Viele Menschen glauben immer noch, Gebärdensprachen seien reine »Zeichensprachen« mit isolierten bildhaften Gesten. Aber die Linguistik hat diese Sprachen längst als vollwertige Sprachen anerkannt. Sie verfügen über eine eigene Grammatik (die mit der Grammatik der entsprechenden Lautsprache nichts zu tun hat) und über abstrakte Konzepte, zum Beispiel Personalpronomen.

Weltweit gibt es etwa 200 Gebärdensprachen, und die sind teilweise sehr verschieden. So können zum Beispiel amerikanische und britische Gebärdensprachler einander kaum verstehen – der Amerikaner und der Franzose dagegen haben weniger Probleme, weil sich die American Sign Language (ASL) aus der Langue des Signes Française (LSF) herleitet.

Im deutschsprachigen Raum gibt es neben der Deutschen Gebärdensprache (DGS) noch eine Sprache für Österreich und eine für die Schweiz. Und so gibt es nicht nur Dolmetscher zwischen Laut- und Gebärdensprache, sondern auch zwischen verschiedenen Gebärdensprachen. Reines Kauderwelsch ist aber eine solche Fremdsprache für einen Gebärdensprachler nicht, denn es gibt einige Zeichen (etwa die Zahlwörter), die international verständlich sind.

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Bemühungen um eine weltweit einheitliche Gebärdensprache sind ähnlich erfolgreich wie die Kunstsprache Esperanto. Lediglich bei internationalen Konferenzen wird manchmal die Einheitssprache Gestuno (auch International Sign Language genannt) eingesetzt.

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