Laufbänder: Struppi läuft und läuft
Ob am Golf oder in Florida: Ein schwäbischer Unternehmer reüssiert mit Laufbändern für Pferde, Kamele und Hunde.
Es ist frühmorgens gegen sieben Uhr in einem Moskauer Hotel. Zwei bullige Männer von der Statur eines Vitali Klitschko klopfen an der Zimmertür und holen Siegfried Mitzel ab. Seine Agentin hatte ihn schon vorgewarnt: »Hab keine Angst, hab Vertrauen.« Leicht gesagt. In einem Wagen mit verdunkelten Scheiben geht es hinaus aus der Stadt. Hinaus zum Landgut der Putins. Doch es stehen nicht etwa geheime Verhandlungen in einer politisch brisanten Angelegenheit an. Es geht um einen Kundendienst.
Gewartet werden soll ein Pferdelaufband. Das hat Siegfried Mitzel, Inhaber der schwäbischen Firma Horse Gym 2000, ein paar Jahre zuvor an die pferdebegeisterten Putins geliefert. Darauf ist er spezialisiert: auf Laufbänder für Pferde, für Rennkamele und – seit Neuestem – auch für Hunde. 1995 fing es mit einem Pferdelaufband an, heute ist Mitzel mit seinem Geschäft Weltmarktführer.
Knapp fünf Millionen Euro Umsatz macht der Tüftler aus Großsorheim bei Nördlingen inzwischen. Unlängst hat er ein neues Fabrikgebäude samt neuer Firmenzentrale eröffnet. Rund 30 Mitarbeiter beschäftigt er, in Australien und Florida hat er Niederlassungen, und seine Händler sind über den Globus verteilt. Zu seiner Kundschaft zählt die Reiterelite von Miami bis Melbourne genauso wie der arabische Besitzer sündteurer Rennkamele am Golf.
Robert Höfler, bei Horse Gym 2000 zuständig für den internationalen Verkauf, betreut die arabischen Kunden und war schon mehrfach in der Wüste, um dort Kamellaufbänder aufzubauen. Klar schmunzelt der Experte, wenn er von den Kamelrennen erzählt, denn dabei werden seit sechs, sieben Jahren als Reiter menschenähnliche Roboter eingesetzt, überdimensionierte Legomännchen mit Mütze und Reitgerte in der Hand. Früher hätten meist Kinder auf den Kamelen gesessen, erklärt Höfler, aber inzwischen sei Kinderarbeit verboten.
Drei Millionen Dollar kostet ein einfaches Rennkamel, mehr als zehn Millionen Dollar kosten die Prachtstücke der Scheichs. Da ist so ein mittelteures Kamellaufband für 50000 Euro geradezu spottbillig. Es gibt die Hochgeschwindigkeitsausführung, aber auch ein Wasserlaufband, für heiß gelaufene Kamelbeine. Für umweltbewusste Scheichs lässt sich problemlos ein Solardach über das Kamellaufband schrauben, gesteuert durch modernste Elektronik.
Siegfried Mitzel will nicht, dass man über sein Geschäft zu viel witzelt. Er hat selbst zahlreiche Vollblüter im Stall, ist anerkannter Pferdeexperte und liebt seine Tiere. Viele Tierärzte bringen Pferde zu ihm, zum Training, vor allem im »Aquatrainer« – einer Spezialausführung des Pferdelaufbandes. Dort können Blessuren – wie einst bei Pfarrer Kneipp – wieder sanft auskuriert werden. Spitzenreiter der Weltelite setzen auf die Hightechgeräte. In Florida zum Beispiel lässt Mitzel den reichen Pferdebesitzern die Laufbänder zu den Rennen hinterherfahren. Und wenn die Saison vorbei ist, werden sie im Land der grenzenlosen Mobilität kurzerhand den Besitzern in New York oder Boston wieder in den Stall gestellt.
Mitzels neueste Idee entpuppt sich ebenfalls als Renner: Laufbänder für Hunde, etwa das Dog Gym 2000 mit 36 Programmen und eingebauter Lichtschranke für den Fall, dass der Hund stolpert – das Band stoppt dann. Gassi gehen ist passé. Wer will, kann seinen Hund künftig bequem vom Sessel aus an der Leine führen. Züchter oder Halter mehrerer Hunde freut’s. Kostenpunkt: 3300 bis 8500 Euro.




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