Stilkolumne: Zusammennähen, was nicht zusammengehört
Wer sich modisch kleiden will, der mischt: der Gürtel von Prada, der Blazer von Oma. Jetzt werden auch Materialien kombiniert, die nicht zusammenpassen.

Kleid von Marc O’Polo, 600 Euro
Mode wurde einmal in Ateliers am Reißbrett entworfen. Trends wurden festgelegt, und der Designer war der Mode-Oberlehrer. Wer sich nach der Mode kleiden wollte, musste Magazine studieren und kopieren, was er dort sah. Manche Designer denken heute noch, dass die Welt so sei, aber sie hat sich verändert. Mode besteht heute aus vielen Zutaten. Und wer sich modisch kleidet, der mischt. Einen Gürtel von einer Luxusmarke wie Prada zieht man an zu einem Top von Alexander Wang, dem aufstrebenden New Yorker Jungdesigner. Dazu trägt man eine alte Jeans, einen Blazer vom Mode-Discounter und über der Schulter die Handtasche der Urgroßmutter. Oder umgekehrt oder ganz anders, und morgen wieder andersherum.
Mode ist heute nicht mehr an eine Marke oder an einen Designer gebunden, oder gar an den Preis. Und immer weniger lässt sich Mode in Trends beschreiben. Stattdessen ist sie die individuelle Fähigkeit, sich in Kleidern auszudrücken. Mode mischt alt mit neu, elegant und sportlich, Seide und Polyester, weich mit hart. Für die Designer ist das eine Herausforderung. Wenn man keinen Look mehr vorgeben kann – wer macht dann die Mode?
Seit einiger Zeit beginnen die Marken selbst zu mixen. Texture Blocking bedeutet, Materialien mit unterschiedlichsten Eigenschaften zu kombinieren – in einem Kleidungsstück. Wie der belgische Designer Dries Van Noten, der goldene Storchenstickereien über einen Militärblazer fliegen lässt. Wie die Häuser Akris oder Céline, wo Wolle mit Leder verwebt wird. Die Charaktere der verschiedenen Materialien werden zusammengebracht.
Das ist sehr poetisch. Eine Frau kann sich mit Leder hart machen, mit Kaschmir weich. Sie verändert ihre Silhouette oder gibt sich ein erotisches Geheimnis. In einem Kleid, das aus unterschiedlichen Stoffen besteht, kann die Frau abweisend und verführerisch zugleich aussehen. Sie kann sich darin verbergen und sich gleichzeitig den Blicken ausliefern. Ein solches Kleid ist wie das Leben selbst – nichts passt zusammen, und lange hält es nicht. Denn nach der ersten Wäsche kommt das Teil kaputt aus der Maschine, weil die verschiedenen aneinandergenähten Materialien ganz verschiedene Pflegeanforderungen haben.











Herr Prüfer, was ist los? Fällt Ihnen nichts Besseres ein? Sonst lese ich Ihre Kolumne ja immer sehr gern....aber das war wohl dieses Mal nichts?
In jeder Großstadt können Sie sehen, daß Billiges mit Teurem gemixt wird, schon seit Jahren.
Hoffe, Ihr nächster Beitrag wird wieder interessanter!
L.G. Kasi.
Sehr geehrter Herr Prüfer,
nicht nur eine Frau kann mit unterschiedlicher Materialverwendung in der Kleidung ihr äußerliches Wirken verändern. Die überschnelle Assoziation Mode = Frau ist doch mittlerweile schon überholt.
was, vor allem wie leute kleider tragen ist das eine, was designer kreieren eine andere geschichte. das eine hat mit dem andern wenig zu tun.
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