Schwarzes GoldDas Dorf, das Öl und das Böse
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34 Millionen Liter Wasser pro Bohrloch

Für die Englischprüfung muss Ericka gerade das Drama Tod eines Handlungsreisenden lesen. Es langweile sie, sagt sie und verzieht ihr Gesicht, sie könne mit der traurigen Geschichte nichts anfangen. Arthur Millers beißende Kritik am Amerikanischen Traum wirkt in Sidney tatsächlich wie ein larmoyanter Anachronismus. Bauer Kermit Peterson zum Beispiel hat kürzlich eine riesige Wasserquelle unter seinem Acker entdeckt. Sie wird ihn reich machen, denn allein für ein Bohrloch braucht man bis zu 34 Millionen Liter Wasser. Im Hähnchengrill von Harald Metz, der vor vierzig Jahren als 19-Jähriger aus der Nähe von Kaiserslautern nach Amerika auswanderte, kriegt man ab 12 Uhr mittags keinen Fuß mehr auf den Boden, bis auf die Straße stehen staubverschmierte Arbeiter Schlange. Metz würde gern auch am Wochenende öffnen, findet aber keine Leute für seine Frittierschalen. Als Aushilfen werden darum im Sommer ein paar Studenten aus der Türkei nach Sidney kommen. Und Garry Schoepp, der Pick-up-Trucks verkauft und im Aufsichtsrat der örtlichen Kreditunion sitzt, erzählt, man könne das Geld gar nicht so schnell verleihen, wie es zur Bank getragen werde.

Die alte Dorothy Mitchell hat in ihrer Baptistengemeinde soeben verkündet, Sidney sei nicht mehr ihre Stadt, sie wolle fortziehen, viele Kilometer weit weg, in ein Haus am See. Ihr Sohn sagt, er habe das Refugium mit Geld aus dem Ölgeschäft bezahlt.

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Der 82-jährige Dean Thorgersen schimpft weiter auf den Lärm, die Hektik und den Neid. Um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, öffnet er seine Tankstelle jetzt schon um halb sechs statt wie früher erst um halb acht Uhr morgens.

Bürgermeister Smelser will im nächsten Jahr, nach elf Jahren im Amt, nicht wieder antreten. Doch im September, wenn in Montanas Hauptstadt der neue Haushalt verhandelt wird, will er noch die vier Stunden nach Billings fahren und dafür kämpfen, dass seine Stadt für den Schulausbau und für die Erweiterung des Abwassernetzes endlich mehr Geld aus den Ölsteuereinnahmen erhält.

Danach aber möchte er sich wieder um seinen Metallbetrieb kümmern und die Wochenenden mit seiner Frau draußen in der Prärie verbringen. Von ihrer Blockhütte aus sehen die Smelsers auf ein kitschig anmutendes Wildwest-Idyll. Graugänse landen am See, auf den Hügeln weiden Rinder und Pferde. Antilopen springen durchs Gras, nachts heulen die Kojoten. Fehlte nur noch, dass plötzlich Indianer ins Bild reiten und Büffel jagen. Man muss die Augen zusammenkneifen, dann entdeckt man am Horizont die erste Ölpumpe.

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Leserkommentare
  1. Vor ein paar Jahren noch hätte sich niemand vorstellen können, daß der Ölpreis einmal so hoch wäre, daß man mit solch aberwitzigen Methoden Öl aus Ölschiefer kochen müsste.

    Damals, als die konventionelle Ölförderung noch auf Hochtouren lief, hätte man "nichtmal den Amis" zugetraut, sich für ein paar Liter Öl in solchem Ausmaß ihre Umwelt zu zerstören und nachhaltig mit Chemikalien zu verseuchen.

    Mittlerweile ist das offenbar Normalität. Die katastrophalen Folgen dieser Art von Ölförderung sind bestenfalls noch Randnotiz, obwohl sie den bekannteren ökologischen Problemen bei der Ölsandförderung in Kanada in nichts nachstehen.

    So kann's gehen.
    Das ist kein Eldorado. Das ist ein großes Bitterfeld. Darüber können auch Goldgräberromantik und der "American Dream" nicht hinwegtäuschen.

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    • M_P
    • 30. Juli 2012 1:45 Uhr

    http://www.gegen-gasbohre...

    Ich hoffe, Herr Klingst wird des Öfteren aus Sidney berichten, um die Veränderungen zu dokumentieren.

  2. Das ist aber nicht gut für Deutschland, das seit Jahrzehnten das Ende der weltweiten Ölvorkommen abwartet, damit wir endlich unsere "sauberen Ökotechnologien" in alle Welt verkaufen können. Naja jetzt verkauft halt China die Solarzellen und in Amerika haben sie ein riesiges Ölvorkommen gefunden, was sie auf jahrzehnte absichern wird.

    Wenn man der Analyse aus dem Rolling Stone Magazine (lol) glauben schenkt, dann sind wir eh alle im Eimer und könnten hier in Deutschland langsam mal anfangen zu sagen: "Eijo das Kind ist in den Brunnen gefallen und wir können uns doch noch ein paar schöne Jahrzehnte machen, bis das Weltklima ganz im Eimer ist. Nur Kinder dürfen wir halt keine Mehr in die Welt setzen."

    http://www.rollingstone.c...

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    "Das ist aber nicht gut für Deutschland,..."

