DIE ZEIT: Sie wollen mithilfe von Medizintechnik ein besseres Gesundheitssystem schaffen. Wie soll das gehen?

Hermann Requardt: Staatsmännisch formuliert, kann es natürlich nicht das eine beste Gesundheitssystem geben, sondern viele, jeweils angepasst an regionale Bedürfnisse und Strukturen. Aber die Bedürfnisse und Strukturen werden global immer ähnlicher. Die etablierten Länder stehen auf der Kostenbremse und wollen weniger in Medizin investieren. Die Schwellenländer hingegen haben lange Zeit ihr Geld für Infrastrukturen wie Energiesysteme oder Straßen ausgegeben. Jetzt investieren sie zunehmend in ihre Gesundheitssysteme.

ZEIT: Sie haben für den chinesischen Markt ein digitales Röntgengerät entwickelt, das für einen relativ geringen Preis einen guten Standard liefert. Ist das die Annäherung, die Sie meinen?

Requardt: Das Gerät macht teures Entwickeln von Röntgenbildern überflüssig. Es bringt alle Vorteile digitaler Bildverarbeitung zu einem vernünftigen Preis in die ländlichen Regionen von China. Die Ärzte dort behandeln vom gebrochenen Bein bis zur Hepatitis alles. Solche Generalisten brauchen keine hoch spezialisierten Geräte.

ZEIT: Einer der ersten Kunden war allerdings ein deutsches Klinikum. Sind wir auf dem Weg zum medizinischen Schwellenland?

Requardt: Bei solchen Anschaffungen ist hier inzwischen die Kosteneffizienz wichtig. Jeder will Bildgebung im Krankenhaus, nicht alle brauchen den höchsten Standard. Aber wir haben auf dem deutschen Markt auch Spezialisten, denen wir für ihre Fragestellungen unsere höchst entwickelten Geräte anbieten.

ZEIT: Helfen den Patienten noch mehr Röntgenapparate, Laborgeräte und Computertomografen? Sind wir nicht schon überversorgt?

Requardt: Es hilft auf alle Fälle, möglichst viel Intelligenz im System zu haben, wodurch auch immer: Bildgebung, Labordiagnostik, intelligente Datenverarbeitung oder Genomsequenzierung.

ZEIT: Nochmals: Brauchen wir mehr Computertomografen?

Requardt: Das fordere ich nicht, sondern mehr Wissen, sprich intelligente Anwendung von CTs. Ich muss beim Einsatz der Technik mein Ziel kennen. Wenn ich bei einer Reihenuntersuchung Raucher regelmäßig durchs CT schiebe und in 40 Prozent der Fälle ein ungefährliches Granulom finde, muss ich vor dem Screening wissen, wie mit dieser Erkenntnis umzugehen ist. In 98 Prozent dieser Fälle ist der Befund nämlich nach Wochen oder wenigen Monaten verschwunden. Nur in zwei Prozent handelt es sich nicht um ein Granulom, sondern um einen kleinzelligen Lungenkrebs.