PeugeotLaut, aber hilflos

Der Autohersteller Peugeot steckt in einer schlimmen Krise – das ruft den Präsidenten auf den Plan. von 

Zwar ist es nicht die erste Ankündigung dieser Art, denn Frankreich überrollt gerade eine Welle von Betriebsstillegungen. Besonders gespannt aber blickt die Nation nach Aulnay-sous-Bois. Das ist ein Vorort von Paris und der Standort einer Fabrik von PSA Peugeot Citroën. Der Autohersteller will das Werk bis 2014 schließen. Dessen 3.300 Beschäftigte sind kampferprobt und kampfbereit. Einer ihrer Sprecher kündigte an, sie würden der »Alptraum« des Unternehmens und der Regierung.

Insgesamt will PSA sogar 8.000 bis 10.000 Arbeitsplätze abbauen. Woraufhin Frankreichs Präsident François Hollande dröhnte, er werde das »nicht akzeptieren«, als müsste er um Erlaubnis gefragt werden. Er kündigte »Neuverhandlungen« an.

Anzeige

Außerdem soll am kommenden Mittwoch ein »Automobilprogramm« beschlossen werden. Denn nicht nur PSA, sondern auch andere Hersteller haben ein Problem. Europas Automarkt schrumpft seit neun Monaten. Die Verkaufszahlen von PSA fallen gar noch schneller als der Markt.

Die Firma verliert pausenlos Geld und hat es bislang unterlassen, unrentable Standorte zu sanieren. PSA produziert zu teuer, und das nicht etwa wegen der Löhne, die liegen unter denen in Deutschland. Es wurde vielmehr versäumt, die Fertigung zu modernisieren. Außerdem hielt die Unternehmensleitung stur daran fest, vorwiegend in Frankreich Autos zu bauen, anstatt, wie etwa Renault, marktnahe Fabriken in China, Russland oder im Maghreb zu errichten.

Die Familie Peugeot, die 38 Prozent der Stimmrechte hält, zog es außerdem vor, für großzügige Dividenden zu stimmen, anstatt für Innovationen und neue Produkte Geld auszugeben. Beharrlich verweigerte sie sich internationalen Allianzen, um ihren Einfluss nicht zu verringern – bis sie sich kürzlich dann doch mit General Motors verbündete, dessen europäische Säule ausgerechnet Opel heißt.

Verantwortlich für diese Zustände ist ein mit 1,3 Millionen Euro pro Jahr bedachter Manager namens Philippe Varin, hinter dem die Familie Peugeot steht; deren Vermögen ist mit umgerechnet etwa 4,5 Milliarden Euro das größte – und zwar in der Schweiz. Nun ist der Volkszorn groß, und die sozialistische Regierung beeilt sich, ihn zu kanalisieren.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Schlagworte Autoindustrie | Automobilindustrie | Unternehmen | Frankreich
    Service