Kritik an allen neuen Erscheinungen. Wenn das Fahrrad erst vor Kurzem erfunden worden wäre, dann würden scheinfleissige Fußgänger den Radfahrern vorwerfen, faul zu sein. Sehr sinnvoll ist das nicht.

    • 2eco
    • 12.07.2012 um 13:02 Uhr

    Sie sehen das meiner Meinung nach aus der falschen Perspektive.
    Wenn man im Flachland lebt, dann mag das zwar noch stimmen, aber viele Strecken - zumindest hier - bestehen aus anspruchsvollen Anstiegen, welche man nicht jeden Morgen und erst Recht nicht nach Feierabend bezwingen möchte.

    Ein E-Bike macht das Fahren angenehmer und zeittechnisch effizienter. Ich kann mit gut vorstellen, dass dadurch vermehrt Leute vom Auto auf das Fahrrad umsteigen, weil die Komforteinbußen damit deutlich geringer sind. Dementsprechend ist es gut für die Umwelt und auch für die Gesundheit - sofern man ab und zu auch mal in die Pedale tritt ;)

    anstatt immer nur Zeitung zu lesen, sollten Sie sich vielleicht einfach mal draufsetzen, auf so'n Ding!

  2. wenn Sie schon anderen Menschen unterstellen, faul zu sein.

    Es ist nachweisbar, dass Pedelec-Benutzer häufiger und länger Radfahren als andere.

    Man fährt also nicht "fauler", sondern man fährt weiter und öfter.

    Die Reichweite nimmt zu und die Autobenutzung nimmt ab.

    Je mehr Menschen Radfahren, so finde ich, desto besser -- egal, ob sie mit Unterstützung fahren, oder nicht. Wenn eine kritische Masse erreicht ist, dann ist der Autoverkehr nicht mehr dominant.

    Die Kritik am Ebike hat was von der üblichen Kritik an allen neuen Erscheinungen. Wenn das Fahrrad erst vor Kurzem erfunden worden wäre, dann würden scheinfleissige Fußgänger den Radfahrern vorwerfen, faul zu sein. Sehr sinnvoll ist das nicht.

    4 Leserempfehlungen
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    Verehrter Marin S,

    konstruktive Kritik an wirklich Neuem ist wichtig, vielleicht wichtiger als Lob und Beifall.

    Nur: Das hier umworbene eBike ist keine neue Erfindung. Ich kenne so etwas Ähnliches Kindertagen, da gab es das mit einem kleinen Verbrennungsmotor und nannte sich "Hühnerschreck".

    Kritikwürdig sind hier vor allem die Vermarktungsargumente, die dem geneigten Nutzer etwas Umweltfreundliches und der Gesundheit Zuträgliches vorgaukeln, um diese überteuerten Vehicel an die Kundschaft zu bringen.

    Für behinderte oder ältere Menschen ist es sicher eine Unterstützung.

    Verehrter Marin S,

    konstruktive Kritik an wirklich Neuem ist wichtig, vielleicht wichtiger als Lob und Beifall.

    Nur: Das hier umworbene eBike ist keine neue Erfindung. Ich kenne so etwas Ähnliches Kindertagen, da gab es das mit einem kleinen Verbrennungsmotor und nannte sich "Hühnerschreck".

    Kritikwürdig sind hier vor allem die Vermarktungsargumente, die dem geneigten Nutzer etwas Umweltfreundliches und der Gesundheit Zuträgliches vorgaukeln, um diese überteuerten Vehicel an die Kundschaft zu bringen.

    Für behinderte oder ältere Menschen ist es sicher eine Unterstützung.

    • 2eco
    • 12.07.2012 um 13:02 Uhr

    Sie sehen das meiner Meinung nach aus der falschen Perspektive.
    Wenn man im Flachland lebt, dann mag das zwar noch stimmen, aber viele Strecken - zumindest hier - bestehen aus anspruchsvollen Anstiegen, welche man nicht jeden Morgen und erst Recht nicht nach Feierabend bezwingen möchte.

    Ein E-Bike macht das Fahren angenehmer und zeittechnisch effizienter. Ich kann mit gut vorstellen, dass dadurch vermehrt Leute vom Auto auf das Fahrrad umsteigen, weil die Komforteinbußen damit deutlich geringer sind. Dementsprechend ist es gut für die Umwelt und auch für die Gesundheit - sofern man ab und zu auch mal in die Pedale tritt ;)

    2 Leserempfehlungen
  3. ...halte ich in Berlin-Mitte allerdings für wenig glaubhaft. Beschleunigung hin oder her, ab Tempo 25 unterstützt der Antrieb nicht mehr und dann hat man nur noch ein sehr schweres Normalrad. Außerdem gibt es auf der Strecke enorm viele Ampeln.

    Vielleicht speist der Hersteller ja ein paar nette Zahlen ins Display, damit der Käufer sich gut fühlt?

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  4. und mit <10kg Radgewicht jeden Tag dieses Glücksgefühl erleben. Gebraucht schon für 300€ zu haben und das ganz ohne Akku ;)

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    • Peip
    • 12.07.2012 um 13:53 Uhr

    Wenn es Spaß macht: super. Aber ehrlich gesagt, muss man schon ne ziemlich Kartoffel sein, um für 5,4 Km aufs Ebike zu steigen.

    Außer: Kinderanhänger, Krankheit oder Alter.

    Für einen halbwegs normalen Menschen sind die 25 km/h Räder eher nichts, man kommt zwar flott los, aber eine Topgeschwindigkeit von 25 km/h ist weniger als man nur mit den Beinen erreicht. Die Durchschnittgeschwindigkeit im Artikel ist entweder falsch abgetippt - oder das Rad fährt doch deutlich über 25 km/h - in der Stadt muss man ja doch mehrmals anhalten ...

    Also wenn; entweder ein 45 km/h Modell oder ein nicht legales Software-Update

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  5. obwohl's doch auch lustig ist, an einem Mountainbike den Lenker höher stellen zu wollen.

    Das ist jetzt natürlich mit Kompliment für den Autor verbunden, denn um wenigstens einen, von Hause aus verstellbaren Vorbau zu nenen, der sich vermutlich auch im Handbuch findet, da muß man fast das andere Model gleichen Herstellers nennen.
    Bleibt die Frage " was, soll wo, wie verstellt werden ?"
    Ich muß aber auch sagen, daß die "Geschichten rund um's Steuerrohr" wie Headset, Einschlagkralle etc. etwa so alt sind wie das als Internet bekannte www..
    Man findet sowas, selbst in 10 Jahre alten Worshops sehr bekannter Zeitschrift für den Bereich, nicht mal mehr mit eigener Überschrift zu den Konkurrenzprodukten. An genau dem Rad, sieht es so aus, als ob Spacer (Distanzhülsen) unter dem Vorbau sind, die kann man nach oben stecken und dann ist der Lenker weiter unten. Erfordert meist 3 statt nur einer Schraube zu lösen, wie beim verstellbaren Vorbau, hat aber nicht den selben Effekt. Für sehr steile Berge ist das besser als andersrum. Stellt sich gleich die nächste Frage, warum baut man so einen Antrieb in ein Mountainbike ?
    In Berlin ?

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  6. anstatt immer nur Zeitung zu lesen, sollten Sie sich vielleicht einfach mal draufsetzen, auf so'n Ding!

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