Paul Auster: Dies ist ein geteiltes Land
Der amerikanische Autor Paul Auster spricht über seinen neuen Roman "Sunset Park" und über Amerika vor der Präsidentenwahl im Herbst.
© Boris Horvat/AFP

Der Schriftsteller Paul Auster
In der Zeitung wird stehen, es sei der bislang heißeste Tag dieses Sommers gewesen, es sind gleißende 36 Grad, es herrscht an diesem Juli-Mittag eine dröhnende Hitze noch im Schatten der Wände, an denen man entlangschleicht. Man passiert verschmutzte, längliche Papierstreifen, man sieht Plastiktüten, die Gottes Heißluftdüse in die zerfetzten Stacheldrahtspiralen hochgeweht hat, die über toten Fabriken wedeln. Brooklyn, Sunset Park.
Wie ist man hier hingekommen? Mit dem Subway, man fährt von Manhattan aus unter dem Fluss durch, bis zu einer Station, an der die Kacheln von den Wänden fallen, klettert die Treppe in die Sonne hoch, steht dann an einer Kreuzung in Geruchsschwaden, die entfernt an Kairo oder Bangalore erinnern, ein Dunst aus Fäulnis und wer weiß was, und geht in Richtung Green-Wood Friedhof. Dann sieht man das Haus. Es ist ein schmales Haus aus grau abblätterndem Holz, zurückgesetzt hinter einen Vorgarten, in dem Müll in blaue Plane eingewickelt liegt. Die Scheiben sind blind, die Vorhänge geschlossen, man könnte es für unbewohnt halten. Aber irgendwo innen glüht ein Licht, jemand muss drin sein.
DIE ZEIT: Mr Auster, ich habe das Haus aus Ihrem Roman Sunset Park gefunden, das die jungen Leute besetzt halten.
Paul Auster: Das kann nicht sein.
ZEIT: Mein iPhone-Beweis! Als ich das Bild machte, blieb eine Dame neben mir stehen, Lisa, übrigens von der Green-Wood-Friedhofsstiftung, sie sagte, dieses sei vielleicht das letzte der alten Holzhäuser im Stadtteil Sunset Park.
Auster: Das Haus, über das ich in meinem Roman Sunset Park geschrieben habe, gibt es nicht mehr. Es stand an der 34. Straße. Es war verlassen. Ich habe es auch fotografiert, das Foto stand auf meinem Tisch, als ich über das Haus schrieb, es war im Jahr 2009...
1947 in Newark, New Jersey, geboren, wuchs Paul Auster auf als Kind jüdischer Eltern. Er studierte Literatur an der Columbia University, New York.
1970 ging er für vier Jahre nach Paris. Der Einfluss französischer Philosophie prägt sein Werk – Romane, Lyrik, Filme. Seine Helden sind Spielball eines willkürlich zuschlagenden Schicksals, sie kämpfen um ihre Seele und Integrität.
1985 erschien der erste Band der » New York Trilogie« , die ihn weltberühmt machte.
1981 heiratete Auster die Autorin Siri Hustvedt, sie leben in Brooklyn, New York
ZEIT: ...Barack Obama war gerade der 44. Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Es war das Jahr, als die Lehman-Bank sank, als die Immobilienblase platzte und Abertausende Amerikaner ihr Zuhause verloren...
Auster: ...als ich das Buch fertig hatte und noch einmal hinging, war das Haus weg. Kein Holzsplitter mehr da. Nicht eine Spur. Ausradiert.
ZEIT: Sie schrieben, und die Realität, von der Sie ausgingen, verschwand und wurde Fiktion?
Auster: Es ist, als würde ich in meiner eigenen Fiktion leben. Alles, was von diesem Haus übrig geblieben ist, ist das Bild, das ich von dem Haus gemacht habe, merkwürdigerweise so, wie der junge Miles in meinem Buch von den Gegenständen in Wohnungen, aus denen Leute rausgeklagt wurden, Fotos macht, bevor die Entrümpelungsfirma alles rausräumt...
ZEIT: ...so wie Miles und seine Freunde am Ende des Buchs von der Polizei aus dem Haus geräumt werden. Ein trauriges Buchende, oder?
Auster: Aber sie hatten dieses Haus für eine Zeit. Das ging nur in dieser verlorenen Ecke von Brooklyn, hier könnte sich niemand verstecken.