    Die dt. Industrie ist abhängig vom Öl wie kaum eine andere und Sie finden, dass ein Ölboom schlecht für Deutschland ist.

    LOL

    ...davon das Hummingbird schon etwas wahres gesagt hat, diese Art der Ölförderung kostet viel Wasser, viel Energie und richtet langfristige Ökologische schäden an.
    Ich finde es immer wieder fazinierend wie Menschen z.B. in der Lage sind die klaren Nachteile der Solarenergie erleutern zu können, was beweist das sie zu komplexen Denkprozessen fähig sind, aber deren vorteile unter den Tisch fallen lassen. Bei den Fossilen Energieträgern, läßt dann das Abstraktionsvermögen dieser Menschen völlig zu wünschen übrig.

    Die Menschheit ist, was Erdöl anbelangt, mit einem Alkoholiker vergleichbar. Wir verwüsten unsere Wohnung, auf der Suche nach dem letzen bisschen Stoff.

    Da sind mir grüne Ökospinner doch wesentlich lieber, als diese ach so realistischen Wirtschaftsdogmatiker.

    MfG

    • Karl63
    • 30. Juli 2012 8:44 Uhr

    denn die Frage wie groß die tatsächlich vorhandenen Reserven an Erdöl tatsächlich sind, dazu gibt es - vorsichtig ausgedrückt - ziemlich widersprüchliche Aussagen. Fakt ist, der globale Verbrauch steigt weiterhin an und man muss kein Genie sein um zu erkennen: dies kann auf die Dauer nicht so weitergehen.
    Was Martin Klingst berichtet, erinnert ein wenig an den "Goldrausch" in der Vergangenheit. Die entscheidende Frage ist aber, was bleibt von der dortigen Landschaft übrig, wenn denn das Erdöl restlos ausgebeutet wurde. Erdöl enthält eine ganze Reihe von Bestandteilen, die für Mensch und Tier giftig und krebserregend sind. Wenn bei der Förderung derartiges ins Grundwasser gelangt, hat dies mit Sicherheit Folgen, die für Generationen gravierend sind.
    Es hat zwar direkt nichts mit dem Artikel zu tun, aber die Bilder der Dürre in den USA sprechen eine ganz eigene Sprache. Diese extreme Trockenheit in großen Gebieten kann durchaus eine direkte Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels sein. Der Punkt ist, wenn wir da Gewissheit erhalten ist es eigentlich schon zu spät.
    Man kann diesen Artikel als Symbol dafür interpretieren, wie sehr die Förderung von Erdöl immer noch als Garant von Wohlstand und Prosperität steht. Die Zeit nach dem Öl hat aber längst begonnen.

  3. weil der Artikel schon im Satz eingearbeitet bzw. vorweggenommen ist. Schwach, liebe "Zeit".

  4. Das ist wirklich eine gute Nachricht. Wenn das Öl jetzt aus amerikanischem Boden kommt, muss es nicht woanders gestohlen werden. Wenn alles gut läuft, bedeutet das ein mehr an Sicherheit für den Rest der Welt.

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    Das aus Somalia? Oder vielleicht das vom Balkan? Die Berge von Sarajevo sind ja bekannt für ihr Ölvorkommen. Mal von den Scharfschützen abgesehen, die in Europa niemanden interessiert haben...

  5. Von Parachute, CO, bis nach Sydney, MT, fährt man - mit einmal essen und zwei Mal P-Pause - etwa 15 Stunden. Mit ten miles over sogar noch weniger. Wieviel Nächte sind die Killer denn bitte durchgefahren.

    Aber es hört sich gut an, zugegeben, echt ZEITgemäss.

  6. "Das ist aber nicht gut für Deutschland,..."

    Die dt. Industrie ist abhängig vom Öl wie kaum eine andere und Sie finden, dass ein Ölboom schlecht für Deutschland ist.

    LOL

  7. ...davon das Hummingbird schon etwas wahres gesagt hat, diese Art der Ölförderung kostet viel Wasser, viel Energie und richtet langfristige Ökologische schäden an.
    Ich finde es immer wieder fazinierend wie Menschen z.B. in der Lage sind die klaren Nachteile der Solarenergie erleutern zu können, was beweist das sie zu komplexen Denkprozessen fähig sind, aber deren vorteile unter den Tisch fallen lassen. Bei den Fossilen Energieträgern, läßt dann das Abstraktionsvermögen dieser Menschen völlig zu wünschen übrig.

    Die Menschheit ist, was Erdöl anbelangt, mit einem Alkoholiker vergleichbar. Wir verwüsten unsere Wohnung, auf der Suche nach dem letzen bisschen Stoff.

    Da sind mir grüne Ökospinner doch wesentlich lieber, als diese ach so realistischen Wirtschaftsdogmatiker.

    MfG

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    Ich sehe natürlich auch, dass der Ölboom nicht unbedingt ein Segen für die Umwelt ist.

    Aber egal wofür, aus D kann fast alles geliefert werden. Seien es EE Technologien wie Windräder und Solarzellen oder Schiffe, Flugzeuge, Fahrzeuge und Kraftwerke für Öl, Gas und Kohle.

    • M_P
    • 30. Juli 2012 1:45 Uhr

    http://www.gegen-gasbohre...

    Ich hoffe, Herr Klingst wird des Öfteren aus Sidney berichten, um die Veränderungen zu dokumentieren.

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