Deutschland erlebt ein Gilded Age, eine Zeit einmaligen Wohlstands. Nie besaßen so viele Menschen so viel, und zugleich erreicht die Ungleichheit, die von einer Generation auf die nächste übertragen wird, historische Dimensionen.

Ursache für die Ungleichheit ist zunächst: der Frieden in Europa. Je länger er anhält, desto größere Werte wachsen heran und sammeln sich innerhalb von Familienverbänden. Keine westliche Gesellschaft hat das zu verhindern vermocht, nicht einmal die Schweden, die hohe Einkommen rigide besteuern und den Aufbau großer Vermögen bewusst erschweren. Auch dort wächst die Ungleichheit.

In Deutschland ballen sich die Vermögen besonders, weil so viele erfolgreiche Unternehmer einen Weltmarktführer vererben. Ihre Leistung ist ihrer Kinder Glück. Wahr ist zugleich, dass der deutsche Staat seine Elite mehr schont als in früheren Generationen. Der Spitzensteuersatz ist über die vergangenen 30 Jahre von knapp 60 Prozent auf gut 40 Prozent gesunken. Die Steuern auf Kapitaleinkünfte liegen bei 25 Prozent und damit für große Vermögen niedriger als früher. Eine Vermögensteuer wurde abgeschafft, und es ist fraglich, ob die Erbschaftsteuerreform von 2009 verfassungsgemäß ist, weil sie vor allem Betriebsvermögen sehr milde behandelt.

Die Mehrheit der Deutschen hat diese Entwicklung mitgetragen, solange fürs Gemeinwesen genug blieb. Doch die Haushaltslöcher in den Bundesländern wachsen, Städte und Kommunen gehen pleite, Universitäten eifern um den Titel »Elite-Uni«, wo es in Wahrheit um lindernde Zusatzmillionen vom Bund geht. Schulen verrotten, Straßen verkommen, die Bahn geht von einem Katastrophenjahr ins nächste. Hier leistet der Staat nicht mehr, was er leisten soll, und so schwillt die Debatte an, woher das Geld dafür kommen kann.

Wenn Vermögende dann noch ihren Ruf ruinieren, indem sie rudelweise Schwarzgeldkonten in der Schweiz und auf den Kaimaninseln unterhalten, zerbricht etwas. Kürzlich flogen gleich ein paar Tausend deutsche Kunden der Credit Suisse auf. Wen wundert es da, wenn die Republik ohne Scheu debattiert, ob man die Staatsschulden mit einer einmaligen Vermögensabgabe massiv verringern – und damit die Euro-Krise beenden könnte.

Diese Woche geht es genereller um den Beitrag der Vermögenden zum Gemeinwohl. Drei Reiche wägen ihr Schicksal, ihr Leben, ihre Verantwortung (hier der Text). Und es fällt auf: Auch sie wollen für ihre Lebensleistung respektiert werden, nicht für ihr ererbtes Vermögen.

Klar ist: Geerbtes Vermögen ist rechtmäßiges Vermögen, und eine drastische Steuer würde eine gewachsene Ungleichheit mit einer Ungerechtigkeit beantworten. Klar ist aber auch: Eine Erbschaftsteuer ist gerechter, als es hohe Einkommen-, Vermögen- oder Reichensteuern je sein könnten. Wo also liegt ein fairer Ausgleich? Das heutige Erbschaftsteuerrecht bietet ihn sicher nicht. Bei Erbschaften in Höhe von jährlich bis zu 260 Milliarden Euro nimmt der Staat mickrige 4,2 Milliarden ein. Das wird der deutschen Leistungsgesellschaft einfach nicht gerecht.