Wir sitzen wenige Blocks von Sunset Park entfernt, im Gartenhof des Cafés Sweet Melissa. Hausgemachte Erdbeerlimonade? Ein kühles Bier? Auster scherzt, man müsse das Banana-Eis probieren, nur dafür lohne es sich, von Europa nach Brooklyn zu reisen. Das Sweet Melissa liegt in Park Slope, und diese Gegend ist so hip, dass das Magazin Der Feinschmecker darüber lange Bildstrecken schreibt. Sunset Park wird vom Bürgermeister New Yorks beschrieben, als »area of opportunity«, eine Gegend mit Potenzial, womit er meint, es könne nur besser werden.
In Park Slope steht rosa Oleander herum, Personal Trainer sind im Angebot. In Sunset Park heißen Supermärkte Puebla oder Kan Yi. 150.000 Einwohner. Nur Migranten, aus Mexiko oder Puerto Rico, Indien oder Costa Rica, Sunset Park hat das drittgrößte China Town von New York und den höchsten Hügel von Brooklyn, auf dem sich ein räudiger Park erstreckt, der eine atemberaubende Sicht auf die glitzernde Manhattan Skyline jenseits des Flusses bietet.





"Ächzen ist ein treffender Begriff. In Sunset Park verlässt eine Mutter ihr Kind, Eltern sterben weg. Ein junger Mann tötet aus Versehen seinen Bruder. Eine Studentin bringt sich um. Die Jungen ringen um ihre Existenz, die ältere Generation aber, jene kulturbeflissene Sippe, in der sich ein Auster so gut auskennt, die im kunstsinnigen Tribeca-Viertel logiert oder in einem Loft im West Village, wo die Bäume so dicht stehen, dass Vogelgezwitscher das vorherrschende Geräusch ist, sie ist absorbiert vom Nachhall des letzten Seitensprungs oder ersten Alterszeichen."
Ersetzt man den Seitensprung durch "letzte Scheidung" kann man durchaus Parallelen in Deutschland und in manchen europäischen Ländern und Institutionen beobachten.
daß es die Parallelen gibt. Im Endeffekt denke ich eigentlich das Sie schon da sind...
daß es die Parallelen gibt. Im Endeffekt denke ich eigentlich das Sie schon da sind...
Richtig ist - in den USA sind die Finanzen zerrüttet, die Wirtschaft liegt am Boden, das Selbstvertrauen ist dahin.
Nur: Warum ist eigentlich nicht derjenige verantwortlich, der das Land die letzten vier Jahre geführt hat? Antwort: Weil's die europäischen links-grünen Liberalen nicht wahrhaben wollen, das Präsident Obama der vermutlich schlechteste Präsident seit Charter war.
Die persönliche Bilanz von Präsident Obama ist eine Katastrophe - die einzige Chance auf Wiederwahl hat er, indem er voll auf die 'Rassen-Karte' [eigentlich ein unübersetzbarer englischer Begriff, der im deutschen - ich weiß - seltsam klingt] setzt, um als 'schwarzer' Präsident zu punkten.
Obama hat das Land gespalten wie kein Präsident vor ihm - er hat in vielen Bereichen skrupelloser regiert, als sich das ein Bush junior jemals getraut hätte (etwa bei den übergesetzlichen Tötungen]. Obama als 'Friedens'nobelpreisträger hat mehr Kriege geführt, als sein Vorgänger. Und so weiter und so weiter ...
Obama wird nicht wiedergewählt werden und das ist auch gut so. Noch mal vier Jahre Obama würde die USA wohl kaum überleben.
und vor obama war alles eitel sonnenschein, die subprimekredite wurden bedient, die gebrüder leemann verteilten bonbons...
manche
haben ein gedächtnis
und erinnern sich an beschwerden
und warnungen
früherer zeiten
http://www.youtube.com/wa...
Moment mal. Auster schreibt, dass die Republikaner einfach alles blockiert haben was Obama an Politik gemacht hat. Das sie ihn von Anfang an boykottiert haben weil er die falsche Hautfarbe hat. Ich finde wenn ein Insider die konservativen Kräfte in seinem eigenen Land als Dschihadisten bezeichnet, dann sollte man das ernst in seinem Beitrag nehmen und nicht in das gleiche Horn tuten in das eben jene Dschihadisten auch tuten. Sonst outet man sich einfach nur als genau so blind und fanatisch. Man ist dann in seinem Verhalten genau so wenig seriös zu wie diese Leute. Die vorgeben Patrioten zu sein und denen es letztlich nur um ihren miesen Profit geht. Auf Kosten derjenigen, die sie weiterhin ausbeuten wollen. Wenn Sie schreiben dass die USA weitere 4 Jahre Obama kaum überleben würde hat das seine Ursache nicht in dem, was dieser Mann an konstruktiver Politik leisten kann oder könnte, sondern in der Destruktivität dieser so genannten Konservativen.
und vor obama war alles eitel sonnenschein, die subprimekredite wurden bedient, die gebrüder leemann verteilten bonbons...
manche
haben ein gedächtnis
und erinnern sich an beschwerden
und warnungen
früherer zeiten
http://www.youtube.com/wa...
