Alfred Brehm mochte Möpse nicht. 1869 beendete er sein berühmtes Nachschlagewerk Brehms Thierleben: »Die Welt wird nichts verlieren, wenn dieses abscheuliche Thier sammt seiner Nachkommenschaft den Weg allen Fleisches geht.« So weit ist es zum Glück nicht gekommen, im Gegenteil: Möpse gehören neuerdings zu den beliebtesten Hunden in Deutschland. 100 kamen am vergangenen Samstag beim 3. Berliner Mopstreffen in Lankwitz zusammen.

Auf dem Platz des Schutz- und Begleithundesportvereins tummelten sich nicht nur alte Damen (laut Brehm die häufigsten Mopsbegleiterinnen), sondern auch viele Kinder, junge Paare und junge Männer. Es hatte wie aus Kübeln gegossen, und überwiegend beige Möpse sausten durch Schlammpfützen, dass es nur so spritzte. Möpse faul und unsportlich? Nicht die Spur. Und wer dennoch Zweifel hatte, wurde bald völlig überzeugt: 48 der kleinen Hunde gingen an den Start zum Mopsrennen über 50 Meter. Die Firma German Timing, dieses Jahr auch bei den Olympischen Spielen in London vertreten, nahm die Zeit und schoss von jedem Mops ein Zielfoto.

»Multum in parvo«, heißt es im Rasseprofil des Verbands für das Deutsche Hundewesen, viel Masse auf kleinem Raum. Damit ist zunächst die Mopsstatur gemeint. »Wer einen ganz dünnen Hund will, soll sich einen Windhund holen«, sagt Helga Schukat trotzig, die Geschäftsführerin des Deutschen Mopsclubs e.V.

Viel Masse auf kleinem Raum, das trifft auch auf die inneren Werte zu. Im Mopspaket steckt ein großer Charakter. Angst vor größeren Hunden? Kommt beim Mops nicht vor. Die gute Seele kann sich gar nicht vorstellen, dass ein anderer Hund ihr etwas Böses will, und erkennt Aggression oft gar nicht.

Friedfertig ist die Rasse, und das war Voraussetzung für ein fröhliches Mopstreffen. Keine Beißereien, kein stundenlanges Gekläffe – ein voller Erfolg. Besonders für Emma. Der schwarze Mops einer Berliner Familie gewann, wie schon im Vorjahr, das Rennen, diesmal in 7,106 Sekunden, und wirkte nach dieser Meisterleistung nicht einmal erschöpft.

Brehms Mopsverachtung? Absurd, das finden hier natürlich alle, denn sie wissen: Der Mops kann lachen wie ein Kind. Und wenn ein hingegossenes Häufchen Mops hinter den Ohren gekrault wird, macht es wonnige Geräusche, die irgendwo zwischen dem Grunzen eines Schweines und dem Schnurren einer Katze liegen.

Ach ja, auch darin hatte Loriot so recht, als er befand: Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos. Eine stetig wachsende Zahl Deutscher scheint es auch so zu sehen. In der Hunderassenstatistik einer Haustierversicherung belegt der Mops 2011 den siebten Platz. In Bayern liegt er an fünfter Stelle, in Bremen sogar auf Rang vier.