Moment mal. Auster schreibt, dass die Republikaner einfach alles blockiert haben was Obama an Politik gemacht hat. Das sie ihn von Anfang an boykottiert haben weil er die falsche Hautfarbe hat. Ich finde wenn ein Insider die konservativen Kräfte in seinem eigenen Land als Dschihadisten bezeichnet, dann sollte man das ernst in seinem Beitrag nehmen und nicht in das gleiche Horn tuten in das eben jene Dschihadisten auch tuten. Sonst outet man sich einfach nur als genau so blind und fanatisch. Man ist dann in seinem Verhalten genau so wenig seriös zu wie diese Leute. Die vorgeben Patrioten zu sein und denen es letztlich nur um ihren miesen Profit geht. Auf Kosten derjenigen, die sie weiterhin ausbeuten wollen. Wenn Sie schreiben dass die USA weitere 4 Jahre Obama kaum überleben würde hat das seine Ursache nicht in dem, was dieser Mann an konstruktiver Politik leisten kann oder könnte, sondern in der Destruktivität dieser so genannten Konservativen.
Ein wirklich sehr guter Artikel in Zeit online, seit langem der erstes, der versucht, die USA realistisch darzustellen.
Und ein Artikel, der uns unsere Zukunft darlegt, wenn wir weiter auf die stark neoliberal angehauchten Transatlantiker hören. Die leider unsere momentane Regierung stellen:
"Aktuelle Mitglieder der Atlantik-Brücke sind u. a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der Vorsitzende der Deutschen Bank AG Jürgen Fitschen, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs Deutschland Alexander Dibelius, der Vorsitzende der Axel Springer AG und bekennende Zionist Mathias Döpfner, der Staatssekretär von Angela Merkel Eckart von Klaeden, der Leiter für Regierungsbeziehungen der Axel Springer AG und Bruder von Merkels Staatssekretär Eckart von Klaeden Dietrich von Klaeden, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der Vorstandsvorsitzende von EADS (Airbus) Thomas Enders, sowie VW-und Porsche-Vorstand Martin Winterkorn" (Wikipedia)
Und nicht zu vergessen, der Herr Özdemir als "Young Leader".
Da wissen wir ja doch, wo unsere Reise hin geht...
Dieses Interview zeigt die wahre Verfassung der USA mehr als jedes Sachbuch. Jeder der sich ein wenig mit den USA befasst, amerikanische Nachrichten sieht und auch mal die Huffington Post liest oder sich sogar FOX antut oder sich die Comedyshow von Bill Maher reinzieht (die keine comedy ist, sondern noch untertriebene bittere Wahrheit), der weiss was da drüben stattfindet.
Das ist ein Bürgerkrieg ohne Waffen, betrieben mit enormen Geldeinsatz, in dem es einer kleinen Minderheit Superreicher nur darum geht den letzten Rest an Blut aus der Mittelschicht zu saugen und den uramerikanischen Traum restlos zu zerstören. Wenn man seine industrielle Basis selbst vernichtet hat, bleibt nur die Möglichkeit seinen Binnenmarkt auszulutschen. Dazu gehört auch eine Nachfrage künstlich zu hypen indem man es schlichtweg nicht zulässt, dass der Staat durch Eingriffe irgendetwas zu vernünftigen Preisen und Bedingungen regelt, siehe auch medicare, oder siehe auch Bildung.
Das traurige ist, dass selbst deutsche Medien, denen ich etwas mehr Hintergrundwissen zugestanden habe, nicht kapieren wollen, warum im gegenwärtigen politischen System der USA, das was Obama bisher geleistet hat schon ans Unmögliche grenzt.
Der Angriffs- und Zermürbungskrieg der amerikanischen Rechten wird selbst hier geführt. Kommentar Nr. 10 (siehe oben) ist entweder ein bezahlter Schreiberling einer rechten PAC oder einer bei dem das Propaganda-Trommelfeuer Wirkung gezeigt hat.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Ausgangsthema. Danke, die Redaktion/mk
Dieses Interview zeigt die wahre Verfassung der USA mehr als jedes Sachbuch. Jeder der sich ein wenig mit den USA befasst, amerikanische Nachrichten sieht und auch mal die Huffington Post liest oder sich sogar FOX antut oder sich die Comedyshow von Bill Maher reinzieht (die keine comedy ist, sondern noch untertriebene bittere Wahrheit), der weiss was da drüben stattfindet.
Das ist ein Bürgerkrieg ohne Waffen, betrieben mit enormen Geldeinsatz, in dem es einer kleinen Minderheit Superreicher nur darum geht den letzten Rest an Blut aus der Mittelschicht zu saugen und den uramerikanischen Traum restlos zu zerstören. Wenn man seine industrielle Basis selbst vernichtet hat, bleibt nur die Möglichkeit seinen Binnenmarkt auszulutschen. Dazu gehört auch eine Nachfrage künstlich zu hypen indem man es schlichtweg nicht zulässt, dass der Staat durch Eingriffe irgendetwas zu vernünftigen Preisen und Bedingungen regelt, siehe auch medicare, oder siehe auch Bildung.
Das traurige ist, dass selbst deutsche Medien, denen ich etwas mehr Hintergrundwissen zugestanden habe, nicht kapieren wollen, warum im gegenwärtigen politischen System der USA, das was Obama bisher geleistet hat schon ans Unmögliche grenzt.
Der Angriffs- und Zermürbungskrieg der amerikanischen Rechten wird selbst hier geführt. Kommentar Nr. 10 (siehe oben) ist entweder ein bezahlter Schreiberling einer rechten PAC oder einer bei dem das Propaganda-Trommelfeuer Wirkung gezeigt hat.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Ausgangsthema. Danke, die Redaktion/mk
Die extreme Rechte ist anders als alles, was man in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Sie ist gemein.
och ja, Freude schöner Götterfunke,die netten Europäer.
nee,nee,die sind ebenso gemein wie man es sich garnicht vorstellen
kann.Die Reichen bekämpfen gegen die Armen: weltweit
auster glaubt wohl immer noch, dass politiker in diesem fall der präsident die politik in den usa bestimmen. von einem "intellektuellen" hätte ich mehr realitätssinn erwartet.
in amerika gibt es grossbanken, grosskonzerne, die ihre interessenvertreter, sprich politiker, einzusetzen wissen.
bei 50% wahlbeteiligung ist es umso leichter, die politik zu bestimmen.
Vielleicht haben Sie recht.
Vielleicht ist aber auch unser staatsaffines Europa in 20, 30 Jahren ein drittes Welt Land, weil hier Starke geschröpft und Schwache gepflegt werden.
Und die sozialdarwinistischen USA leben in 20, 30 Jahren nur noch Starke unter sich.
Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Fraglich auch ob das eine erstrebenswerte Zukunft ist.
Abwarten.
nicht viel mehr staatsafinität in europa als in amerika
derartiger nationalnarzismus wie dort für normal gehalten wird wird hier als extremistisch betrachtet
allerdings sehe ich das recht des stärkeren wie es die rechte lebt auch nicht als anarchismus, sondern als sein gegenteil, halt mit vielen versuchen potentiel noch stärkere (den staat) zu verbellen, wenn er einem nicht gerade als beweis der eigenen superiorität dient
nicht viel mehr staatsafinität in europa als in amerika
derartiger nationalnarzismus wie dort für normal gehalten wird wird hier als extremistisch betrachtet
allerdings sehe ich das recht des stärkeren wie es die rechte lebt auch nicht als anarchismus, sondern als sein gegenteil, halt mit vielen versuchen potentiel noch stärkere (den staat) zu verbellen, wenn er einem nicht gerade als beweis der eigenen superiorität dient
nicht viel mehr staatsafinität in europa als in amerika
derartiger nationalnarzismus wie dort für normal gehalten wird wird hier als extremistisch betrachtet
allerdings sehe ich das recht des stärkeren wie es die rechte lebt auch nicht als anarchismus, sondern als sein gegenteil, halt mit vielen versuchen potentiel noch stärkere (den staat) zu verbellen, wenn er einem nicht gerade als beweis der eigenen superiorität dient
Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk
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